Als Jimi auf die Insel kam
1970 sollte Fehmarn mit Jimi Hendrix das zweite "Woodstock" werden. mehr
Politisches Symbol der Annäherung nach dem Krieg
Eine Brücke, die verbindet: Die Querung hatte nicht nur verkehrspolitische Vorteile, sondern auch hohen Symbolcharakter.
So viel Einigkeit war alles andere als selbstverständlich, 18 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Hitler-Deutschland Dänemark besetzt hatte. Mit dem Wiederaufbau nach dem Krieg ging die neue Bundesrepublik auch auf die ehemaligen Feinde und Opfer des NS-Regimes zu. Deshalb war die Vogelfluglinie mehr als ein wirtschaftliches Projekt, meint Tobias Etzold von der Stiftung Wissenschaft und Politik: "Der Austausch von Gütern und Menschen hat sicherlich eben auch - gerade zwischen Ländern, die vorher im Clinch lagen - eine wichtige politische Bedeutung, um die Länder enger zusammenzuführen.“ Das habe besonders für diese Zeit der fortschreitenden europäischen Integration gegolten, so der Berliner Skandinavien-Experte. Die Vogelfluglinie wurde zum Vorreiter und Symbol für offene Grenzen und eine neue Zusammenarbeit in Europa.
Der Tourismus profitiert von den Veränderungen
Die gute Anbindung über die Brücke brachte viele Touristen auf die Insel.
Doch die Verkehrsverbindung veränderte auch die einst abgeschiedene Insel Fehmarn. "Das hat wirtschaftliche Prosperität auf Fehmarn gebracht, eine unglaubliche Entwicklung des Tourismus“, bilanziert Ostholsteins Landrat Reinhard Sager. "Und das Schöne ist: Der Inselcharakter der Insel Fehmarn ist nicht verloren gegangen durch diese Verbindung.“ Doch die amtliche Statistik gibt wenig Auskunft über die wirtschaftlichen Effekte der Vogelfluglinie. Zwar verzeichnete die Verbindung ständige Zuwächse im Personen- und Güterverkehr. Doch für Ostholstein mit Fehmarn auf deutscher und Lolland auf dänischer Seite habe die Vogelfluglinie wenig gebracht, sagt Jan Wedemeier vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut. Letztendlich seien die Regionen an der Fährverbindung nur ein Transitgebiet. "Wir haben dort keine großen Zentren, die sich gebildet haben durch die Einrichtung dieser Vogelfluglinie“, stellt der Ökonom fest, "und dies hat sich auch bis heute nicht wesentlich verändert."
Pläne reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück
Dabei setzte man in eine Fährverbindung zwischen Fehmarn und Lolland schon seit dem 19. Jahrhundert große Hoffnungen. Treibende Kraft des Ausbaus war immer Dänemark, das einen schnellen Weg nach Mittel- und Südeuropa suchte. Ab 1864 plante der deutsche Ingenieur Gustav Kröhnke die Fährlinie und versuchte sie erst Dänemark, dann Preußen schmackhaft zu machen. Doch sein Vorhaben scheiterte - an Geldmangel, politischen Widerständen und am deutsch-dänischen Krieg. Anfang der 1940er-Jahre kam es zu einer Neuauflage der Pläne, erklärt Carsten Watsack. "Für Dänemark stand immer eines im Vordergrund: die Erschließung der westlichen und südlichen Märkte. England vor allen Dingen war ein wichtiger Handelspartner, aber auch Deutschland.“ Deshalb sei das Interesse auf dänischer Seite immer sehr groß gewesen. Doch nach ersten Spatenstichen in den 40er-Jahren auf beiden Seiten des Fehmarnbelts stoppte der Krieg den Bau. Erst knapp 20 Jahre später konnten die Pläne endlich realisiert werden.