Als Jimi auf die Insel kam
1970 sollte Fehmarn mit Jimi Hendrix das zweite "Woodstock" werden. mehr
Und plötzlich gehörte Fehmarn zum Kontinent - die neue Brücke verband die Insel mit dem Festland in Ostholstein.
"Heute Vormittag hat für die Insel Fehmarn die Zukunft begonnen." Pathetisch begleitete ein NDR Reporter am 30. April 1963 die Einweihung der Fehmarnsundbrücke. Und Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm bezeichnete das ambitionierte Bauwerk als "Brücke des Friedens zwischen Deutschland und den nordischen Staaten Europas.“ Während Politiker den Brückenschlag Richtung Dänemark als historisch feierten, waren viele Fehmaraner skeptisch. "Auf ideellen Gebieten wird sich unser Fehmarnland sehr verändern“, sagte Heimatforscher Peter Wilpert damals, "wir werden eine ganz neue Kultur bekommen. Das Unberührte ist vorbei. Wir sind entdeckt.“
Die Brücke über den Fehmarnsund verband die Insel mit dem Festland und schuf damit die Grundlage für die Bahn- und Autoroute nach Dänemark. "Die Fehmaraner haben ihre Insel immer als Kontinent angesehen", sagt Carsten Watsack, langjähriger Fährschiffkapitän und Chronist der Vogelfluglinie. Doch nur mit der Fehmarnsundbrücke habe man die Vogelfluglinie realisieren können, "denn hätte man den Fehmarnsund weiterhin mit Fähren überqueren müssen, wäre der ganze Zeitgewinn, der Vorteil der Vogelfluglinie, dahin gewesen.“
Vor 50 Jahren wurde die Fehmarnsundbrücke eröffnet. Ihr Bau war ein echtes Abenteuer. Kranführer Bernhard Gienau hat die Brücke Stück für Stück zusammengesetzt.
Der dänische König Frederik IX. (l) und Bundespräsident Lübke (r) eröffneten die Fährverbindung zwischen Rødby und Puttgarden.
Zwei Wochen später - am 14. Mai 1963 - wurde die Schiffsverbindung zwischen Puttgarden und Rødby in Betrieb genommen. Es war ein großer Aufmarsch, ein Festtag, ein historisches Ereignis, über das NDR Chefreporter Hermann Rockmann berichtete: "Bei strahlender Sonne verließ das Fährschiff 'Theodor Heuss' über die Toppen geflaggt mit dem Bundespräsidenten Dr. Lübke und annähernd 400 Ehrengästen den neuen Fährhafen Puttgarden zur ersten offiziellen Fahrt über den Fehmarnbelt nach dem dänischen Fährhafen Rødby.“ Heinrich Lübke eröffnete die Vogelfluglinie mit großen, pathetisch formulierten Erwartungen. Die Vogelfluglinie werde die "Entwicklung guter menschlicher, kultureller, wirtschaftlicher und auch politischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern wieder fördern“.
Als Vogelfluglinie bezeichnet man seit den 60er-Jahren die direkte Verkehrsverbindung zwischen den Großräumen von Hamburg und Kopenhagen über Fehmarn. Die Bezeichnung leitet sich ab von dem auf gleicher Route verlaufenden Vogelzug der Kraniche und anderer Wasservögel. Die Zugvögel fliegen auf dieser Strecke von Skandinavien nach Mitteleuropa und umgekehrt. Auf diese Weise müssen sie nur einen kurzen Weg über dem offenen Meer zurücklegen.
Der Bundespräsident erhob sein Glas "auf die europäische Einigung, deren Verwirklichung wir alle aus vollem Herze wünschen.“ Dänemarks König Frederik IX. schloss sich dem Toast an und äußerte den Wunsch, "dass die neue Verkehrsverbindung dazu beitragen möge, diese positive Entwicklung zum Nutzen unserer beiden Länder und zur Förderung der europäischen Zusammenarbeit zu festigen."