"Offshore-Leaks": Steueroasen und Strohmänner
Weltweit haben Journalisten die Daten zweier Firmen ausgewertet, die der Schlüssel zu einer Schattenwelt der Steueroasen sind. Die Namen hinter den Strohmännern werden nun enthüllt. mehr
Erst mit einer speziellen Software schafften es die Journalisten, die riesigen Datenmengen systematisch zu sichten, auszuwerten - und so das Geflecht der Steueroasen offen zu legen.
Die Festplatte kam per Post und war adressiert an eine Journalistenorganisation in der US-Hauptstadt Washington: das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ). Schnell war den Reportern klar, dass sie einen gewaltigen Datenschatz vor sich hatten - Informationen aus dem Herzen der Steueroasen-Industrie sozusagen - von zwei internationalen Unternehmen, die für weltweit jeden, der es bezahlen kann, Briefkastenfirmen und Treuhandgesellschaften gründen.
Eine große Herausforderung sei es gewesen, berichtet Gerard Ryle, Chef der Journalistenorganisation ICIJ. "Es waren so viele Namen aus so vielen Ländern darin. Wir dachten, das können wir nur dann anständig machen, wenn wir Reporter in den einzelnen Ländern Zugang gewähren, die einschätzen können, wer diese Leute sind und welche Bedeutung sie haben und ob das die Öffentlichkeit interessiert."
Journalisten aus weit mehr als 30 Ländern machten sich schließlich an die Auswertung. Von der "Washington Post" über den britischen "The Guardian" und die französische "Le Monde" bis hin zu renommierten Medien in Afrika und Südamerika, in Asien und Australien beteiligten sich Reporter an dem Recherche-Projekt. In Deutschland beschäftigten sich das Radioprogramm NDR Info, das NDR Fernsehen und die "Süddeutsche Zeitung" mit der Auswertung.
Zu Beginn schien der Umfang der Daten von mehr als 200 Gigabyte die Reporter zu erschlagen, sagt Sebastian Mondial, am Projekt beteiligter Datenexperte und Journalist. "Das übersteigt wohl alles, was Wikileaks und Co. bislang ins Netz gestellt haben, beziehungsweise womit die gearbeitet haben." Das Schwierigste sei bei solch einer großen Datenmenge, dass man nicht alles sichten könne. "Die reine Lebenszeit der beteiligten Journalisten würde nicht ausreichen, jedes Dokument einzeln zu lesen und vernünftig einzuordnen und zu sichten", so Mondial.
Mit einer speziellen Software kam der Erfolg: Firmendatenbanken, E-Mails, verschlüsselte Dateiformate ließen sich nun durchsuchen und verknüpfen. Bald fanden sich Prominente und Politiker. Im deutschsprachigen Raum zum Beispiel der 2011 verstorbene Gunter Sachs, der über ein geheimes Netz von Firmen weltweit verfügte und darin Millionen unterbrachte. In Frankreich tauchte ein Vertrauter von Präsident Hollande auf, in Südamerika ein Präsidentschaftskandidat, in Afrika ein Diktator - genauso wie der bekannteste Fernsehprediger des Kontinents.
Darüber hinaus erschienen die Namen Tausender in der Öffentlichkeit weitgehend Unbekannter, die aber zeigen, wer Geld hat und es zu verstecken weiß. Spannende Einblicke habe er erhalten, sagt ICIJ-Chef Ryle. Er spricht von einer geheimen Welt, über die der Normalbürger nichts wisse - im Gegensatz zu einer bestimmten Gruppe in der Bevölkerung. "Es scheint, als gebe es Regeln für diese Leute - und andere Regeln für die Durchschnittsbevölkerung", so Ryle.
In den kommenden Tagen wollen die beteiligten Journalisten in Deutschland und weltweit über diese Fälle berichten - über Prominente wie Unbekannte, Superreiche und kleine Unternehmer sowie über die Rolle, die Großbanken in den Steueroasen spielen. Nicht alles sei illegal und kriminell, aber vieles zunächst einmal verdächtig, sagt Gerard Ryle. "Es geht nicht nur um Steuervermeidung, wenn man von Steueroasen spricht. Es geht um geheime Geschäfte, um geheime Bankkonten". Steueroasen ermöglichten durchaus viele legitime Geschäfte - "aber sie ermöglichen Ihnen genauso viel Illegales, wenn Sie es tun wollen".
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wann gedenken sie den datensatz vollständig zu veröffentlichen? sprich ein image der festplatte bzw. ein image einer kopie, welche von spuren des leakers gereinigt wurden, falls solche vorhanden sind.... [mehr]
Ich fände es sinnvoll, wenn die Daten (sowie die Software zur Recherche) öffentlich zugänglich gemacht würde. Dann kann jeder brave Steuerzahler selbst herausfinden, ob evtl. sein... [mehr]