Stand: 02.12.2016 13:54 Uhr

Geschichten von Begleitungen in der Hospizarbeit

Die Hospiz-Initiative Kiel e.V. ist im Haus der Begegnung in der Kieler Waitzstraße zu Hause. Der gemeinnützige Verein kümmert sich mit Fachkräften und ehrenamtlichen Mitarbeitern um Kranke, Sterbende, ihre Familien und Angehörige. Hier erzählen Mitarbeiter und Ehrenamtliche von ihrer Arbeit, ihren Eindrücken: Geschichten von Begleitungen in der Hospizarbeit.


Patricia Schmolke, Koordinatorin

Der Engel auf dem Regenbogen

Herr M. hatte angerufen und um eine Beratung für eine Familienbegleitung durch das Projekt "KLEE - Kinder lebensbedrohlich erkrankter Eltern" gebeten. Seine Frau war erneut an Krebs erkrankt. Die Prognose war nicht gut, sie mussten damit rechnen, dass sie bald sterben würde. Aber da gab es auch Lisa, ihre kleine, fast fünf Jahre alte Tochter. Der Vater meinte, sie müssten sie doch darauf vorbereiten, dass die Mutter sterben würde. Davor hatten die Eltern große Angst, denn sie wollten ihr Kind natürlich so wenig wie möglich belasten.

Wir überlegten gemeinsam, wie sie ihrer Tochter helfen könnten. Sie freuten sich sehr darüber, dass die ehrenamtliche Familienbegleiterin Gabi regelmäßig zu ihrer Tochter kommen konnte. Gabi konnte mit Lisa spielen oder etwas unternehmen, wozu die Eltern weder Zeit noch Kraft hatten. Lisa freundete sich schnell mit ihr an, die Eltern fühlten sich entlastet und freuten sich, wenn sie ihre Tochter lachen hörten.

Eine berührende Begebenheit

Nach Ende der Begleitung erzählte Gabi von einer kleinen Begebenheit, die uns alle sehr berührte. Die Mutter war immer schwächer geworden. Lisa merkte dies natürlich und wollte am liebsten immer in ihrer Nähe bleiben. Eines Nachmittags hatte sie ihre Puppe im Arm und es war zu sehen, dass sie intensiv nachdachte. "Wo geht Mama eigentlich hin, wenn sie stirbt?" Bevor Gabi antworten konnte, meinte sie: "Vielleicht wird sie ein Engel?"

Sie legte ihre Puppe weg, holte sich ein großes Blatt Papier und Stifte und begann zu malen: Es entstand ein großer bunter Regenbogen. Und mitten auf dem Regenbogen saß ein Engel in einem langen bunten Kleid. "Das ist die Mama, wenn sie gestorben ist. Da kann sie mich immer sehen." Gemeinsam gingen Gabi und Lisa zur Mutter und Lisa zeigte ihr Bild. Die Mutter weinte, aber sie lachte auch ein wenig und nahm Lisa fest in den Arm.

Dieses Thema im Programm:

16.12.2016 | 20:15 Uhr

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