Verkehrsmeldungen für Norddeutschland
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Von der Außenwelt abgeschnitten: Blick auf ein Gehöft im Kreis Rendsburg-Eckernförde.
Der Sprung aus dem Hubschrauber der Bundeswehr endet in einer meterhohen Schneewehe. Bepackt mit Kamera, Stativ und Mikrofon versucht sich das Fernsehteam des NDR um Redakteur Jürgen Grossmann freizukämpfen. Unterdessen nähert sich ein Landwirt und schreit aufgeregt: "Könnt ihr helfen, könnt ihr helfen?" Als er erkennt, dass es sich lediglich um ein TV-Team handelt und nicht um einen Montage-Trupp des Stromversorgungsunternehmens Schleswag, ist er den Tränen nahe. Seine Kühe stehen im Stall und können aufgrund des Stromausfalls nicht gemolken werden. "Meinen Sie, es kommt noch jemand? Die Tiere stehen im Stall und brüllen", erklärt der verzweifelte Bauer.
Dieses Erlebnis während der Schneekatastrophe 1978/79 ist Jürgen Grossmann besonders in Erinnerung geblieben. "Wir haben ihn dann beruhigt und ihm gesagt, dass wir ja auch wieder abgeholt werden und dann sicherlich Hilfe kommt", erzählt der heutige Wirtschaftsredakteur. "Das sind Erlebnisse, die sich einprägen", sagt Grossmann.
"Wir waren das einzige Kamerateam in ganz Schleswig-Holstein. Wir waren Monopolisten", erzählt Grossmann. Denn zur dieser Zeit gab es noch kein privates Rundfunkangebot. Als im Februar 1979 wieder heftiger Schneefall einsetzt und über Nacht erneut ganze Landstriche von der Außenwelt abgeschnitten sind, wird den Redakteuren im Landesfunkhaus Kiel sehr schnell klar, dass sich eine zweite Schneekatastrophe anbahnt. "Es bestand außerhalb der Stadt Fahrverbot. Mit dem Kamerawagen duften wir aber noch fahren", erinnert sich Grossmann.
Allerdings ist kurz hinter der Stadtgrenze Schluss, Schneeverwehungen machen ein Durchkommen unmöglich. "Richtung Strande war bereits hinter der Hochbrücke alles dicht. Wir sind dann mit Panzern der Bundeswehr mitgefahren. Nicht nur für uns, sondern auch für die Panzerfahrer war das natürlich ein besonderes Erlebnis", sagt Grossmann. "Ich habe in meiner Dienstzeit viel Berichterstattung gemacht - natürlich auch bei Sturmfluten. Man denkt immer, man ist in einem Spielfilm. Man sieht alles durch journalistische Augen, und man fühlt sich eigentlich nicht betroffen."
Ausgestattet mit NDR Dienstkleidung - bestehend aus Skihose und dicker Outdoorjacke - ist Grossmann tagsüber zum Drehen unterwegs. Besonders in den Gegenden um Lütjenburg, Oldenburg in Holstein, Eckernförde und Rendsburg sammelt das NDR Team Bilder. "Da lief zum Teil gar nichts mehr. Die Straßen waren nicht zu erkennen. Straßenarbeiter gingen mit Stangen vor den Räumfahrzeugen und stocherten nach der Straße, damit die Bundeswehr nicht Autos oder Pfähle kaputt fuhr. An den Straßen wurden rote Makierungsstangen gesetzt. Immer wieder sahen wir verlassene Autos. Einige Häuser waren so eingeschneit, wie man es sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Es war nur das Dach zu sehen - sonst nichts", so Grossmann.
Schnell merkt das Team, dass genügend Filmmaterial zur Verfügung steht. Nachts wird dann im Landesfunkhaus getextet und das Material geschnitten. "Damals mussten die Filme noch per Hand und mit einer Schere geschnitten und zusammengesetzt werden. Sogar meine Frau hat in der Nacht mit im Funkhaus gesessen und beim Aufschreiben geholfen", erinnert sich Grossmann. "Aus dem Filmmaterial ist einen Tag später eine halbstündige Sondersendung gemacht worden, die ich auch moderiert habe."
"Eines war ganz anders als heute: Es war alles relativ unaufgeregt. Nicht wie heute, wenn sich bei drei Zentimeter Schnee die Medien überschlagen und überall Panik herrscht." Bei seinen Dreharbeiten besucht Grossmann mit seinem Team etliche Bauernhöfe und stellt immer wieder fest, dass dort oft eine heitere Gelassenheit herrscht. "Die Leute tranken Grog und waren guter Stimmung. Das war zum Teil total skurril."