Dampfeisbrecher "Stettin": Mit Kohlekraft voraus
Eisbrecher, Flüchtlingsschiff, Kulturdenkmal - ein Porträt des Museumsschiffs. mehr
Bevor der "Kaiser Wilhelm" seinen Dienst als Museumsschiff auf der Elbe aufnahm, war er 70 Jahre lang als Linienschiff auf der Weser im Einsatz.
Der Raddampfer "Kaiser Wilhelm" ist einer der letzten noch fahrenden kohlebefeuerten Schaufelraddampfer. Von Ende Mai bis Ende September ist das über 100 Jahre alte Dampfschiff jedes zweite Wochenende zwischen Lauenburg, Bleckede und Hitzacker mit Gästen auf der Elbe unterwegs
Der Schaufelraddampfer - hier auf de Elbe vor Lauenburg - lief im Jahr 1900 in Dresden vom Stapel.
Erbaut wird der Raddampfer zwischen 1899 und 1900 von der Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft AG für die spätere "Oberweserdampfschifffahrt" des Hamelner Wesermühlenbesitzers F.W. Meyer. Vermutlich am 20. Mai 1900 läuft das Schiff vom Stapel. Um den Dienst auf der Weser aufzunehmen, muss die "Kaiser Wilhelm" über die Elbe auf die Nordsee fahren und von dort in die Weser einbiegen - der Mittellandkanal ist zu dieser Zeit noch nicht fertig gestellt. Das bedeutet einen erheblichen Aufwand, weil der Dampfkessel nur mit Süßwasser betrieben werden darf, das salzige Nordseewasser würde zu vorzeitigen Schäden am Kesselblech führen. Das erforderliche Süßwasser - rund zehn Tonnen - wird deshalb mitgeführt. Alle Scheiben erhalten spezielle Sicherungen, um sie vor Schäden und Wassereinbruch auf hoher See zu schützen.
1910 muss das Schiff erneut die Tour über die Nordsee auf sich nehmen. Der Dampfer wird in der Dresdner Werft um zehn Meter verlängert und umgebaut. Nach dem Umbau geht es ein drittes Mal über die Nordsee zurück auf die Weser.
Nach 70 Jahren auf der Weser wird die "Kaiser Wilhelm" 1970 außer Dienst gestellt. Im selben Jahr übernimmt der "Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrts-Museums e.V." das alte Schiff. Seit 1971 ist es als fahrendes Museumsschiff für Historische Elbfahrten im Einsatz. Der Raddampfer ist damit das dienstälteste Museumsfahrgastschiff. Die komplette Besatzung arbeitet ehrenamtlich, die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf gehen in den Erhalt des denkmalgeschützten Dampfers.
Baujahr: 1899 -1900
Länge: 57,20 Meter
Breite auf Spant: 4,48 Meter
Breite über Radkästen: 8,38 Meter
Tiefgang: 0,92 Meter
Antrieb: schrägliegende 2-fach Expansions-Dampfmaschine von 1900
Maschinenleistung: 168 PS
Heimathafen: Lauenburg
Eigner: Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrts-Museums e.V.