Stand: 05.04.2013 11:43 Uhr

Steueroasen: Deutsche Bank besonders aktiv

von Lena Gürtler, Mareike Fuchs und Christoph Heinzle, NDR
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Die Deutsche Bank bietet ihre Dienste für Geschäfte in Steueroasen ganz offen an - in einer Broschüre, die im Internet abrufbar ist.

Das gewaltige Datenpaket von den Festplatten zweier Dienstleister erlaubt einen Blick ins Innere des Systems der Steueroasen. Die Dokumente zeigen, wie Superreiche, Unternehmer und Politiker ihr Geld vor Behörden verstecken. Aber auch wie internationale Großbanken dabei kräftig mitverdienen und ihre Kunden mit Steueroasen-Konstrukten versorgen. Unter den deutschen Instituten ist dabei die Deutsche Bank besonders aktiv.

Steueroasen-Broschüre der Deutschen Bank im Internet abrufbar

Man muss gar nicht lange suchen. Die Deutsche Bank bietet ihre Dienste für Geschäfte in Steueroasen ganz offen an: in einer Broschüre ihres Unternehmensbereichs "Private Wealth Management", abrufbar im Internet. Angeboten wird die "Gründung, das Management und die Verwaltung" von Trusts, Firmen und Stiftungen in verschiedenen Ländern. Auch mit den Rechts- oder Steuerberatern der Kunden arbeite man gern zusammen. Ein Banksprecher bestreitet all das. Und das, obwohl die Großbank nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" im Rahmen des internationalen Projekts "Offshore Leaks" allein über ihre Niederlassung in Singapur im Auftrag von Kunden mehr als 300 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen registrieren ließ. Bestens geeignet für Steuerhinterziehung und Geldwäsche, sagen Experten. Doch die Bank erklärt: "Die Deutsche Bank bietet ihre Dienstleistungen für vermögende Kunden auf der Grundlage an, dass die Kunden ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen."  

"Banken zwingen, sich aus diesem Geschäftsmodell zu verabschieden"

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"Deutschland sollte es für seine Großbanken sehr schwer machen, in Steueroasen aktiv zu sein", sagt der Grüne Schick.

Die Banken wüssten sehr genau, was ihre Kunden in Steueroasen treiben, so der Vorwurf von Steuerfahndern und Finanzpolitikern wie Gerhard Schick. "Wir müssen die Banken, auch die deutschen Banken, dazu zwingen, sich aus diesem Geschäftsmodell mit der Legalisierung von illegalem Geld, also mit Geldwäsche und Steuerhinterziehung, endgültig zu verabschieden", fordert der Grünen-Politiker. "Deutschland sollte es für seine Großbanken sehr schwer machen, in Steueroasen aktiv zu sein, und dafür sorgen, dass Geschäftsmodelle, die von Deutschland aus betrieben sind, auch sauber sind. Das ist, glaube ich, das eigentliche Interesse, das wir haben."

Wie die SPD fordert auch Schick, Banken die Lizenz zu entziehen, wenn sie in illegale Geschäfte verwickelt sind. Schick sieht konkrete Versäumnisse der Berliner Koalition: Sie erhebe nicht wie Frankreich eine Strafsteuer auf Transfers in Steueroasen, sie habe sich nicht einer europäischen Initiative angeschlossen, die Unternehmen dazu zwingen sollte, ihre Einkünfte nach Ländern gesplittet anzugeben.

2011 fünf Milliarden Euro von Wohlhabenden frisch angelegt

Gewichtige wirtschaftliche Interessen, gerade der großen Banken, steckten hinter der politischen Zurückhaltung, glauben Oppositionspolitiker wie auch Experten. "Das sind die Schlupflöcher, die von den Politikern wohl gelassen werden. Anders kann ich mir das nicht erklären. Sonst könnte man solche Oasen doch trockenlegen", sagt der frühere Chef der Steuerfahndung Frankfurt, Frank Wehrheim."Ich glaube, dass wir mit den Steuergesetzen mittlerweile hinterherhinken, dass die findige Finanzwelt die einzelnen Staaten längst ausgebremst hat und Wege gefunden hat."

Während die Banken sich zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen, zeigt "Offshore Leaks", wie wichtig die großen Geldinstitute für das Funktionieren der Steueroasen-Maschinerie sind. Und wie gern Banken ihre wohlhabenden Kunden mit gewagten Konstrukten in Offshore-Paradiesen von den Jungferninseln bis zu den Cayman Islands versorgen. Allein der zuständige Unternehmensbereich der Deutschen Bank verzeichnete 2011 aus dem Kreis der Wohlhabenden einen Zufluss von fünf Milliarden Euro frisch angelegter Gelder.