Stadtporträt
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Zoo Rostock - vom Hirschgarten zum Erlebnispark

von Stefanie Grossmann

Carl Lange, der erste Tierpfleger im Tiergarten in Rostock © Zoo Rostock Detailansicht des Bildes Carl Lange war der erste Tierpfleger. Zoo-Gründer Robert Schramm stellte ihn am 4. Januar 1899 ein. Die Geschichte des Rostocker Zoos beginnt ganz klein: "1898/99 richtete Jäger Robert Schramm beim Forsthaus in den Tannen einen kleinen Tierpark ein, indem er zunächst zwei große Gatter für ein Hirsch- und ein Rehpaar anlegte", schreibt der Stadtarchivar Ludwig Krause im gleichen Jahr. Dafür nutzt Schramm das Gelände des Botanischen Gartens in der Nähe des Ausflugslokals Trotzenburg, das er schon in den 1880er-Jahren mit seltenen Pflanzen wie einem Mammutbaum und Küstentannen kultiviert hatte. Für die ersten Tiere stellt der Förster am 4. Januar 1899 einen Tierpfleger ein: Carl Lange. Ein Seeadlerpaar, Wildschweine und zwei Bären locken in den Folgejahren bereits Scharen von Besuchern an.

Nach einem "Brandbrief" von Robert Schramm zur besseren Haltung der Tiere, entscheiden sich die Stadtväter, den kleinen Tierpark auszubauen. Zwischen 1907 und 1910 entstehen verschiedene Tierhäuser, ein Café und ein Kassenhäuschen. Darüber hinaus rufen sie zu Tierspenden auf. Zu Pfingsten 1910 ist es endlich soweit: Der Tiergarten, wie ihn die Rostocker liebevoll bezeichnen, öffnet seine Pforten.

Kein Tier übersteht den Zweiten Weltkrieg

Das Raubtierhaus im Rostocker Tiergarten © Zoo Rostock Detailansicht des Bildes Das Raubtierhaus gehörte in den 30er-Jahren zu den Publikumsmagneten. Doch die Freude über die neue Attraktion währt nicht lange. Der Erste Weltkrieg macht dem Tiergarten schwer zu schaffen. Viele Tiere verenden wegen Kälte, Futtermangel und Krankheiten. Der Rostocker Anzeiger beschreibt 1918 die Situation: "Auf dem Teich sind die Schwäne, aus dem Rotwildhaus die Rehe und aus dem Schwarzwildhaus die dort untergebrachten Löwinnen verschwunden." Auch in den Nachkriegsjahren bietet sich den Besuchern ein ähnliches Bild: Überall sehen sie leere Käfige und Ställe. Einzig die Bären bekommen Nachwuchs und ermöglichen dem Zoo durch den Verkauf der Jungtiere, wiederum andere Tiere wie Rhesusaffen anzuschaffen. Für einen Lichtblick sorgt 1931 die Dahlienschau: An manchen Tagen strömen bis zu 25.000 Besucher in den Tiergarten, um sich an den 20.000 Dahlien zu erfreuen. Selbst der öffentliche Nahverkehr kommt dadurch zum Erliegen.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wird der Tiergarten fast vollständig vernichtet. Durch das Gelände ziehen sich Schützengräben, Gitterstangen werden zweckentfremdet und Zäune sowie seltene Pflanzen zu Brennholz verarbeitet. Kein Tier überlebt: Die Zoobewohner, die nicht bei Angriffen ums Leben kommen, landen auf der Schlachtbank - oder sie werden freigelassen, was zwangsläufig ihren sicheren Tod bedeutet.

Aller Neuanfang ist schwer

Die sogenannte Bärenburg im Tiergarten Rostock © Zoo Rostock Detailansicht des Bildes Die 1959 eingeweihte Bärenburg gehörte damals zu den modernsten Bärenanlagen Deutschlands. Der Wiederaufbau des Tiergartens beginnt 1950 und ist nur Dank des Einsatzes des Gartenbauarchitekten Arno Lehmann und der Rostocker Bevölkerung möglich. Zusammen zäunen sie das anfangs sieben Hektar große Gelände ein und reparieren Volieren, Käfige und Parkflächen. Da es kein Geld für den Ankauf von Tieren gibt, "schnorrt" Lehmann erste Tiere wie Goldfische, Wildschweine und Hirsche zusammen. Zum Glück bekommt er auch einige Tiere geschenkt, so dass der kleine Tierpark zum 7. September 1952 wieder öffnen kann. Obwohl er sich unter Lehmanns Leitung weiterentwickelt, entsteht bei den Rostockern der Wunsch nach einem richtigen Zoo. Dem gibt der Stadtrat 1955 nach, und beschließt den Tierpark in einen Zoologischen Garten umzubauen und auf 16 Hektar zu erweitern.

1956 beginnt der Ausbau - 602.328 gemeinnützige Aufbaustunden und 2.880.603 Mark von Firmen und Sponsoren lassen den Zoo in den nächsten Jahren wachsen. Er spezialisiert sich auf nordische Tiere. Eine kleine Robbe namens Robbi ist 1956 das erste Polartier in Rostock. Ihr folgen kurz darauf zwei Eisbären. 1959 können auch die Bären endlich aus ihrem Provisorium - einem alten Zirkuswagen - in ihr neues Zuhause umziehen: die Bärenburg. Sie wird eine der Attraktionen im neuen Zoo. Er dient von nun an zur Freizeitgestaltung, er ist aber auch Bildungs- und Kulturstätte. Selbst Zeitungen prophezeien damals dem Zoo eine große Zukunft.

Die Sinne ansprechen

Flaschenaufzucht eines Eisbär-Babys im Rostocker Zoo © Zoo Rostock Detailansicht des Bildes Die Kuratorin für Säugetiere, Karin Linke, zieht 1989 ein verstoßenes Eisbär-Baby mit der Flasche auf. Der Zoo entwickelt sich in einer relativ kurzen Zeit zu einer modernen Einrichtung. 1973 erklären die Macher, ihn zu einem Zentrum für die gesamte ostdeutsche Küstenregion machen zu wollen. Weitere Ziele und Konzepte sind eine Erweiterung auf 56 Hektar und eine Gliederung der Anlagen - nach geografischen Aspekten. Mit dem Ziegenstreichelgehege entsteht erstmals eine begehbare Anlage. Wichtig ist den Gestaltern eine artgerechte Unterbringung der Tiere. Zudem schärft der Zoo sein Profil für Polartiere. 1980 bekommt er aufgrund seiner Zuchterfolge den Auftrag, ein Internationales Zuchtbuch zu führen.

Heute leben in Rostock 1.700 Tiere, die 250 verschiedenen Arten angehören. Für die Zukunft lautet das Motto des Zoos: Passives Schauen ist out, aktives Erleben ist in.

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Der Eingang an der "Trotzenburg" des Rostocker Tiergartens zu Beginn des 20. Jahrhunderts © Zoo Rostock
 
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Zwei Rehe, zwei Hirsche und Tierpfleger Carl Lange - das sind die Anfänge als Tierpark.

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