Axel Springer - Medientitan aus Hamburg
Der umstrittene Verleger prägte die deutsche Medienlandschaft wie kaum ein anderer. mehr
Stefan Aust: Journalist, Publizist und Unternehmer steht mit 65 Jahren noch voll im Berufsleben.
65: Für die meisten Berufstätigen ein Einschnitt, die Endstation, der Neuanfang als Rentner. Für Stefan Aust ist das anders. Am 1. Juli 2011 feierte er seinen 65. Geburtstag - und denkt nicht ans Aufhören. Erst vor einem Jahr startete Aust ein neues Projekt und erfüllt sich damit einen Lebenstraum: Er ist jetzt Miteigentümer des Fernsehsenders N24, für Ruhestand bleibt da kein Raum. Aust und Fernsehen mag ungewöhnlich klingen, denn viele kennen ihn in erster Linie als Chefredakteur des Magazins "Der Spiegel", das er mehr als 13 Jahre lang leitete. Doch das ist Vergangenheit. Der Vollblutjournalist wechselte mehrfach die Medien - vom Print zum TV und zurück.
Stefan Aust kommt 1946 im niedersächsischen Stade zur Welt. Der Weg in den Journalismus ist für den Sohn eines Obstbauern nicht vorgezeichnet. Nach dem Abitur studiert er Soziologie, verlässt die Universität aber ohne Abschluss. Bei dem linken Politblatt "konkret" arbeitet Aust einige Jahre als Redakteur, wechselt dann zu den "St. Pauli-Nachrichten" und kommt 1970 zum Norddeutschen Rundfunk. Von 1973 bis 1987 gehört er zur Redaktion des politischen Fernsehmagazins Panorama. Dort deckt er unter anderem den Fall Filbinger auf: Der damalige baden-württembergische Ministerpräsident hatte noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Todesurteile gegen fahnenflüchtige Soldaten der Wehrmacht verhängt. Filbinger beugt sich schließlich dem öffentlichen Druck und tritt zurück.
Einem breiten Publikum bekannt wird Aust mit einer Panne: 1982 dreht er einen Film über einen Verfassungsschützer, der seine eigene Terrorgruppe aufbauen will. Autor Aust moderiert seinen Beitrag vor laufender Kamera an, doch als der Film abgespielt werden soll, ist er verschwunden und taucht nie wieder auf. Aus Restmaterial entsteht ein neuer Beitrag, den die ARD am nächsten Tag in einer Sondersendung zeigt.
1988 verlässt Aust den NDR und wechselt zum "Spiegel". Der Verlag möchte in das noch junge Geschäft mit kommerziellem Fernsehen einsteigen und holt Aust für sein Projekt "Spiegel TV", zu dem auch ein politisches Magazin gehört. Der erfahrene Fernsehjournalist steht vor der Kamera, baut aber gleichzeitig im Hintergrund ein erfolgreiches Unternehmen auf. Zehn Jahre arbeitet er in unterschiedlichen Funktionen für "Spiegel TV". Auch als Aust im Dezember 1994 Chefredakteur des gedruckten Magazins "Der Spiegel" wird, zieht er sich zunächst nicht völlig aus dem Fernsehgeschäft zurück.