Verkehrsmeldungen für Norddeutschland
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage im Norden mehr
In Norddeutschland kommen in diesem ungewöhnlich harten Winter 17 Menschen ums Leben. Für die meisten Norddeutschen ist das weiße Chaos aber mehr als nur Katastrophenstimmung. Vielerorts wird die Nachbarschaftshilfe "neu" entdeckt. "Es war ein unheimlich freundliches Miteinander. Die Leute haben wieder mehr miteinander gesprochen. Es wurden gemeinschaftlich die Wege freigeschaufelt. Es gab einen Gemeinschaftssinn, an den ich mich gerne erinnere", erzählt Feuerwehrmann Johann Müller aus dem ostfriesischen Norden.
Wie war die Lage in den einzelnen Bundesländern? Was geschah in den ehemaligen nördlichen DDR-Bezirken?
Nur mühsam kommen die Räumfahrzeuge, wie hier zwischen Eckernförde und Kappeln, voran.
An den Weihnachtstagen 1978 herrscht in Schleswig-Holstein Tauwetter. Zum Jahreswechsel kommt ein unerwarteter Wetterumschwung. Besonders hart trifft es die Ostseeküste und die nordöstlichen Gebiete: Am 29. Dezember gegen Mittag erklärt der Kreis Schleswig-Flensburg Katastrophenalarm. Allerdings nicht aufgrund eines drohenden Wintereinbruchs, sondern wegen eines angekündigten Wasserstands an der Ostsee von 1,50 Meter über Normalnull.
Zum Hochwasser, das in Flensburg, Schleswig und Lübeck ganze Stadtviertel überschwemmt, gesellt sich ein Schnee- und Eissturm. Auf einer Linie von Lauenburg bis nach Nordfriesland breitet sich der Schnee aus. Temperaturen bis minus 25 Grad und Schneeverwehungen von bis zu vier Metern Höhe sorgen in kürzester Zeit für Chaos. Nach Schleswig-Flensburg lösen auch die Kreise Rendsburg-Eckernförde, Ostholstein, Plön, Dithmarschen und Nordfriesland Katastrophenalarm aus. Rund 30.000 Helfer von DRK, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen sind im Einsatz.
Am 30. Dezember sind nach Angaben der Tagesschau 80 Dörfer im nördlichsten Bundesland von der Außenwelt abgeschnitten. Die Versorgung wird mit Hubschraubern sichergestellt. "Wir hatten plötzlich eine Situation, dass wir auf Nachbarschaft angewiesen waren. Da habe ich begriffen, wie wichtig es ist, dass man Freunde in der Nachbarschaft hat. Wir in unserer kleinen Gemeinde waren in der Lage, uns selbst zu helfen. Nicht den großen Weg nach Hamburg frei zu machen, aber den kleinen Weg zu unserem Kaufmann frei zu machen", erinnert sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen.
Besonders hart trifft es die Landwirte: Unter der Last des Schnees reißen Stromleitungen, und Masten knicken um. Daraufhin fallen Melkmaschinen aus, und die Tiere müssen per Hand gemolken werden. Zudem fehlt Kraftfutter. Weil die Milch nicht abgeholt werden kann, lassen vielen Bauern sie auf Plastikplanen im Schnee gefrieren.
Am 14. Februar wird in vielen Landesteilen erneut Katastrophenalarm ausgelöst. Wieder ist die Ostseeküste stark betroffen. Allerdings gibt es dieses Mal kaum Stromausfälle. Vor Kiel und Flensburg türmt sich das Eis bis zu zwei Meter hoch. Der Eisdienst der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Nord verhängt für die Kieler Förde ein totales Fahrverbot. Rund 80 Schiffe liegen hier fest. Auch der Nord-Ostsee-Kanal ist nicht mehr zu befahren. Ein spektakulärer Hubschrauber-Einsatz wird auf der Bahnstrecke zwischen Ascheberg und Preetz geflogen: 40 Reisende werden mithilfe einer Seilwinde geborgen. Die Wassermassen einer drohenden Sturmflut werden durch die Eismassen, die wie ein Panzer wirken, von der Küste abgehalten. Der Fehmarnsund wird allerdings evakuiert.
Sechs Tage später hat das nördlichste Bundesland auch das zweite Schneechaos überstanden. Es dauert lange, bis die Schneemassen schmelzen. In Husum liegt noch bis zum 20. Mai 1979 Schnee.