Sendedatum: 14.10.2014 21:15 Uhr  | Archiv

Konflikt im Norden: Islamisten gegen Kurden

von Halil Gülbeyaz, Robert Härtel, Philipp Hennig, Anja Reumschüssel & Karaman Yavuz

Mit großer Brutalität haben vergangene Woche mutmaßliche Islamisten Kurden in Hamburg attackiert. Dabei wurden 14 Menschen verletzt, vier davon schwer. Die Polizei stellte Messer, Macheten und sogar Dönerspieße sicher.

Schnell ist die Rede von Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat", Dschihadisten und Salafisten, die die Kurden angegriffen haben sollen. Wer steckt nun wirklich hinter den Angriffen?

Polizisten stehen am 08.10.2014 in Hamburg vor der Al-Nour Moschee.  Fotograf: Markus Scholz

Islamisten gegen Kurden: Der Konflikt im Norden

Panorama 3 -

Vergangene Woche attackierten sich Kurden und Islamisten in Hamburg mit Waffen. Das Problem: die Szene ist undurchsichtig, auch für die Polizei und den Verfassungsschutz.

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Salafisten provozierten am Steindamm

Panorama 3 begibt sich auf Spurensuche. Laut Verfassungsschutz gibt es in Hamburg rund 300 Salafisten, davon 150 Dschihadisten, die einen bewaffneten heiligen Krieg befürworten. Ein Teil dieser Radikalen soll für die Ausschreitungen mitverantwortlich sein. "Eine Rolle spielt sicherlich nach unseren Erkenntnissen eine Gruppe von 30, 35 Salafisten, die am Steindamm provoziert hat", sagt Marco Haase vom Verfassungsschutz Hamburg.

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Daniel Abdin, Vorstand der Al-Nour Moschee am Steindamm, wurde bedroht, als er die Gruppe aufforderte, das Gotteshaus zu verlassen.

Daniel Abdin ist Vorstand der Al-Nour Moschee am Steindamm. In der Nacht der Krawalle seien mehrere ihm unbekannte Muslime in die Moschee gestürmt. Als die Gruppe aufgefordert wurde, das Gotteshaus zu verlassen, sei er bedroht worden. "Woher kommt dieses Gewaltpotential, woher kommt diese Wut aufeinander? Warum?" fragt er noch Tage später hilflos.

Keine klare politische Botschaft?

Islamwissenschaftler Achim Rohde beschäftigt sich schon länger mit radikalisierten jungen Muslimen. Er spricht von einer nicht homogenen salafistischen Szene in Hamburg, die schwer zu durchschauen ist. Sie hätten keine klare politische Botschaft, seien lediglich geleitet von dem diffusen Gedanken, dass sie die Wahrheit gepachtet hätten, meint Achim Rohde. "Diese Leute pflegen nicht unbedingt Kontakt zu den Gemeinden in Hamburg, weil sie dort nicht so gern gesehen werden. Sie bewegen sich eher freischwebend in Hamburg und landen gelegentlich in Moscheen, in denen die Mitglieder nicht so genau hinschauen."

Bei den Krawallen hat ein Kamerateam Videoaufnahmen gemacht, die im Internet verbreitet wurden. In einem der Videos ist ein junger Mann zu sehen, der während den Ausschreitungen mit anderen Muslimen "Kobane wird islamisch" skandierte.

Panorama 3-Reporter entdecken ihn drei Tage nach den Krawallen auf der Straße in Hamburg wieder. Vor die Kamera will er nicht, im Internet dagegen zeigt er sich wesentlich weniger kamerascheu. Auf Fotos in sozialen Netzwerken ist er gemeinsam mit anderen jungen Männern in T-Shirts der Organisation "Lies Hamburg" zu sehen. Diese Gruppe verteilt in der Hamburger Innenstadt regelmäßig kostenlose Exemplare des Korans und will Andersgläubige bekehren.

Keinesfalls harmlose Missionsarbeit

Bei "Lies Hamburg" handele es sich nicht um harmlose islamische Missionsarbeit, warnt der Verfassungsschutz. "Das sind Salafisten, die hinter diesen Ständen stehen und auch für ihre Ideologie werben", sagt Verfassungsschützer Marco Haase.

Die Spurensuche hat einen Einblick gegeben. Doch Vieles bleibt im Dunkeln. Offenbar auch für die Behörden. Und so können sie im Moment nur mit massivem Polizeiaufgebot reagieren.

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 14.10.2014 | 21:15 Uhr