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Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Porträt

von Oliver Diedrich

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ..." singt Udo Jürgens in einem Schlager. Peer Steinbrück ist seit dem 10. Januar 66. Er könnte sich vom Politiker-Job verabschieden. Ein neues Leben als Rentner will er jedoch nicht beginnen - sondern Kanzler werden. Dabei hatte der gebürtige Hamburger kürzlich noch selbst seiner Partei eine Vitalisierung und Modernisierung empfohlen.

"Den find' ich gut, der redet Klartext"

Vielleicht ist das Alter des Hanseaten nicht sein Hauptproblem auf dem Weg ins Kanzleramt bei der Bundestagswahl im September. Steinbrück hat ein schwieriges Verhältnis zur eigenen Partei, vor allem zum linken Flügel. Steinbrück war immer ein Verfechter der umstrittenen Sozialreformen der Agenda 2010. Zwar stärkte ihm seine Partei noch demonstrativ den Rücken, als er wegen hoher Vortrags-Honorare in die Kritik geraten war. Doch mit dem nächsten Fettnäpfchen-Tritt - zum Thema Kanzler-Gehalt - geriet die Fassade schon wieder ins Bröckeln. Auch in Umfragen fiel Steinbrück zurück.

Bei vielen Bürgern kam der studierte Volkswirt bisher gut an: "Den find' ich gut, der redet Klartext", war die typische Antwort auf die Frage "Was halten Sie von Steinbrück?" Als das Hamburg Journal nach seiner Nominierung Bürger um ihre Meinung bat, erklärte eine Frau ihre Begeisterung auch damit: "Er wird doch von Helmut Schmidt empfohlen!"

Unterstützung vom Altkanzler

Peer Steinbrück und Helmut Schmidt in der ARD-Sendung "Günther Jauch". © dpa bildfunk Fotograf: Jörg Carstensen Detailansicht des Bildes Altkanzler Helmut Schmidt spielt gerne mal eine Partie Schach mit Steinbrück - und wünscht sich den Hamburger schon lange als Regierungschef. Steinbrück spielt gerne Schach - manchmal auch mit Altkanzler Schmidt (SPD). Und der ist Steinbrück-Fan: "Die SPD ist gut beraten, ihn als Kanzler-Kandidaten zu nominieren", sagte Schmidt schon 2011. Die beiden gaben damals gemeinsam das Buch "Zug um Zug" heraus, in dem sie über politische Themen diskutieren. Schmidt meint: "Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann."

Verheiratet, zwei Töchter, ein Sohn

Peer Steinbrück ist seit 1975 verheiratet. Seine Frau Gertrud ist Lehrerin. Die beiden haben zwei Töchter und einen Sohn. Man kann mit Steinbrück über Bücher, Filme, den Modellschiffbau und die Ergebnisse im Fuß- und Handball reden. Steinbrücks beißende Ironie finden manche verletzend. Seine Rhetorik und sein trockener Humor kommen besser an. Einem Reporter antwortete Steinbrück einmal auf Fragen, ob er dieses oder jenes ausschließe: "Steinbrück schließt nicht aus, dass er Hundefutter isst." Eine Auswahl der schönsten Zitate:

Peer Steinbrück über ...

  • ... das Gehalt für den Job, den er anstrebt

    "Nahezu jeder Sparkassendirektor verdient mehr als die Kanzlerin. Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss, und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung."

  • ... den richtigen Ton im Wahlkampf

    "Die Wähler glauben, dass die Verteilung von Schlaumeiern und Deppen nicht einseitig auf die Parteien verteilt ist, sondern der Normalverteilung in der Bevölkerung folgt."

  • ... Leute, die die SPD nicht wählen

    "Ich würde es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie die SPD nicht wählen - aber vergessen würde ich es Ihnen auch nicht."

  • ... die Kritik an seinen Nebeneinkünften

    "Meine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur zeigt, dass mir politisches Engagement wichtiger ist als Geld. Denn sonst würde ich mehr verdienen, wie ja jetzt jedermann weiß."

  • ... schlechte Prognose-Werte bei weiblichen Wählern

    "Klar, ich gelte als wahnsinnig verklemmt bei Frauen. Ich habe Annäherungsschwierigkeiten." Und: "Ich werde jetzt nicht zum Kuschel-Peer. In der Rolle wäre ich doch völlig unglaubwürdig."

  • ... Angela Merkel

    "Ich würde mich jederzeit in ein Flugzeug mit ihr als Pilotin setzen, da fühle ich mich sicher, denn sie hat mechanisch alles im Griff - aber man weiß nie, wo man landet."

  • ... die Energiepolitik der Bundesregierung

    "Jede Frittenbude in Deutschland wird besser gemanagt als diese Energiewende."

  • ... die "Tiefenschichten" der SPD

    "Es gibt eine Schicht von Parteiaktivisten, die einem intoleranten Jakobinismus anhängen und Meinungsoffenheit bereits für einen Verrat an Prinzipien halten."

  • ... das Verhältnis der BRD zum "Steuerparadies" Schweiz

    "Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist."

  • ... sein Verhältnis zur Schweiz einige Monate später

    "Ich bin dankbar dafür, dass die Schweiz mich seit meinen wortkräftigen Bildern mehrmals hat einreisen lassen. Noch wichtiger ist gewesen, dass sie mich auch hat ausreisen lassen."

  • ... Kritik, seine Mimik passe nicht zu einem Kanzlerkandidaten

    "Ich werde gelegentlich die Winkel meiner Mundwinkel verändern."

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"Mangelhaft" in Mathe, SEK-Sturm auf Studentenbude

Peer Steinbrück wurde am 10. Januar 1947 geboren. Im Schrötteringksweg in Hamburg-Uhlenhorst wächst er als Sohn eines Architekten auf. Als Schüler ist Peer Steinbrück ein schwerer Fall. Wegen schlechter Noten muss er das Gymnasium wieder verlassen. Neben Griechisch und Latein ist ausgerechnet Mathe sein Problemfach. "Mangelhaft" steht im Zeugnis nach Klasse 8. Steinbrück bleibt zweimal sitzen, beendet die Schule mit dem Fach-Abi.

Zur SPD findet Steinbrück bei der Bundeswehr. Ein Vorgesetzter beim Panzerbataillon in Oldenburg engagiert sich bei den Sozialdemokraten, 1969 tritt Steinbrück selbst in die Partei ein. Zum Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften geht er 1970 nach Kiel. In seiner Wohngemeinschaft bekommt er dort einmal Besuch von einem Sondereinsatzkommando der Polizei. Nachbarn hatten in der Studenten-WG fälschlicherweise eine Party von RAF-Mitgliedern vermutet.

Referent in Bonn, Minister an der Förde, Wahl-Debakel in NRW

Peer Steinbrück und Heide Simonis, beide SPD (1998). © dpa Fotograf: Horst Pfeiffer Detailansicht des Bildes Heide Simonis holte Steinbrück als Minister nach Kiel. Anschließend ging er nach Düsseldorf und wurde dort 2002 Ministerpräsident. Die politische Karriere des Hamburgers beginnt 1974 im Bonner Bundesbauministerium. Nach einem Abstecher im Forschungsministerium wird er Referent im Bundeskanzleramt unter Helmut Schmidt. 1986 geht Steinbrück nach Düsseldorf als Büroleiter bei NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Anschließend zieht es Steinbrück zurück an die Förde: Im Kieler Kabinett von Heide Simonis ist er von 1993 bis 1998 Wirtschaftsminister. Während in Berlin Gerhard Schröder (SPD) regiert, macht Steinbrück in Nordrhein-Westfalen Karriere. Nach Stationen als Wirtschafts- und Finanzminister wird er 2002 anstelle des nach Berlin gewechselten Wolfgang Clement NRW-Ministerpräsident. 2005 folgt der Absturz: Die Sozialdemokraten verlieren mit Pauken und Trompeten die Landtagswahl - mit Steinbrück an der Spitze. Noch im gleichen Jahr geht er nach Berlin, als Bundesfinanzminister der Großen Koalition.

An der Spree will Steinbrück nun nicht noch einmal die Nummer Zwei werden. Sollte es als Kanzler nicht klappen, werde er auf keinen Fall erneut Juniorpartner von Merkel, sagte Steinbrück.

Steinbrück mag U2, Bob Dylan und die Stones

In seinem Song empfiehlt Udo Jürgens, sich "mit 66 Jahren" die verbliebenen Haare lässig zu föhnen und mal nach San Francisco zu trampen. Peer Steinbrück ist wohl noch nicht bereit, es mal locker anzugehen. Aber Steinbrück steht auch nicht auf Schlager. Er hört U2, Bob Dylan und die Rolling Stones - und die rocken ja auch noch hauptberuflich.

Der extra 3 Steinbrück-Song

extra 3 - 21.11.2012 22:50 Uhr - Autor/in: Dennis Kaupp

"Ein Macker wie dieser" - die ultimative extra 3 Hymne für den Typen mit der großen Klappe. Von Dennis Kaupp und Inga Frick.

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Kommentare
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05.12.2012 | 23:20 Uhr
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Steinbrücks Kampf gegen negative Schlagzeilen.

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Stephan Fritzsche über die Nebeneinkünfte von Peer Steinbrück.

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Die Forderungen eines Kanzlerkandidaten

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