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Schon der Weg zum Krisenstab nach Husum war für Hinrich Struve eine Herausforderung.
Als Leiter des Katastrophenstabes in Nordfriesland ist Kreiswehrführer Hinrich Struve während der Schneekatastrophe im Winter 1978/79 im Dauereinsatz. Zwei Tage leitet er den Stab von zu Hause aus, denn die Schneemassen versperren den Weg vom Sönke-Nissen-Koog nach Husum. Am 2. Januar macht er sich auf den Weg und benötigt für rund 20 Kilometer mehrere Stunden. Allein die ersten 800 Meter Fußweg dauern rund zwei Stunden.
NDR.de: Der Katastrophenschutz in Nordfriesland ist auf Sturmfluten eingestellt, aber sicher nicht auf eine Schneekatastrophe. Was bedeutete dies für die Verantwortlichen und die Hilfskräfte?
Hinrich Struve: Auf Sturmfluten kann man sich vorbereiten, weil sie ein Zeitfenster mit Ebbe und Flut haben. So weiß man genau, wann der höchste Wasserstand erreicht wird. Schneefall kann dagegen Tage oder auch Wochen andauern. Vor allem legt Schnee sofort Verkehrsverbindungen lahm. Wenn man eine Straße mit einem Schneepflug freimacht und es herrscht noch dazu starker Wind, so ist die Spur schon nach wenigen Augenblicken wieder zugeweht, und es wird dann immer schwieriger zu räumen. Dann bleibt nur noch die Räumung mit Schneefräsen, aber davon gab es im Winter 1978/79 in Nordfriesland nicht genug.
NDR.de: Wer war im Krisenstab, und wie sah die Arbeit aus?
Struve: Der Krisenstab bestand aus Vertretern der Hilfsorganisationen wie zum Beispiel Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Auch die Verwaltung, Bundesgrenzschutz, Polizei und zeitweise die Bundeswehr waren vertreten. Die Arbeit im Stab verlief sehr professionell. Jeder wusste, was er zu tun hatte, und man unterstützte sich gegenseitig. Ich selbst stieß erst am 2. Januar in Husum dazu. Während der ersten beiden Katastrophentage habe ich von zu Hause aus gearbeitet. Ausgerüstet mit einem Funkgerät, hatte ich mit allen wichtigen Stellen Verbindung. Das habe ich nicht gemacht, weil ich es zu Hause so nett fand, sondern weil ich nicht nach Husum kommen konnte. Wir waren komplett eingeschneit, an den Häusern waren zwei bis drei Meter hohe Schneewehen.
In Etappen bin ich dann nach Husum gekommen. Allein für die ersten rund 800 Meter Fußweg zu einem freigeräumten Silo habe ich fast zwei Stunden gebraucht. Mit einem Allrad-Fahrzeug des THW bin ich schließlich nach mehreren Stunden in Husum angekommen. Nach 48 Stunden Dauereinsatz habe ich dann eine Nacht in einem Hotel in Husum verbracht, um dann wieder den Krisenstab zu führen. Hier haben wir versucht, die eingehenden Nachrichten abzuarbeiten und zu koordinieren. Wir mussten bei den Notrufen Prioritäten setzen. Es riefen Leute an, die von uns verlangten, dass Feuerwehrleute ihre Auffahrt freischaufeln sollten.
Seitens der Verwaltung ließ man uns freie Hand. Es gab bürokratische Vorgänge, aber wir haben versucht, diese schnell zu unterbinden. Landrat Dr. Petersen stellte mir seine beiden Sekretärinnen zur Seite. Eine protokollierte die ankommenden Gespräche und die andere meine ausgehenden. Dadurch sparten wir unendlich viel Zeit.
NDR.de: Was war für den Katastrophenstab die größte Schwierigkeit?
Struve: Der Stromausfall und die in Teilen ausgefallene Telefonverbindung. Nur über die Feuerwehr gab es Funkverbindungen, aber natürlich nur da, wo damals schon Funk vorhanden war, und das war nur bei den größeren Wehren der Fall. Ein Problem war natürlich auch, dass zum Beispiel die Ämter erst sehr spät besetzt werden konnten, denn erst einmal mussten sich die Menschen zu Hause freischaufeln, um überhaupt raus und zu den Einsatzstellen zu kommen.
NDR.de: Stimmt es, dass im Husumer Kreishaus das absolute Fahrverbot "erfunden" wurde?
Struve: Soviel wie ich weiß, ist das richtig. Wir haben im Krisenstab diese Entscheidung getroffen, weil die Rettungs- und Räumfahrzeuge auf den Straßen gar nicht durchkamen. Viele private Fahrzeuge hatte keine Winterausrüstung - Winterreifen, Schneeketten oder Spikes waren zur damaligen Zeit Luxus. Die Privatautos fuhren sich fest und blockierten nicht nur die Straßen, sondern auch wieder Hilfskräfte. So kam die Idee, ein Fahrverbot auszusprechen.