Stand: 21.03.2016 23:59 Uhr

"Tag des Waldes": Die Eiche ist das Sorgenkind

Der Wald ist Naherholungsgebiet für Menschen und Heimat vieler großer und kleiner Tiere. Er setzt sich aus mehr als 1.000 Baum-, Strauch und Pflanzenarten zusammen. Eine seiner wichtigsten Aufgaben: Klimaschutz. Jedes Jahr speichert der Wald 2,6 Milliarden Tonnen CO2.

Was den norddeutschen Wald besonders macht

Herausforderungen: Der Wald als Kompromiss

Am Wald zerren zwei Interessengruppen: "Zum einen verdienen deutschlandweit eine Millionen Menschen ihr Geld mit dem Wald, direkt als Waldarbeiter oder indirekt als Mitarbeiter in der Papierherstellung", sagt Dr. Heino Polley vom Thünen-Institut für Waldökosysteme. Diese Menschen sind auf produktive Wälder angewiesen.

Internationaler Tag des Waldes

Der 21. März ist seit den 1970er-Jahren internationaler Tag des Waldes. Ins Leben gerufen wurde er, um auf die globale Waldvernichtung aufmerksam zu machen. Naturschutzorganisationen informieren an diesem Tag über die Situation des Waldes.

Auf der anderen Seite stehen die Tiere und Pflanzen, die im Wald ihren vielfältigen Lebensraum finden. Zudem soll der Wald weit über seine Grenzen hinaus zum Klimaschutz beitragen. Zum einen, indem der Wald Kohlenstoffdioxid bindet. "Dabei spielen neben den lebenden Bäumen aber auch langlebige Holzprodukte im Bauwesen und als Möbel eine Rolle", so Dr. Heino Polley. Außerdem spielt Holz als Ersatz für fossile Brennstoffe eine wichtige Rolle.

"Das Waldsterben konnte vermieden werden"

Niedersachsens Wälder sind in einem gesundheitlich stabilen Zustand, sagt Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Jedes Jahr veröffentlichen die Länder sogenannte Waldzustandsberichte und tragen dafür Daten und Fakten zu den Wäldern zusammen.

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Sorgenkind des Waldes: Die Eiche

"Die politischen Maßnahmen gegen Schadstoffausstoß aus industriellen Anlagen wirken", so der Minister. Das Schreckensszenario "Waldsterben" ist also nicht eingetreten. In den 80er-Jahren war das das Umweltthema Nummer eins.

Auch im waldarmen Schleswig-Holstein hat sich der Gesundheitszustand der Wälder in den vergangenen Jahren insgesamt stabilisiert. Nur den Laubbaumarten Buche und Eiche geht es schlechter. Eine Diagnose, die auch auf Niedersachsens Wälder zutrifft.

"Die Eiche ist unser größtes Sorgenkind"

"Dem Wald geht es nicht so gut", sagt dagegen Jan Muntendorf von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Sitz in Hamburg. Das größte Problem seien Schadstoffbelastungen, verursacht durch Industrie, Autoverkehr und die konventionelle Landwirtschaft.

Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbundes (NABU) aus Schleswig-Holstein sieht das ähnlich: "Durch Stickstoffe aus der Landwirtschaft und aus dem Verkehr verändern sich die Lebensräume im Wald." Dies mache sich in Schleswig-Holstein vor allem bei Eichen bemerkbar: "Viele sind schütter und nicht so stark belaubt, wie sie es eigentlich sein sollten." Der Kronenzustand gilt als Indikator für den Gesundheitszustand von Waldbäumen.

In Mecklenburg-Vorpommern bleiben die Wälder stabil

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Trotz des Nachhaltigkeitsgrundsatzes prüft Minister Backhaus, ob in der Landesforst-Anstalt der Einschlag etwas reduziert werden muss.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 600.000 Hektar Wald, eine Fläche wie mehr als zweimal das Saarland aus Bäumen. Laut Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) geht es dem Wald in Mecklenburg-Vorpommern so gut wie nie seit der Wende. Das sagte er NDR 1 Radio MV. Demnach seien die Wälder stabil und die Altersstruktur gut durchmischt. Die Kritik, dass zu viel abgeholzt werde, wies Backhaus zurück. Im Land gelte der Nachhaltigkeitsgrundsatz. Demzufolge werde nur so viel Holz geschlagen, wie nachwächst. Dennoch prüfe er, ob der Einschlag bei der Landesforst-Anstalt reduziert werden müsse.

Der Wald von morgen

"Der Klimawandel wird einige Baumarten, insbesondere die Fichte, unter Druck setzen", sagt Dr. Heino Polley vom Thünen-Institut für Waldökosysteme. Klimatisch bedingte Schäden durch Trockenheit, Stürme und Schadinsekten könnten zunehmen.

Außerdem entwickelt sich der Wald so, dass es immer mehr Laubbäume sowie alte und dicke Bäume gibt. Damit erreichen Bäume Dimensionen, für die es auf dem Holzmarkt keine passende Nachfrage gibt. "Andererseits entstehen damit günstige Voraussetzungen für mehr biologische Vielfalt im Wald", sagt Polley.

Die Politik muss also Rahmenbedingungen schaffen, die Naturschutz und Vielfalt im Wald ermöglichen. Das erschwert allerdings wiederum die Rohstoffversorgung für die Holzindustrie. Aber: "Weiter steigende Holzpreise und Angebote zum Vertragsnaturschutz könnten das Einkommen der Waldbesitzer sichern," so Polley.

Artenvielfalt in Schutzgebieten

Für Naturschutz und für die Vielfalt im Wald sollen auch im Norden mehr Räume geschaffen werden: Mit den Großschutzgebieten wie den Nationalparks und den Weltnaturerbe-Flächen seien Abschnitte unter "Nullnutzung" gestellt worden, so der Landwirtschaftsminister Backhaus: "Es findet dort kein wirtschaftlicher Nutzen mehr statt und dadurch kommen wir zu einer Stabilität der Artenvielfalt."

Auch Niedersachsen hat sich beim Naturschutz und bei der Artenvielfalt ein Ziel gesetzt: Der Anteil der natürlichen Waldentwicklung soll im Landeswald bis 2020 um zehn Prozent erreichen. Das gemeinsame Projekt von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium läuft bereits seit drei Jahren. In dieser Zeit hat sich der Anteil ungenutzten Waldes bereits von drei auf fünf Prozent erhöht. "Niedersachsens Wälder werden dadurch noch ein Stück wilder. Unzählige Tier- und Pflanzenarten werden davon profitieren und die biologische Vielfalt wird deutlich erhöht", so Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

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