Stand: 02.12.2016 13:55 Uhr

Im Kinderhospiz helfen Puppen beim Trauern

Eltern mit sterbenskranken Kindern brauchen Unterstützung und einen Rückzugsort für die ganze Familie. So ein Ort ist das Kinder-Hospiz-Sternenbrücke in Hamburg. Hier sind die Kinderkrankenschwester Ute Nerge und ihr Team für Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen da, hier können die Familien Kraft schöpfen und Geschwister, für die im Alltag oft nicht genug Zeit bleibt, bekommen Aufmerksamkeit. Hospiz-Leiterin Ute Nerge über ihre Arbeit mit Kindern und Handpuppen, die für sie in der Trauerarbeit eine große Rolle spielen.

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Hospizleiterin Ute Nerge findet einen besonderen Zugang zu Kindern über ihre Handpuppen.

Handpuppen sind in der Trauerarbeit mit kleinen Kindern für mich unverzichtbar. Die Faszination, dass diese Puppen "sprechen" können, ermöglicht mir, einen besonderen Zugang zu ihnen zu finden. Sie sehen nur die Handpuppe, die zu ihnen spricht. Mich nehmen sie kaum wahr. Die Kinder sind oft so intensiv in dem Gespräch mit der Puppe, dass sie mich als dritte Person in das Gespräch mit einbinden und nicht registrieren, dass die Puppe meine Stimme hat. Sorgen, Ängste und Nöte bekommen so Raum. Die "Puppe" tröstet, fragt, gibt Rat und unterstützt in besonderen Situationen.

Puppen unterstützen die Kinder

Je nach Lebenssituation kommen auch mehrere Handpuppen zum Einsatz. Der "kleine Nils" ist Freund und Spielkamerad. Er fragt, berät und tröstet. Der "Rabe Robert" ist eine Figur, die Traurigkeit und Ratlosigkeit teilt und hilft, damit umzugehen. Die "Hexe Hilde" kann zaubern und sehr zornig werden.

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Die Handpuppen spielen verschiedene Rollen: Sie dürfen zornig oder wütend, traurig und ratlos sein.

Die Kinder lassen sie selbst sprechen, indem die eigene Situation oft widergespiegelt wird, zum Beispiel spricht die Hexe - mit der Stimme des Kindes: "Warum kommen keine Freunde zu mir nach Hause zum Spielen? Sie sagen mir, dass ich lieber zu ihnen kommen soll, damit wir meinen kranken Bruder nicht stören. Aber die stören doch überhaupt nicht." Mit Hilfe der Puppen bekomme ich Einblicke in ihre momentane Situation, oft ihre Seelennot. Und mit Hilfe der Puppen versuche ich ihnen altersgerechte Wege aufzuzeigen und Möglichkeiten zu schaffen, die ihnen helfen.

Ein kleiner vierjähriger Junge kam zu mir in das Büro gelaufen, in dem auf einer kleinen blauen Kinderbank alle Puppen sitzen, und meinte: "Ute, ich muss ganz schnell mit Nils sprechen", und lief zu der Bank. Ich stand auf, nahm die Puppe Nils "zur Hand", setzte mich auf mein Sofa und sofort begann er, der Puppe zu erzählen, was gerade passiert war.

Gemeinsam gute und hilfreiche Wege finden

Ab dem fünften Lebensjahr kehrt sich oft die Situation um. Die Kinder selbst nehmen die Puppe zur Hand, meistens die ganz große. Sie verstecken sich oft hinter ihr und lassen sie mir dann erzählen, was sie gerade bewegt oder belastet. Ich spreche dann nur mit der Handpuppe und das Kind nicht persönlich an. Irgendwann sitzt das Kind dann bei mir und hat die Puppe nur noch an der Hand, aber spricht selber mit mir und dann liegt irgendwann die Puppe nur noch auf der Bank und das Vertrauen, welches mit ihrer Hilfe geschaffen werden konnte, macht es möglich, dann einfach nur zu mir zu kommen und über schwere Situationen zu sprechen und gemeinsam weiter gute und hilfreiche Wege zu finden.

Kinderhospiz "Sternenbrücke"

Sandmoorweg 62
22559 Hamburg
Tel. 040 - 81 99 12 0
E-Mail: info@sternenbruecke.de
Internet: www.sternenbruecke.de

Im spielerischen Umgang helfen die Handpuppen, Zugang zu jüngeren Kindern zu finden, um sich mit sehr schweren Themen auseinanderzusetzen. Auch wenn die Kinder oft noch sehr klein sind, müssen sie Situationen erleben, die sie für ihr weiteres Leben prägen. Sie gut zu begleiten ist eine notwendige Aufgabe, damit ihre kleine Seele möglichst keinen Schaden nimmt.

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