Die schönsten Schiffe des Nordens
Geschichtsträchtige Großsegler und Dampfschiffe im Porträt. mehr
Eine eher ungewöhnliche Galionsfigur ziert den Bug der "Rickmer Rickmers": Wo bei vielen Schiffen Löwen, Nixen oder auch Ritter den aufspritzenden Wellen trotzen, ist bei dem stolzen Dreimaster ein kleiner, pausbäckiger Junge im Matrosenanzug zu sehen. Es ist der dreijährige Rickmer, Enkel des Firmengründers der bekannten Rickmers-Reederei. Nach ihm ist der mehr als 110 Jahre alte Traditionssegler benannt, der seit 1987 an den Hamburger Landungsbrücken liegt.
Erbaut wird die "Rickmer Rickmers" als Frachtsegler auf der firmeneigenen Werft in Bremerhaven, wo sie 1896 vom Stapel läuft. Das stählerne Vollschiff ist in den typischen Farben der Rickmers-Reederei grün, weiß und rot gestrichen. Ihre erste Reise führt die "Rickmer Rickmers" mit einer Ladung Waliser Kohle nach Hongkong, wo sie Reis und Rattan an Bord nimmt.
Die "Rickmer Rickmers" auf einem Gemälde Ende des 19. Jahrhunderts. Dort ist sie noch als Vollschiff getakelt.
Die "Rickmer Rickmers" hat bereits mehrere erfolgreiche Fahrten hinter sich, als sie im August 1904 vor dem Kap der Guten Hoffnung in einen Taifun gerät. Die Ladung verrutscht, das Schiff droht zu kentern. Die Crew muss den oberen Teil des dritten Mast kappen. Das Frachtschiff läuft Kapstadt als Nothafen an, wird dort zur Bark umgetakelt. Das bedeutet, dass sie - anders als zuvor - statt eines Rahsegels am hinteren Mast ein längsschiff stehendes Gaffelsegel bekommt.
1912 trennt sich die Reederei Rickmers von allen Segelschiffen, um ihre Flotte vollständig auf Dampfschiffe umzustellen. Die Hamburger Reederei Krabbenhöft kauft die "Rickmer Rickmers" und gibt ihr den Namen "Max". Sie setzt das Schiff im Salpeterhandel mit Chile ein.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, läuft das Schiff auf seiner Heimreise von Chile die neutralen Azoren an. Dort beschlagnahmen es die Portugiesen 1916, benennen es in "Flores" um und stellen es den Engländern zum Transport von Kriegsmaterial zu Verfügung. Nach Kriegsende 1918 setzen die Portugiesen das Schiff bis 1922 weiter als Frachtensegler ein.
1924 kauft die portugiesische Marine das Schiff, baut es zum Segelschulschiff um und tauft es auf den Namen "Sagres". Die Galionsfigur wird abgebrochen und durch eine Figur des portugiesischen Prinzen Heinrich den Seefahrer ersetzt, der im 15. Jahrhundert lebte. 1930 erhält die "Sagres" zwei Dieselmotoren als Hilfsantrieb. 1962 stellt die Marine das Schiff außer Dienst, lässt die Masten kappen und nutzt es unter dem Namen "Santo André" als Depotschiff, also als schwimmendes Lagerhaus.
Baujahr: 1896
Bauwerft: Rickmer Clasen Rickmers, Bremerhaven
Schiffstyp: Vollschiff, ab 1904 Bark
Gesamtlänge: 97 Meter
Breite: 12,19 Meter
Maximale Masthöhe: 54 Meter
Tiefgang: max. 6 Meter
Nation: Deutschland
Heimathafen: Hamburg
Eigner: Stiftung Rickmer Rickmers
Bis in die 80er-Jahre liegt die "Santo André" im Marinehafen Alfeite nahe Lissabon und verfällt langsam. Dort wird sie von dem Verein "Windjammer für Hamburg e.V." entdeckt, der einen Großsegler als Museumsschiff für den Hamburger Hafen sucht. 1983 wird das Schiff nach Hamburg geschleppt und dort pünktlich zum Hafengeburtstag am 7. Mai 1983 dem Verein übergeben. Einige Tage lang dürfen die Hamburger das marode Schiff an den Landungsbrücken besichtigen, bevor es ins Dock kommt. Dort wird es von oben bis unten saniert: Der Stahl wird sandgestrahlt, ein neues Holzdeck verlegt, die Takelage vervollständigt. 50 freiwillige Helfer unterstützen die Restaurierungsarbeiten. Im Inneren wird nur eine der beiden Dieselmaschinen instand gesetzt, die andere durch eine Dampfmaschine ersetzt, um Besuchern einen Einblick in drei verschiedene Antriebsarten für Schiffe zu geben, die in den letzten 120 Jahren üblich waren: Dampf, Diesel und Wind. Auch eine neue Galionsfigur erhällt das Schiff - eine Nachbildung der alten Rickmer-Figur.
Das Schiff ist nicht nur tagsüber ein Blickfang: die "Rickmer Rickmers" in nächtlicher Beleuchtung.
Seit 1987 liegt der Dreimaster als Museumsschiff an den Hamburger Landungsbrücken - wieder unter seinem urprünglichen Namen "Rickmer Rickmers". Besucher können das Schiff von oben bis unten erkunden. Zu besichtigen sind die engen Mannschaftsräume und die Kombüse ebenso wie die geräumigeren Offzierskabinen oder der Maschinenraum. An Bord gibt es außerdem wechselnde Ausstellungen sowie ein Restaurant.
Längst ist die "gebürtige" Bremerhavenerin "Rickmer Rickmers" zu einem Wahrzeichen Hamburgs geworden. Seetüchtig ist das Schiff mit dem charakteristischen grünen Rumpf aber nicht mehr, den Anleger verlässt es nur noch für Überholungen im Dock. Die grüne Lady, wie die Hamburger "ihren" Großsegler liebevoll nennen, bleibt den Landungsbrücken treu.