Nach altem Volksglauben eignet sich die Walpurgisnacht besonders gut für Schutz- und Fruchtbarkeitszauber, Liebesorakel und Zukunftsdeutungen. Worauf die Bräuche und Legenden zurückgehen, ist nicht endgültig geklärt.
Traditionell werden in der Walpurgisnacht große Feuer entzündet. Mit dem Feuer sollen böse Geister vertrieben werden.
Wer über die Glut springt, darf sich dabei etwas wünschen. Betrifft dieser Wunsch zwei Personen, so sollten sie sich beim Sprung an den Händen fassen. Es heißt: Wer gemeinsam über das Feuer springt, verbringt sein ganzes Leben miteinander.
Tiere zwischen zwei Maifeuern hindurch zu treiben, schützt sie vor Krankheiten.
Bestimmte Kräuter und Blumen, die klein geschnitten und unter das Futter gemischt werden, sollen das Vieh immun gegen Verzauberung machen.
Um Vieh und Häuser zu schützen, wird in jener Nacht geweihtes Salz auf die Türschwellen der Ställe und Häuser gestreut.
Ein Aberglaube rät, in der Walpurgisnacht die Stalltüren mit drei Kreuzen zu versehen, damit die Hexen weder einem selbst, noch dem Vieh schaden können.
Man soll zu solchem Zwecke auch Kreuzdorn auf Krippen, Futtertröge und Stalltürschwellen nageln. Zum Schutz vor Hexen werden Hagebutten, Kräuter oder Hausgeräte (z.B. eine Sichel) unter der Schwelle der Stalltür vergraben.
Ein geschnittener Holunderzweig über der Haustür aufgehängt, hält die Hexen vom Behexen des Hauses ab. Zauberstäbe oder Amulette der Hexen verlieren dann ihre Wirkung.
Auch ein mit dem Reisig nach oben aufgestellter Besen oder zwei gekreuzte Besen vor der Tür sollen helfen. Ebenso dient ein Messer im Schlüsselloch der Haustür der Hexenabwehr.
Ein anderer Walpurgis-Brauch besagt, man solle in der Walpurgisnacht ausgestochenen Rasen vor die Tür legen. Man glaubte, dass die Hexen, bevor sie die Tür öffnen könnten, die Grashalme zählen müssten und dies erst bis zum Morgen schaffen könnten.
Um etwas über die Treue und die Absichten des Partners zu erfahren, gebe man zu Walpurgis (30. April) etwas Erde auf einen Stein und pflanze darauf zwei Vergissmeinnicht (Myosotis). Wenn diese aufeinander zuwachsen, bleibt der Partner treu bzw. die Hochzeit steht bevor.
Den Vornamen des oder der Zukünftigen wird erfahren, wer in der Nacht durch ein Tor geht und den ersten Menschen, der ihm begegnet, nach seinem Namen fragt.
Für den Fall, dass es in der Walpurgisnacht regnen sollte, können gleich drei alte Bauernregel angewandt werden:
"Regen auf Walpurgisnacht, hat immer ein gutes Jahr gebracht."
"Um Walpurgis tut's wirken, es fährt der Saft ein in die Birken."
"Ist die Hexennacht voll Regen, wird's ein Jahr mit reichlich Segen."
Bekannt ist auch das Errichten eines Maibaumes. Ein Brauch, der sich weltweit verbreitet hat. Je nach Vegetation, kann der Maibaum ein Laub- oder Nadelbaum sein. Meist wird er von Frauen aus dem nahen Wald geholt und geschmückt.
An manchen Orten wird der Geliebten ein Tannenbaum auf den Misthaufen gestellt. Manche Bauern stecken so viele Tannenbäume in den Misthaufen, wie Tiere auf dem Hof leben. Das soll sie vor Schaden schützen.