Schiffsporträts
Die Viermastbark Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky
 

Die schönsten Schiffe des Nordens

Geschichtsträchtige Großsegler und Dampfschiffe im Porträt. mehr

Überblick

Segelschiffstypen

Brigg: Zweimastiges Segelschiff mit Rahsegeln (= rechteckige oder trapezförmige Segel) an beiden Masten und einem zusätzlichen Schratsegel (= Segel, das in Ruhestellung in Richtung der Längsachse des Schiffs gesetzt wird) am Großmast
Schoner: Ursprünglich Segelschiff mit zwei Masten, wobei der vordere Mast kleiner oder gleich groß wie der hintere Mast ist. Mittlerweile werden zuweilen auch Schiffe mit drei Masten als Schoner bezeichnet ("Dreimastschoner")
Brigantine: Mischform aus Brigg und Schoner. Zweimaster mit Rahsegel am vorderen und (teilweise oder ausschließlich) Schratsegeln am hinteren Mast.
Schonerbrigg /Halbbrigg: Untertyp der Brigantine, die am hinteren Mast (Großmast) nur Schratsegel führt.
Bark: Segeltyp mit mindestens drei Masten, das an den vorderen Masten Rahsegel, am letzten Mast ein Schratsegel trägt.
Schonerbark / Barkentine: Mischtyp aus Bark und Dreimastschoner
Toppsegelschoner / Rahschoner: Bezeichnung für alle Schoner, die an einem oder mehreren Masten mit Rahsegeln fahren.
Fregatte: Im 18. und 19. Jahrhundert Bezeichnung für ein Schiff mit Vollschiff-Takelage. Heute bezeichnet der Begriff hauptsächlich ein Kriegsschiff.
Vollschiff: Segelschiff mit mindestens drei ausschließlich rahgetakelten Masten.

 

Unterwegs auf den Ozeanen: Die "Eye of the Wind"

Seit einhundert Jahren ist die "Eye of the Wind" auf den Weltmeeren zu Hause. Die lange Geschichte des Segelschiffs beginnnt 1911 in Brake an der Unterweser. Dort läuft der Zweimaster bei der Lühring Werft als als Toppsegelschoner "Friedrich" vom Stapel.

Bis 1923 war die "Friedrich" als Frachtsegler in Ost- und Nordsee unterwegs. Dann wurde das Schiff nach Schweden verkauft und war jahrzehntelang als Fracht- und Postschiff unter dem Namen "Merry" im Einsatz. Schrittweise wurde es in den Folgejahren zum Motorschiff umgebaut, 1926 wurden die Masten entfernt.

Vom Motorfrachtschiff zurück zum Großsegler

Ein verheerender Schiffsbrand, der vom Maschinenraum ausging und das Holzdeck und die Deckshäuser zerstörte, beendete 1969 die Karriere des Frachtschiffes - die "Merry" war nicht mehr fahrtüchtig. Das war die entscheidende Wende: Britische und australische Segelschiff-Liebhaber kauften das schwer beschädigte Schiff 1973 und bauten es zur Brigantine mit zwei Masten um. Aus dem Teakholz eines ehemaligen Tanzbodens entstanden die Deckshäuser, unter Deck wurden im Salon alte englische Kirchenbänke eingebaut. Nach der Komplettsanierung erhielt das Segelschiff mit "Eye of the Wind" auch einen neuen Namen.

Weltumseglung auf Francis Drakes Spuren

Die "Eye of the Wind" unter vollen Segeln © FORUM train & sail GmbH Detailansicht des Bildes Zwei Mal umsegelte die "Eye of the Wind" das gefürchtete Kap Hoorn. Gleich ihre erste Fahrt führte die "Eye of the Wind" auf Weltreise: Es ging nach Australien, in die Südsee und rund um das wegen seiner tückischen Winde berüchtigte Kap Hoorn. Nach der ersten Weltumseglung folgte 1978 schon bald die nächste Herausforderung: Die "Eye of the Wind" wurde zum Flaggschiff der "Operation Drake" ernannt. Die zweijährige Expeditionsreise unter der Schirmherrschaft des britischen Thronfolger Prinz Charles führte das Schiff auf den Spuren des berühmten Seefahrers rund um den gesamten Globus. Während der verschiedenen Etappen nahmen mehr als 400 unterschiedliche Crew-Mitglieder teil.

"Eye of the Wind" nimmt Kurs auf Hollywood

In den Achtzigerjahren begann für die "Eye of the Wind" eine weitere Karriere - als Hollywood-Star. Das Schiff spielte in mehreren Kinofilmen mit, so etwa 1980 in "Die blaue Lagune", 1983 in "Savage Island", 1986 in "Taipan" und zuletzt 1996 in "White Squall - Reißende Strömung". Stars wie Brooke Shields, Tommy Lee Jones und Jeff Bridges nahmen das Steuerrad in die Hand. Außerdem war das Schiff als Trainingsschiff für Jugendliche im Einsatz.

Schiffsdaten der "Eye of the Wind"

Schiffstyp: Brigantine
Baujahr: 1911
Werft: C. H. Lühring Werft, Brake, Deutschland
Gesamtlänge: 40,23 Meter
Breite: 7,01 Meter
Segelfläche: 750 Quadratmeter
Nation: Dänemark
Heimathafen: Gilleleje
Eigner: Forum train & sail GmbH

Im Jahr 2000 erwarb ein dänischer Unternehmer das Schiff und ließ es modernisieren. Bis zu seinem Tod 2009 war es nicht mehr öffentlich zugänglich. 2009 kaufte eine deutsche Firma den Segler und organisiert seither Führungskräftetrainings und Gruppenreisen an Bord.

Regelmäßig ist die Brigantine mit den charakteristischen rotbraunen Segeln und dem schwarz-weiß-roten Rumpf auch auf deutschen Großseglertreffen und Hafenfesten wie den Hamburger Hafengeburtstag, die Kieler Woche und die Hanse Sail in Rostock zu bewundern.

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