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Telemann, der barocke Multitasker

Georg Philipp Telemann (1681-1767) © picture-alliance / akg-images Fotograf: akg-images Georg Philipp Telemann (1681-1767)

Georg Philipp Telemann ist einer der wenigen Künstler seiner Zeit, der zu Lebzeiten nicht nur angesehen war, sondern von seinem Schaffen auch gut leben konnte.

Am 14. März 1681 wurde er in Magdeburg geboren und zunächst sah es nicht so aus, als würde aus ihm einmal einer der berühmtesten deutschen Barockkomponisten werden. Musik war keine Passion in seiner Familie. Nach dem Tod des Vaters war die Familie zudem auf Gönner angewiesen und deren Ausbildungswünschen hatten sich Georg Philipp und seine Geschwister unterzuordnen.

Das Interesse an der Musik war groß. Eine länger dauernde regelmäßgige musikalische Unterweisung erhielt der junge Telemann jedoch nicht und so eignete er sich das Musikhandwerk - darunter das Spiel mehrerer Instrumente - weitgehend autodidaktisch an.

Porträt von Georg Friedrich Händel (1685-1759).  Fotograf: akg-images Detailansicht des Bildes Porträt von Georg Friedrich Händel (1685-1759). 1701 begann Telemann in Leipzig ein Jurastudium. Von einem Abschluss ist nichts bekannt, dafür entwickelte der Student zahlreiche musikalische Aktivitäten und knüpfte Kontakte zu Musikern seiner Zeit - darunter Georg Friedrich Händel. Ihre Freundschaft sollte ein Leben lang andauern.

Audio: Telemann und Händel - Ein Radiobeitrag von Hans Joachim Marx

Telemann und Händel - Ein Radiobeitrag von Hans Joachim Marx

- 15.05.1981 00:00 Uhr - Autor/in: Hans Joachim Marx

Die beiden Musiker verband eine Freundschaft. Ein Beitrag aus dem NDR Hörfunk.

Vom musikalischen Autodidakten zum umworbenen Komponist

Das Komponieren fiel dem jungen Musiker außerordentlich leicht und so belieferte er nicht nur die Leipziger Kirchen mit Kantaten. 1704 stieg er zum Musikdirektor der Universitätskirche auf. Zuvor hatte er bereits ein eigenes Ensemble gegründet, dem zeitweise offenbar bis zu 40 Musiker angehörten. Das Ensemble spielte auch in dem damals jungen Leipziger Opernhaus, das ab 1702 von Telemann geleitet wurde.

Georg Philipp Telemann (1681-1767)  Detailansicht des Bildes Barockkomponist Georg Philipp Telemann (1681-1767) Es folgten ab 1705 kurze höfische Anstellungen in Sorau und Eisenach. Die französische und polnischer Musik lernte er dort kennen. Seine späteren Instrumentalwerke waren von diesen Einflüssen geprägt. 1709 heiratet er Amalia Louise Juliana Eberlin, die jedoch nur wenig später bei der Geburt der ersten Tochter stirbt.

1712 bewirbt sich Telemann um die Position des städtischen Musikdirektors in der freien Reichsstadt Frankfurt am Main. Erlöst von den Abhängigkeiten des Hoflebens, dass ihm zunehmend Unbehagen bereitet hatte, erwies er sich als "machtbewusster Organisator und Erneuerer" (Quelle 1, Seite 594, siehe Fußnoten rechts): Neben dem kirchlichen Musikleben, das fest in seiner Hand lag, komponierte er für städtische Anlässe, organisierte das bürgerliche Musikleben, das fernab von Höfen und Kirchen immer mehr an Bedeutung gewann, und wagte sich auf eigenes Risiko an das Verlegen von Musikwerken.

Er heiratete 1714 erneut. Aus der Ehe mit Maria Catharina Textor gingen neun Kinder hervor. Die Verbindung verlief allerdings nicht glücklich. Das Paar trennte sich um 1735.

Von Frankfurt nach Hamburg

Einflussreiche Hamburger Fürsprecher holten Telemann 1721 nach Hamburg. Er war zu dieser Zeit 40 Jahre alt und ein deutschlandweit geschätzter, umworbener und wohlhabender Musiker.

Brief des Bürgermeisters der Stadt Hamburg an den Rat der Stadt Frankfurt am Main, 12.Juli 1721, mit der Bitte um Entlassung Telemanns aus dem Frankfurter Dienstverhältnis. Vorblatt. Frankfurt a.M, Stadtarchiv. © akg-images Detailansicht des Bildes Brief des Bürgermeisters der Stadt Hamburg an den Rat der Stadt Frankfurt am Main, 12.Juli 1721, mit der Bitte um Entlassung Telemanns aus dem Frankfurter Dienstverhältnis. Vorblatt. Frankfurt a.M, Stadtarchiv. Das hanseatische Handelszentrum verfügte über eine blühende Musikkultur, ein ausgeprägtes Konzertleben sowie das "einzige institutionalisierte nichthöfische Opernhaus" (Quelle 1, Seite 598). Auch die Möglichkeiten für Nebeneinkünfte erschienen Erfolg versprechend.

Als oberster Musikdirektor waren seine Aufgaben klar umschrieben: "Versorgung der fünf Hauptkirchen (...) mit sonntaglichen Kantaten im Wechsel, dazu jährlich eine Passionsmusik. Der MD. (Musikdirektor) hatte zugleich an der 1529 im aufgelösten Johanneskloster neu geschaffenen Lateinschule (Johanneum) zu unterrichten. Weiterhin war er verantwortlich für die zahlreichen städtischen Gelegenheitsmusiken (Predigereinführungen, Kirchenweihen) und das jährliche Fest der Kapitäne der Bürgerwehr." (Quelle 1, Seite 599).

Hamburger Oper am Gänsemarkt, 1686-1738 (Abriss: 1757) - Zeichnung von Peter Heineken 1726 © abgelaufen Hamburger Oper am Gänsemarkt, 1686-1738 (Abriss: 1757) - Zeichnung von Peter Heineken 1726 Ein Jahr nach seiner Ankunft übernahm Telemann zudem die Leitung des Opernhauses, zu deren Programm er regelmäßig selbst Opern beisteuerte.

Telemann hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des öffentlichen, von kirchlichen und höfischen Einrichtungen unabhängigen Konzertwesens in der Hansestadt. Konzerte für die städtische Oberschicht wurden an verschieden Orten der Stadt - auch in seinem eigenen Haus - gegeben. Die regelmäßigen Aufführungen bewirkten, dass 1761 ein Konzertsaal am Valentinskamp entstand.

Seine Schüler, denen er im Johanneum kirchliche Musik beibrachte, stürmten - trotz der hohen Eintrittspreise - in die modernen Aufführungen. In den Konzerten kamen neben geistlichen Werken auch Arien zur Aufführung. Deren ironische und anzügliche Texte riefen bei älteren Hamburgern Proteste hervor. Da Telemanns Erfolg aber zu einem großen Teil auf seine Anpassungsfähigkeit an aktuelle Musikentwicklungen zurückzuführen ist, war er über das Interesse seiner Zöglinge nicht verärgert.

Auch seine verlegerischen und publizistischen Tätigkeiten setzte Telemann in Hamburg fort. Neben der Publikation von Kompositionen brachte er die erste deutsche Musikzeitschrift heraus, der "Getreue Musicmeister". Zur literarisch- intellektuellen Elite Hamburgs pflegte er enge Verbindungen und trat auch selbst als Dichter in Erscheinung, in dem er Texte für seine Vokalwerke schrieb.

Gefeiert, vergessen und wiederentdeckt

Ernsthafte Versuche Hamburg wieder zu verlassen machte Telemann nicht. Wankelmütig wurde er nur, als ihm 1722, kurz nach seiner Ankunft, die Nachfolge Johann Kuhnaus als neuer Thomaskantor in Leipzig angetragen wurde. Doch er lehnte schließlich ab. Ein einziges Mal, kurz nach der Trennung von seiner zweiten Frau, verließ Telemann die Stadt für mehrere Monate und begab sich auf eine Reise ins Ausland, unter anderem nach Paris. Auch dort wurde der Musiker gefeiert.

Im Alter von nunmehr über 80 Jahren wurde es zunehmend ruhig um den rastlosen Künstler. Er befasste sich mit Musiktheorie und kaufte sich einen Garten am Stadtrand von Hamburg in dem er Blumen züchtete. Auch Georg Friedrich Händel soll dem Freund Pflanzen geschickt haben.

Keiner seiner Söhne trat in Telemanns Fußstapfen. Erst Enkel Georg Michael Telemann führte die musikalische Tradition der Familie fort. Er wurde Musikdirektor in Riga.

Panoplia mit Zink, Blockfloete, Geige mit Bogen und Mandoline © picture alliance / dpa Fotograf: Maler: Rabatti - Domingie Detailansicht des Bildes Barockinstrumente: Panoplia mit Zink, Blockfloete, Geige mit Bogen und Mandoline Mit mehreren Tausend verzeichneten geistlichen, weltlichen und Instrumentalwerken verschiedenster Musikgattungen, gilt Georg Philipp Telemann als einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Zu Lebzeiten ein angesehener Komponist, geriet er nach seinem Tod, am 25. Juni 1767, für fast zwei Jahrhunderte in Vergessenheit. Eine systematische Aufarbeitung seines Schaffens fand erst seit den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts statt.

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Fussnoten

Quellen

1: MGG Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bärenreiter Metzler, Kassel 2006
2: Telemann von Karl Grebe, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2002