Literatur
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Siegfried Lenz zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Die Weltauflage seiner in mehr als 22 Sprachen übersetzten Bücher beträgt mehr als 20 Millionen.
Bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, dass er ambitioniert menschliche Schicksale mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen kombiniert und sich kritisch mit der deutschen Geschichte auseinandersetzt.
Eine Szene aus dem Film "Deutschstunde".
Die Erfahrung des Totalitarismus wurde eines seiner wichtigsten Themen, schon in seinem ersten Roman "Es waren Habichte in der Luft" und besonders eindrucksvoll in seinem wohl bekanntesten Werk "Deutschstunde". Zugleich ist er aber auch mit Humoresken und zarten Liebesgeschichten hervorgetreten.
Lenz' größter Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman "Deutschstunde", der auch international eine breite Leserschaft. Es folgten viele weitere großartige Romane wie "Heimatmuseum" (1978), "Der Verlust" (1981) oder "Die Auflehnung" (1994), die Lenz an die Seite der großen deutschen Autoren wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser stellen.
Der Schriftsteller Siegfried Lenz mit Schauspieler Jan Fedder bei Dreharbeiten zur NDR Literaturverfilmung "Das Feuerschiff" im Emder Hafen. (August 2007)
Einige seiner Bücher wurden verfilmt, darunter "Deutschstunde" Der Schauspieler Jan Fedder spielt in
drei Lenz-Romanverfilmungen - "Die Auflehnung", "Das Feuerschiff" und "Der Mann im Strom" die Hauptrolle.
Mit 82 Jahren schrieb Siegfried Lenz seine erste Liebesgeschichte. Die Novelle "Schweigeminute" war mit rund 360.000 verkauften Exemplaren der Überraschungserfolg des Jahres 2008. Das Hörbuch wurde rund 14.000 mal verkauft. Der NDR produzierte 2009 das gleichnamige Hörspiel. Lenz umfasst mit seinen Arbeiten alle literarischen Gattungen einschließlich Hörspiele, Theaterstücke, Essays, humoristische Erzählungen und Dramen.
Geboren wurde der Schriftsteller am 17. März 1926 als Sohn eines Zollbeamten in Lyck, einer kleinen Stadt in Ostpreußen. Nach dem Notabitur wurde er zur Kriegsmarine eingezogen. Kurz vor Kriegsende desertierte Lenz und geriet in englische Kriegsgefangenschaft.
Daraus entlassen, studierte er in Hamburg Literaturwissenschaft, Philosophie und Anglistik. Schon während seines Studiums arbeitete er als Redakteur für die "Welt".
Als 1951 sein erster Roman "Es waren Habichte in der Luft" erschien, kündigte er bei der Zeitung, unternahm eine Afrikareise auf einem Bananendampfer und beschloss, nach seiner Rückkehr in Hamburg als freier Schriftsteller zu leben.
Für sein außergewöhnliches Schaffen wurde Siegfried Lenz mit vielen Auszeichnungen bedacht, unter anderem dem Thomas-Mann-Preis, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Bayerischen Staatspreis für Literatur oder der Ehrenbürgerschaft des Landes Schleswig-Holstein und der Hansestadt Hamburg.
Viele seiner Geschichten sind in Norddeutschland angesiedelt. Nahe Rendsburg besitzt er ein Haus, wo er die Sommer verbringt.