Stand: 11.05.2012 23:50 Uhr
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Eklat bei Verleihung des Henri Nannen Preises
Die "Bild"-Autoren Harbusch (l.) und Heidemanns bekamen den "Henri".
Der Henri Nannen Preis, der zu den renommiertesten Auszeichnungen für Journalisten gehört, ist am Freitagabend in Hamburg verliehen worden. Im Deutschen Schauspielhaus übergaben der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und sein Magazin "Stern" die mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Auszeichnungen nebst Bronzebüste "Henri" an die Sieger.
In den Kategorien Reportage, Investigation, Dokumentation, Essay und Fotoreportage wurden insgesamt 872 Arbeiten eingereicht. Es werden regelmäßig Journalisten geehrt, deren Beiträge sich durch besondere Unabhängigkeit, Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Kreativität auszeichnen. Der Preis erinnert an den Gründer des "Stern", Henri Nannen (1913-1996).
Keine gemeinsame Auszeichnung mit der "Bild"
Erstmals wurde die "Bild"-Zeitung bedacht. Für ihren Beitrag "Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?" vom 13.12.2011 in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff erhielten die zwei "Bild"-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch den "Henri". Gleichzeitig mit ihnen sollten in der Kategorie "Beste investigative Leistung" die Journalisten Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der "Süddeutschen Zeitung" ausgezeichnet werden, die die "Formel-1-Affäre" bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Leyendecker lehnte die Auszeichnung jedoch stellvertretend ab, weil er nicht zusammen mit der "Bild"-Zeitung ausgezeichnet werden wolle.
Markwort: Medium kein Ausschluss-Kriterium
Die mögliche Auszeichnung des Boulevardblatts war bereits im Vorfeld umstritten: Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer bezeichnete sie als "Ritterschlag mit Zugang zur Artus-Runde" für das Massenblatt. Bei der Veranstaltung gab es vereinzelt Buh-Rufe für die Jury-Entscheidung.
Juror und "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort erklärte hingegen, das Medium könne kein Ausschlusskriterium für die Bewertung einer investigativen Leistung sein. Die Jury habe sich nach dreimaliger Abstimmung entschlossen, den Preis zweimal zu vergeben. Noch keine Sitzung des Gremiums habe so lange gedauert wie die zur Entscheidung für die Kategorie "Investigative Recherche".
Autoren aller großen Blätter vertreten
Niklas Maak von der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erhielt den Essay-Preis, in der Kategorie "Foto-Reportage" gewann Kai Löffelbein. Der "Henri" für Dokumentation ging an ein Team des "Spiegel". Für seine Reportage erhielt Stefan Willeke von der "Zeit" den Egon-Erwin-Kisch-Preis.
Schon im Vorfeld war bekannt geworden, dass der britische Journalist Nick Davies ("The Guardian") den Preis für seinen Einsatz für die Pressefreiheit erhalten sollte. Er deckte auf, dass Reporter der britischen Boulevardzeitung "News of the World" des Medienunternehmers Rupert Murdoch illegale Abhör- und Bestechungsmethoden nutzten, um an Informationen von Prominenten, Politikern und Privatpersonen zu kommen.
Außerdem wurde der 85 Jahre alte Fotograf, Kurator und Stifter F. C. Gundlach für sein Lebenswerk bedacht.
Vorstandschef Bernd Buchholz hatte zum Auftakt der Gala gemahnt, das geistige Eigentum der Autoren insbesondere in der digitalen Welt zu schützen, um unabhängige Berichterstattung zu gewährleisten.
Porträt
Er war Erfinder und Chef des Magazins "Stern": Henri Nannen. In seiner Heimatstadt Emden setzte er sich mit der Kunsthalle ein Denkmal. Nannen starb am 13. Oktober 1996. mehr