Weitere Traditionssegler
Die Dreimastbark Alexander von Humboldt © www.gruene-segel.de
 

Unter grünen Segeln: Die "Alexander von Humboldt"

Die unverwechselbare Dreimastbark geht 2011 in Rente. mehr


Die "Thor Heyerdahl" - Abenteuerin der Meere

Der Dreimast-Toppsegelschoner ist ein Schulschiff der besonderen Art. mehr


Die "Kruzenstern" - Letzte Zeugin einer Epoche

Die frühere "Padua" ist der letzte unmotorisierte Frachtsegler der Welt. mehr

Hintergrund

Die "Pamir"

Die Viermastbark wurde 1905 in der Hamburger Reederei F. Laeisz gebaut und gehörte zu den schnellsten "Flying-P-Linern" der Welt. 1957 kenterte sie bei einer Fahrt über den Nordatlantik und sank. Von 86 Besatzungsmitgliedern kamen 80 ums Leben, die Ursachen des Untergangs sind bis heute nicht restlos geklärt.

Legendäre Segler

Die Flying-P-Liner

Die Segelschiffe der renommierten Hamburger Reederei Ferdinand Laeisz waren berühmt für ihre Geschwindigkeit und ihre Zuverlässigkeit. Alle Laeisz-Schiffe hatten Namen, die mit "P" begannen und waren in den Reederei-Farben schwarz-weiß-rot gestrichen.

Die letzten acht Laeisz-Segler nannte man auch die acht Schwestern. Sie wurden alle als Viermastbarken für die Salpeterfahrten nach Südamerika gebaut. Vier der Flying-P-Liner sind heute erhalten: die "Pommern", die "Peking", die "Passat" und die "Padua" (heute "Kruzenstern").

 

Die "Sedov" - Frachtschiff, Schulschiff, Filmstar

Die Viermastbark Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky Detailansicht des Bildes Die Viermastbark "Sedov" feierte 2011 ihren 90. Geburtstag. Die betagte Lady ist noch immer als Schulschiff im Dienst. Sie ist das zweitgrößte Segelschiff der Welt: Mit ihren 117,5 Metern Länge muss sich die "Sedov" nur der "Royal Clipper" geschlagen geben. Doch anders als dieser Segelschiff-Neubau von 1990 ist die "Sedov" eine echte Veteranin der Weltmeere. Seit 1921 segelt die stählerne Viermastbark über die Ozeane - zunächst als Frachtschiff, später als Schulschiff und einmal sogar als Star eines TV-Films.

Am 23. März 1921 läuft das Schiff bei der Krupp-Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Damals heißt der Viermaster noch "Magdalene Vinnen II". Für seinen Eigner, die Vinnen-Reederei, ist die Viermastbark eine wichtige Basis für den Neuanfang des Unternehmens, das im Ersten Weltkrieg all seine Schiffe verlor. Das Segelschiff ist von Anfang an auch mit einem Diesel-Hilfsmotor ausgestattet. Dadurch ist es kaum langsamer als ein Frachtdampfer, benötigt aber viel geringere Mengen an Brennstoff. Bis 1936 transportiert die "Magdalene Vinnen" Waren jeglicher Couleur um die Welt. Dabei kommt sie bis nach Australien, Südafrika und zu den Seychellen und umsegelt zwei Mal das für seine stürmischen Gewässer berüchtigte Kap Hoorn.

Vom Fracht- zum Schulschiff

1936 kauft der Norddeutsche Lloyd Bremen die "Magdalene Vinnen II" und baut sie zum frachtfahrenden Schulschiff um. Damit künftig bis zu 60 Offiziersanwärter auf dem Schiff mitfahren können, werden neue Unterkunftsräume gebaut. Auch einen neuen Namen erhält das Schiff: Ab dem 12. August 1936 heißt es "Kommodore Johnson" - nach einem Mitarbeiter der Lloyd-Flotte, der sich vom Schiffsjungen zum Kommodore hocharbeitete.

Beinahe-Untergang vor den Azoren

Wenige Monate später, am 1. März 1937, gerät das Schiff in die schlimmste Lage seiner Geschichte: Die "Kommodore Johnson" ist gerade auf Höhe der Azoren unterwegs. Dort gerät sie in einen schweren Orkan, der Unmengen von Wasser auf das Vordeck drückt. Das Schiff, welches bereits Schlagseite hat, läuft voll. Die Schlagseite verschlimmert sich noch, als geladenes Getreide nach Backbord verrutscht. Die "Kommodore" kippt gefährlich und hat nun 56 Grad Neigung. Verzweifelt bemüht sich die Mannschaft, die Ladung zu verschieben. 200 Tonnen Wasser befinden sich mittlerweile auf dem Backborddeck, in den Mannschafts- und Kadettenräumen reicht es schon bis zu den Bullaugen. Wellen setzen dem Schiff schwer zu.

Technische Daten der Sedov

Schiffstyp: Viermastbark
Baujahr: 1921
Gesamtlänge: 117,5 Meter
Breite: 14,9 Meter
Maximale Masthöhe: 58 Meter
Segelfläche: 4.195 Quadratmeter
Nation: Russland
Heimathafen: Murmansk
Eigner: Technische Universität Murmansk

Schließlich, am 3. März, setzt die "Kommodore Johnson" einen SOS-Funkspruch ab. Die Lage ist äußerst bedrohlich, als endlich zwei Tankschiffe kommen und helfen. Sie glätten die Wellen, indem sie Öl in die aufgewühlte See laufen lassen. Als der Sturm abflaut, gelingt es schließlich, die havarierte "Kommodore Johnson" zu stabilisieren. Die Menschen an Bord sind gerettet, das Schiff kann die Reise aus eigener Kraft fortsetzen.

1939, wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. kehrt die Viermastbark nach Deutschland zurück. Während des Krieges macht sie nur wenige Ausbildungsfahrten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs liegt die "Kommodore Johnson" zusammen mit der "Padua" - der späteren "Kruzenstern" - in der Kieler Förde vor Anker. Beide Schiffe gehen als Reparationsleistung nach Russland. Die Viermastbark bekommt den Namen "Sedov" - in Gedenken an den 1914 bei einer Arktisexpedition umgekommenen Forscher Georgij Sedov.

Unter russischer Flagge

Das Segelschulschiff Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky Detailansicht des Bildes 2005 stellte die "Sedov" in einem TV-Film die 1957 gesunkene "Pamir" dar. 1937 war das Schiff einem ähnlichen Unglück nur knapp entkommen. Schon bald nimmt das Schiff wieder Fahrt auf: Von 1952 bis 1957 fährt die "Sedov" als Schulschiff der russischen Marine unter anderem nach Südamerika und Südafrika. Von 1957 bis 1966 ist sie als ozeanografisches Forschung- und Ausbildungssschiff im Nordatlantik unterwegs. 1966 übernimmt das sowjetische Fischereiministerium die Viermastbark und nutzt sie für Ausbildungsfahrten im finnischen Meerbusen. 1967 wird die "Sedov" in Kronstadt vorübergehend außer Betrieb genommen. Dann, von 1975 bis 1981, wird sie in der Marinewerft in Kronstadt komplett überholt und umgebaut.

Museum, Schulschiff und Filmstar

Seither verfügt der größte traditionelle Windjammer der Welt über Unterkünfte für 240 Mann und einen glasüberdachten Festsaal mit Bühne. Sogar ein Museum befindet sich an Bord des Schulschiffes, in dem sich Segelschüler und Besucher über die Geschichte des Schiffes und seinen Namensgeber Georgij Sedov informieren können. Seit 1989 ist es auch Gästen möglich, auf der "Sedov" als Teil der Besatzung mitzusegeln.

Einen ihrer größten Auftritte hat die "Sedov" im Jahr 2005: In dem ARD-Fernsehfilm "Der Untergang der Pamir" verkörpert sie den unglückseligen Flying-P-Liner, der 1957 auf dem Atlantik in einen Hurrikan geriet und sank. Dabei kamen 80 von 86 Besatzungsmitgliedern ums Leben.

Gern gesehener Gast auf nordeustchen Hafenfesten

Wenn die Sedov nicht gerade auf den Weltmeeren unterwegs ist, ist sie des Öfteren in Norddeutschland zu Gast. Regelmäßig ist die der Viermaster auf Hafenfesten zu bewundern, so etwa bei der Hanse Sail in Rostock oder auf der Kieler Woche.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/schiffe/sedov20.html
Überblick
Die Viermastbark Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky
 

Die schönsten Schiffe des Nordens

Geschichtsträchtige Großsegler und Dampfschiffe im Porträt. mehr

Der Namenspatron

Georgi Jakowlewitsch Sedov

Der 1877 in Südrussland geborene Marinekommandant nahm an zwei Polarexpeditionen teil und brach 1912 zu einer Expedition zum Nordpol auf. Nach zwei Überwinterungen am Polarkreis startete Sedov im Februar 1914 mit zwei Begleitern und drei Schlitten in Richtung Nordpol. Er starb am 5. März, entkräftet durch Skorburt und eine schwere Erkältung, ohne den Nordpol erreicht zu haben.

Links

Privater Reisebericht über einen Törn mit der "Sedov" im Oktober 2012.

Link in neuem Fenster öffnen

Offizielle Webseite der Viermastbark mit Infos und Fahrplänen.

Link in neuem Fenster öffnen