Zehn Jahre Rolf-Liebermann-Studio
Im März 2000 bekam das Studio seinen neuen Namen. mehr
Er kam, sah, und bestimmte Hamburgs kulturelles Leben: Rolf Liebermann.
Er habe das Glück, aus seiner Passion einen Beruf gemacht zu haben. Mit diesen Worten beschloss Rolf Liebermann sein Buch "Opernjahre" (1977). Musik war seine Leidenschaft. Sein Leben lang begeisterte sie ihn, ließ ihn nie wieder los - wie eine große, einzigartige Liebe. Als Komponist und Opernintendant hatte er sogar zwei Berufe, die er aber selten gleichzeitig ausübte. Zwei Mal landete der Schweizer in Hamburg: Ab 1957 leitete er zwei Jahre lang die Hauptmusikabteilung des Norddeutschen Rundfunks, im Anschluss daran war er ganze 14 Jahre Intendant der Hamburgischen Staatsoper, verhalf der Bühne zu neuem Ansehen. Von 1985 bis 1988 kehrte er noch einmal an das Haus am Hamburger Stephansplatz zurück.
Am 14. September 1910 kam Rolf Liebermann in Zürich zur Welt. Die jüdische Familie des Jungen stammte ursprünglich aus Berlin, sein Großonkel war der bekannte Maler Max Liebermann. Doch Vater Franz hatte es der Liebe wegen in die Schweiz gezogen. Musik war schon früh wichtig. Die Mutter spielte Klavier, der Vater sang, und auch Sohn Rolf bekam schon in seiner Kindheit Klavierunterricht. Als Wunderkind entpuppte er sich zwar nicht - dennoch zeichnete sich eine musikalische Begabung ab. Sich zielstrebig für einen Beruf zu entscheiden fiel ihm aber schwer. Während sein älterer Bruder in die Fußstapfen des Vaters trat und Jura studierte, äußerte Rolf nur ganz vage, dass er "irgend etwas, was mit Musik zusammenhängt" machen wolle. Mehr auf Wunsch der Familie denn aus eigenem Interesse begann auch Rolf Liebermann nach der Schule ein Jurastudium, gab es jedoch nach dem Tod seines Vaters - er starb 1931 - auf. Kurz darauf bestimmte die Musik wieder sein Leben, zunächst durch eine Frau.
Beflügelt durch die Liebe: Für Lieselotte Wilke alias Lale Andersen vertonte Rolf Liebermann in Zürich Texte.
1933 trat die Sängerin Lieselotte Wilke in sein Leben, später als Lale Andersen bekannt. Hitler hatte in Berlin die Macht übernommen. Die Künstlerin verließ die Stadt und lebte nun in Zürich, erhielt kleinere Rollen am Schauspielhaus, trat als Chansonsängerin in Kabaretts auf. Sie wurde Rolf Liebermanns erste große Liebe. Er vertonte Stummfilme, seine ersten kleineren Kompositionen entstanden. Schon bald bat ihn Lale Andersen, für sie zu komponieren. Mit vertonten Texten von Brecht, Ringelnatz, Kästner und anderen Autoren tourten die beiden durch Schweizer Städte, Liebermann begleitete ihren Gesang am Klavier.
Eine weitere Schlüsselperson in Rolf Liebermanns Leben war Hermann Scherchen, ein bekannter Dirigent und Komponist von Neuer Musik. Bei ihm bewarb sich der Endzwanziger 1937 für einen Dirigierkurs in Budapest. Scherchen erkannte sein Talent und machte ihn zu seinem Assistenten. Als Scherchen kurz darauf in Wien das "Musica viva"-Orchester gründete, folgte ihm Liebermann.
1938 besetzten die Nazis Österreich, das Orchester wurde aufgelöst. Rolf Liebermann gelang die Flucht aus Wien - zurück in die neutrale Schweiz. Kurze Zeit später machte er in Ascona im Tessin Station, wo er die Bekanntschaft des russischen Komponisten Wladimir Vogel machte. Ab 1940 lernte Liebermann bei ihm das Komponieren der Zwölftonmusik, prägend für sein weiteres musikalisches Schaffen. 1943 entstand seine erste bekanntere Komposition: "Polyphone Studien" für Kammerorchester.
Nach Kriegsende berief ihn Hermann Scherchen zum Schweizer Sender Beromünster, wo Liebermann ab 1945 zunächst Tonmeister wurde. Fünf Jahre später übernahm er die Leitung der Musikabteilung. Rolf Liebermann achtete bei Orchesterarbeit und Programmgestaltung auf ein hohes Niveau und setzte sich für zeitgenössische Musik im Radio ein. Dirigent Hans Schmidt-Isserstedt, zu dieser Zeit Leiter des NDR Sinfonieorchesters, gehörte zu seinem Umfeld in der Züricher Radiozeit - und holte Rolf Liebermann einige Jahre später von der Limmat an die Elbe.