Auf die SPD ist meistens Verlass
Georg Schwarte kommentiert den holprigen Start der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Steinbrück ins Wahljahr 2013. mehr
"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ..." singt Udo Jürgens in einem Schlager. Peer Steinbrück ist seit dem 10. Januar 66. Er könnte sich vom Politiker-Job verabschieden. Ein neues Leben als Rentner will er jedoch nicht beginnen - sondern Kanzler werden. Dabei hatte der gebürtige Hamburger kürzlich noch selbst seiner Partei eine Vitalisierung und Modernisierung empfohlen.
Vielleicht ist das Alter des Hanseaten nicht sein Hauptproblem auf dem Weg ins Kanzleramt bei der Bundestagswahl im September. Steinbrück hat ein schwieriges Verhältnis zur eigenen Partei, vor allem zum linken Flügel. Steinbrück war immer ein Verfechter der umstrittenen Sozialreformen der Agenda 2010. Zwar stärkte ihm seine Partei noch demonstrativ den Rücken, als er wegen hoher Vortrags-Honorare in die Kritik geraten war. Doch mit dem nächsten Fettnäpfchen-Tritt - zum Thema Kanzler-Gehalt - geriet die Fassade schon wieder ins Bröckeln. Auch in Umfragen fiel Steinbrück zurück.
Bei vielen Bürgern kam der studierte Volkswirt bisher gut an: "Den find' ich gut, der redet Klartext", war die typische Antwort auf die Frage "Was halten Sie von Steinbrück?" Als das Hamburg Journal nach seiner Nominierung Bürger um ihre Meinung bat, erklärte eine Frau ihre Begeisterung auch damit: "Er wird doch von Helmut Schmidt empfohlen!"
Altkanzler Helmut Schmidt spielt gerne mal eine Partie Schach mit Steinbrück - und wünscht sich den Hamburger schon lange als Regierungschef.
Steinbrück spielt gerne Schach - manchmal auch mit Altkanzler Schmidt (SPD). Und der ist Steinbrück-Fan: "Die SPD ist gut beraten, ihn als Kanzler-Kandidaten zu nominieren", sagte Schmidt schon 2011. Die beiden gaben damals gemeinsam das Buch "Zug um Zug" heraus, in dem sie über politische Themen diskutieren. Schmidt meint: "Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann."
Peer Steinbrück ist seit 1975 verheiratet. Seine Frau Gertrud ist Lehrerin. Die beiden haben zwei Töchter und einen Sohn. Man kann mit Steinbrück über Bücher, Filme, den Modellschiffbau und die Ergebnisse im Fuß- und Handball reden. Steinbrücks beißende Ironie finden manche verletzend. Seine Rhetorik und sein trockener Humor kommen besser an. Einem Reporter antwortete Steinbrück einmal auf Fragen, ob er dieses oder jenes ausschließe: "Steinbrück schließt nicht aus, dass er Hundefutter isst." Eine Auswahl der schönsten Zitate:
"Nahezu jeder Sparkassendirektor verdient mehr als die Kanzlerin. Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss, und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung."
"Die Wähler glauben, dass die Verteilung von Schlaumeiern und Deppen nicht einseitig auf die Parteien verteilt ist, sondern der Normalverteilung in der Bevölkerung folgt."
"Ich würde es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie die SPD nicht wählen - aber vergessen würde ich es Ihnen auch nicht."
"Meine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur zeigt, dass mir politisches Engagement wichtiger ist als Geld. Denn sonst würde ich mehr verdienen, wie ja jetzt jedermann weiß."
"Klar, ich gelte als wahnsinnig verklemmt bei Frauen. Ich habe Annäherungsschwierigkeiten." Und: "Ich werde jetzt nicht zum Kuschel-Peer. In der Rolle wäre ich doch völlig unglaubwürdig."
"Ich würde mich jederzeit in ein Flugzeug mit ihr als Pilotin setzen, da fühle ich mich sicher, denn sie hat mechanisch alles im Griff - aber man weiß nie, wo man landet."
"Jede Frittenbude in Deutschland wird besser gemanagt als diese Energiewende."
"Es gibt eine Schicht von Parteiaktivisten, die einem intoleranten Jakobinismus anhängen und Meinungsoffenheit bereits für einen Verrat an Prinzipien halten."
"Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist."
"Ich bin dankbar dafür, dass die Schweiz mich seit meinen wortkräftigen Bildern mehrmals hat einreisen lassen. Noch wichtiger ist gewesen, dass sie mich auch hat ausreisen lassen."
"Ich werde gelegentlich die Winkel meiner Mundwinkel verändern."
Peer Steinbrück wurde am 10. Januar 1947 geboren. Im Schrötteringksweg in Hamburg-Uhlenhorst wächst er als Sohn eines Architekten auf. Als Schüler ist Peer Steinbrück ein schwerer Fall. Wegen schlechter Noten muss er das Gymnasium wieder verlassen. Neben Griechisch und Latein ist ausgerechnet Mathe sein Problemfach. "Mangelhaft" steht im Zeugnis nach Klasse 8. Steinbrück bleibt zweimal sitzen, beendet die Schule mit dem Fach-Abi.
Zur SPD findet Steinbrück bei der Bundeswehr. Ein Vorgesetzter beim Panzerbataillon in Oldenburg engagiert sich bei den Sozialdemokraten, 1969 tritt Steinbrück selbst in die Partei ein. Zum Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften geht er 1970 nach Kiel. In seiner Wohngemeinschaft bekommt er dort einmal Besuch von einem Sondereinsatzkommando der Polizei. Nachbarn hatten in der Studenten-WG fälschlicherweise eine Party von RAF-Mitgliedern vermutet.
Heide Simonis holte Steinbrück als Minister nach Kiel. Anschließend ging er nach Düsseldorf und wurde dort 2002 Ministerpräsident.
Die politische Karriere des Hamburgers beginnt 1974 im Bonner Bundesbauministerium. Nach einem Abstecher im Forschungsministerium wird er Referent im Bundeskanzleramt unter Helmut Schmidt. 1986 geht Steinbrück nach Düsseldorf als Büroleiter bei NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Anschließend zieht es Steinbrück zurück an die Förde: Im Kieler Kabinett von Heide Simonis ist er von 1993 bis 1998 Wirtschaftsminister. Während in Berlin Gerhard Schröder (SPD) regiert, macht Steinbrück in Nordrhein-Westfalen Karriere. Nach Stationen als Wirtschafts- und Finanzminister wird er 2002 anstelle des nach Berlin gewechselten Wolfgang Clement NRW-Ministerpräsident. 2005 folgt der Absturz: Die Sozialdemokraten verlieren mit Pauken und Trompeten die Landtagswahl - mit Steinbrück an der Spitze. Noch im gleichen Jahr geht er nach Berlin, als Bundesfinanzminister der Großen Koalition.
An der Spree will Steinbrück nun nicht noch einmal die Nummer Zwei werden. Sollte es als Kanzler nicht klappen, werde er auf keinen Fall erneut Juniorpartner von Merkel, sagte Steinbrück.
In seinem Song empfiehlt Udo Jürgens, sich "mit 66 Jahren" die verbliebenen Haare lässig zu föhnen und mal nach San Francisco zu trampen. Peer Steinbrück ist wohl noch nicht bereit, es mal locker anzugehen. Aber Steinbrück steht auch nicht auf Schlager. Er hört U2, Bob Dylan und die Rolling Stones - und die rocken ja auch noch hauptberuflich.
"Ein Macker wie dieser" - die ultimative extra 3 Hymne für den Typen mit der großen Klappe. Von Dennis Kaupp und Inga Frick.
Der Kandidat ist ein guter Führer
In NRW erhielten Bergbauarbeiter jahrzehntelang Milliarden an Steuergeldern um der SPD Regierung unter MP Rau in NRW die Wiederwahl zu sichern. Herr Steinbrück war lange Jahre in NRW unter den... [mehr]
Na denn, deutscher Michel: Mach mal wieder den Bock zum Gärtner. Der weiss ja noch vom letzten Engagement, wie es geht... :-))) [mehr]
Weltanschauungs-Gerechtigkeit fehlt bisher.
Bei der überraschend guten Rede fehlte mir beim Hauptthema „Gerechtigkeit“ die Gerechtigkeit im Weltanschauungsbereich. Obwohl sowohl bei den Menschenrechten wie im Grundgesetz die Bevorzugung... [mehr]
Glaubwürdig?
Steinbrück hat ja alles gegeben.Leider hat die SPD die Reformen gemacht,auf dessen Auswirkungen sie nun gegen die jetzige Regierung schießt.Hartz 4 wurde eingeführt,es entstanden Minijobs,Niedriglohn... [mehr]
Völlig egal ob nun Herr Steinbrück Kanzler wird,
einen wirklich großen Unterschied in der realen Politik gibt es nicht. Politik wird hinter verschlossenen Türen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aber unter Mitwirkung der jeweiligen Lobbyisten aus... [mehr]