Sensationsfund macht Bismarck-Archiv glücklich
In einem Archiv in New Jersey sind Tonaufnahmen von Otto von Bismarck aufgetaucht. mehr
Otto von Bismarck lebte von 1815 bis 1898. Von 1871 bis 1890 war er deutscher Reichskanzler.
Es knarzt und rauscht, es knackt und leiert - aber es ist die Stimme von Reichskanzler Otto von Bismarck (1815 - 1898), da sind sich die Experten sicher. Das Tondokument - es ist die einzige bekannte Aufnahme von Bismarck - wurde im Edison-Archiv in New Jersey in den USA gefunden und Anfang der Woche im Internet veröffentlicht. Die Aufnahme stammt den Angaben der Otto-von-Bismarck-Stiftung zufolge aus dem Jahr 1889: Damals, am 7. Oktober, sei sie in Friedrichsruh bei Hamburg aufgenommen worden.
Auf dem gut eine Minute langen Tondokument ist zu Beginn eine Männerstimme gut zu verstehen, die "Friedrichsruh am 7. Oktober 1889" sagt. Die Textpassagen danach sind deutlich schwieriger zu verstehen: Von Bismarck trägt die ersten Verse des amerikanischen Volkslieds "In good old colony times" vor, dann die erste Strophe der Heldenballade "Schwäbische Kunde" von Ludwig Uhland. Es folgt die gesprochene erste Strophe des Studentenliedes "Gaudeamus igitur", bevor der Reichskanzler noch den Beginn der "Marseillaise", der Nationalhymne der Französischen Republik, rezitiert. Das ist vielleicht die eigentliche Überraschung an der überlieferten Aufnahme, denn Frankreich hatte Deutschland 19 Jahre zuvor den Krieg erklärt und war geschlagen worden. "Bismarck war ein sehr, sehr geistreicher Mann", zitiert die "New York Times" seinen Biografen Jonathan Steinberg. Ausgerechnet die Hymne Frankreichs zu zitieren, "muss ihn selbst großartig amüsiert haben". Zum Schluss richtet von Bismarck einige Worte an seinen Sohn Herbert.
Der dienstälteste Kanzler der deutschen Geschichte - er regierte von 1871 bis 1890 - hatte in Friedrichsruh in einen von dem Amerikaner Thomas Edison erfundenen Phonographen gesprochen. Das Rauschen der Walze, die in diesen Phonographen eingebaut war, ist auf der Aufnahme deutlich stärker als die Stimme des 74-Jährigen. Aber dennoch wird deutlich: Die ihm nachgesagte Fistelstimme scheint der Preuße nicht gehabt zu haben.
"Friedrichsruh am 7. Oktober 1889"
Das Volkslied "In Good Old Colony Times":
"In good old colony times,
When we lived under the King,
Three roguish chaps fell into mishaps
Because they could not sing."
Dann der Beginn der Heldenballade "Schwäbische Kunde" von Ludwig Uhland:
"[Als] Kaiser Rotbart lobesam
Zum heil'gen Land gezogen kam,
Da mußt er mit dem frommen Heer
Durch ein Gebirge wüst und leer."
Bismarck fährt fort mit einer Strophe aus dem lateinischen Studentenlied "Gaudeamus igitur":
"Gaudeamus igitur,
juvenes dum sumus.
Post jucundam juventutem,
post molestam senectutem
nos habebit humus."
Dann spricht er die französische Nationalhymne "Marseillaise":
"Allons enfants de la Patrie
Le jour de gloire est arrivé
Contre nous de la tyrannie
L'étendard sanglant est levé."
Zum Ende folgen mahnende Worte an seinen Sohn Herbert:
"Treibe alles in Maßen und Sittlichkeit, namentlich das Arbeiten, dann aber auch das Essen, und im Übrigen gerade auch das Trinken. Rat eines Vaters an seinen Sohn."