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Die Köhlbrandbrücke © fotolia Fotograf: Marco2811
 

Der Hamburger Hafen

Mehr als Container und Warenumschlag - ein Blick hinter die Kulissen. mehr

Stichwort

Die Flying-P-Liner

Die Segelschiffe der renommierten Hamburger Reederei Ferdinand Laeisz waren berühmt für ihre Geschwindigkeit und ihre Zuverlässigkeit. Alle Laeisz-Schiffe hatten Namen, die mit "P" begannen und waren in den Reederei-Farben schwarz-weiß-rot gestrichen.

Die letzten acht Laeisz-Segler nannte man auch die acht Schwestern. Sie wurden alle als Viermastbarken für die Salpeterfahrten nach Südamerika gebaut. Vier der Flying-P-Liner sind heute erhalten: die "Pommern", die "Peking", die "Passat" und die "Padua" (heute "Kruzenstern").

Traditionsschiffe im Norden
Die Viermastbark Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky
 

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Überblick

Segelschiffstypen

Brigg: Zweimastiges Segelschiff mit Rahsegeln (= rechteckige oder trapezförmige Segel) an beiden Masten und einem zusätzlichen Schratsegel (= Segel, das in Ruhestellung in Richtung der Längsachse des Schiffs gesetzt wird) am Großmast
Schoner: Ursprünglich Segelschiff mit zwei Masten, wobei der vordere Mast kleiner oder gleich groß wie der hintere Mast ist. Mittlerweile werden zuweilen auch Schiffe mit drei Masten als Schoner bezeichnet ("Dreimastschoner")
Brigantine: Mischform aus Brigg und Schoner. Zweimaster mit Rahsegel am vorderen und (teilweise oder ausschließlich) Schratsegeln am hinteren Mast.
Schonerbrigg /Halbbrigg: Untertyp der Brigantine, die am hinteren Mast (Großmast) nur Schratsegel führt.
Bark: Segeltyp mit mindestens drei Masten, das an den vorderen Masten Rahsegel, am letzten Mast ein Schratsegel trägt.
Schonerbark / Barkentine: Mischtyp aus Bark und Dreimastschoner
Toppsegelschoner / Rahschoner: Bezeichnung für alle Schoner, die an einem oder mehreren Masten mit Rahsegeln fahren.
Fregatte: Im 18. und 19. Jahrhundert Bezeichnung für ein Schiff mit Vollschiff-Takelage. Heute bezeichnet der Begriff hauptsächlich ein Kriegsschiff.
Vollschiff: Segelschiff mit mindestens drei ausschließlich rahgetakelten Masten.

 

Die "Kruzenstern" - Letzte Zeugin einer Epoche

Alle Segel gesetzt: Das sowjetische Segelschulschiff, die Viermastbark "Kruzenshtern", im Jahre 1976 vor Teneriffa bei der Überfahrt zur Windjammerparade in New York. © Kurt Scholz/picture alliance Fotograf: Kurt Scholz Die Kruzenstern - vormals Padua - ist das letzte Frachtschiff der Welt, das noch ganz ohne Hilfsmotor vom Stapel lief. Die Viermastbark wurde für die Hamburger Reederei Laeisz gebaut.

1926 läuft die Viermastbark "Padua" in Bremerhaven vom Stapel. Sie ist das letzte frachtfahrende Segelschiff der Welt, das ganz ohne Motor gebaut wird. Wie ihre bekannten Schwesterschiffe "Pamir" und "Passat" gehört sie zu den legendären Flying-P Linern, gebaut für die renommierte Hamburger Reederei F. Laeisz. Nach ihrem Stapellauf unternimmt die "Padua" Fahrten nach Chile und Australien, von wo sie Weizen und Salpeter transportiert.

Die Padua im Film

Schon früh wird das Schiff für Filmaufnahmen genutzt: So segelt die "Padua" 1935 nach Madeira und Casablanca und wirkt dort in dem Film "Die Meuterei auf der Elsinore" mit. 1940 stehen Filmaufnahmen in Stettin auf dem Programm, 1943 ist die Bark Kulisse in dem Hans-Albers-Streifen "Große Freiheit Nr. 7". Neben ihren Filmauftritten unternimmt die Padua während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich Ausbildungsfahrten auf der Ostsee. 1943 rüsten die Deutschen das Schiff unbestätigten Berichten zufolge sogar mit einer Kanone aus. Die Feinderkennung funktionierte jedoch nicht wirklich gut. Der einzige zu vermeldende "Erfolg" der Umbauaktion ist angeblich der versehentliche Abschuss eines deutschen Flugzeuges. Außerdem soll die "Padua" - ebenfalls aus Versehen - ein deutsches U-Boot gerammt haben.

Aus "Padua" wird "Kruzenstern"

Die "Kruzenshtern" nimmt am 23. August 2000 Kurs auf Amsterdam. © epa:anp Cor Mulder Fotograf: Cor Mulder Detailansicht des Bildes 1946 geht die Padua in russischen Besitz über und verrichtet später seinen Dienst als Forschungs-, später als Schulschiff . Zum Ende des Zweiten Weltkriegs liegt das Schiff im Flensburger Hafen. Von dort geht es später weiter über Hamburg, Kiel und Lübeck nach Swinemünde. Im Januar 1946 wird das Schiff als Reparationszahlung den russischen Behören übergeben. Die schleppen es nach Kronstadt nahe Leningrad, überholen die Viermastbark und geben ihr einen neuen Namen: Kruzenshtern, im Deutschen auch Kruzenstern oder Krusenstern geschrieben. Namenspatron war der deutsch-baltische Marineadmiral Adam Johann Baron von Krusenstern, der für Russland zwischen 1803 und 1806 das erste Mal die Welt umsegelte.

Bis heute bei Regatten vorn dabei

Bis 1961 bleibt die "Kruzenstern" im Hafen. Dort erhält sie auch ihren ersten Motor. Als ozeanografisches Forschungsschiff kommt sie dann in den Dienst des Hydrografischen Instituts und unternimmt Fahrten in den Atlantik, in die Karibik und ins Mittelmeer. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch nicht den heute bekannten Anstrich mit den angedeuteten Geschützklappen. Zwischen 1968 und 1971 erfolgen weitere Umbauten und Modernisierungen. Die "Kruzenstern" ist nun ein reines Schulschiff für Kadetten.

Technische Daten

Art: Viermastbark
Baujahr: 1926 bei J. C. Tecklenborg, Bremerhaven (Wesermünde)
Stapellauf: 24.6.1926
Gesamtlänge: 114,5 Meter
Breite: 14,2 Meter
Tiefgang: 6,7 Meter
Maximale Masthöhe: 55 Meter
Segelfläche: 3553 m²
Nation: Russland
Eigner: Ministerium der Fischwirtschaft, Moskau
Heimathafen: Kaliningrad

Seit 1974 nimmt die "Kruzenstern" regelmäßig an Regatten auf der ganzen Welt teil. Neben vielen Preisen und Auszeichnungen sticht ein Rekord besonders hervor: Auf der "Columbus 1992", einem Transatlantik-Rennen von Boston nach Liverpool anlässlich des 500. Jubiläums der Entdeckung Amerikas, erreicht das Schiff eine Spitzengeschwindigkeit von 17,4 Knoten, rund 32 Kilometer pro Stunde. Damit macht die "Kruzenstern" ihrem legendären Status noch einmal alle Ehre. Noch immer gehört die Viermastbark zu den schnellsten existierenden alten Rahseglern.

Interessierte Privatleute können heute auf der "Kruzenstern" mitsegeln, sowohl als Passagiere bei Tagesfahrten als auch als Trainees auf längere Törns. Die "Kruzenstern" ist außerdem regelmäßig zu Gast bei Großseglertreffen, so etwa bei der Hanse Sail in Rostock. Auch bei diesen Ereignissen nimmt sie zahlende Gäste mit an Bord.

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Namenspatron

Adam Johann von Krusenstern

Der 1770 geborene deutsch-baltische Admiral leitete die erste russische Weltumsegelung. Die Expedition dauerte drei Jahre - von 1803 bis 1806 - und war sehr erfolgreich: Bis dato fast unbekannte Landstriche und Meere wurden erstmals näher erforscht, darunter die heute als Tsugaru-Straße ziwschen den japanischen Inseln Hokkaido und Honshu, die Ostküste Kamschatkas und die Aleuten. Nach seiner Rückkehr wurde Krusenstern zum Admiral der russischen Flotte und Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt, 1841 wurde er Generaladmiral. 1846 starb Krusenstern auf seinem Landsitz in Estland.

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Das russische Segelschulschiff "Kruzenshtern" läuft in Travemünde ein.  Fotograf: Angelika Warmuth
 
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