Ohnsorg-Theater
Passanten und Gäste am 28. August 2011 vor dem Eingang des Ohnsorg-Theaters im Bieberhaus. © dpa-Bildfunk
 

Ohnsorg - Kult mit Herz und Schnauze

Das Hamburger Traditionstheater und seine Stars. mehr


Die Ohnsorg-Stars im Porträt

Von Heidi Kabel bis Uwe Friedrichsen - Infos zu den Schauspielern. mehr

 

Heidi Kabel - Die Bühne war ihr Leben

Heidi Kabel in dem Ohnsorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus" © NDR Fotograf:  Rudolf Ohnesorge Detailansicht des Bildes Was machen die Nachbarn? Heidi Kabel als Frau Boldt in dem legendären Ohnsorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus". Sie gehörte zu Hamburg wie der Michel und die Elbe. Und wer an Heidi Kabel denkt, dem fällt sofort das Ohnsorg-Theater ein. 66 Jahre lang stand sie dort in mehr als 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne und spielte sich in die Herzen eines Millionen-Publikums. Unvergessen bleiben ihre Auftritte in Klassikern wie "Tratsch im Treppenhaus", "Trautes Heim" oder "Die Kartenlegerin", die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden und noch heute die Zuschauer begeistern.

Geradlinigkeit, Witz und Herz

Hausfrauen, Schlampen, Hausdrachen oder Mütter - Heidi Kabel schlüpfte in alle Rollen großer Frauengestalten des Volkstheaters und das mit norddeutscher Geradlinigkeit, Witz und Herz. In den 40er-Jahren spielte sie zur Aufbesserung ihrer Gage noch Schifferklavier, da die Bühnen nur wenig besucht wurden. Mit der bundesweiten Übertragung der Ohnsorg-Aufführungen im Fernsehen nahm ihre beeindruckende Karriere Mitte der 50er-Jahre ihren Anfang. Heidi Kabel machte das Plattdeutsche salonfähig und schuf damit ein norddeutsches Gegenstück zu den großen Mundart-Bühnen wie dem bayerischen Komödien-Stadl und der "kölschen" Bühne von Willy Millowitsch.

Neben dem Theater wirkte sie auch in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit. Zu den bekanntesten zählen "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969), "Grün ist die Heide" (1972) mit ihrem langjährigen Bühnenkollegen Henry Vahl, die Krimireihe "Tante Tilly" (1986-1987) und die musikalische Unterhaltungsshow "Haifischbar" (1970-1973). Ihre letzte Rolle spielte Heidi Kabel mit 92 - an der Seite ihrer Tochter in dem Detlev-Buck-Film "Hände weg von Mississippi".

Mit 18 zum Ohnsorg-Theater

Heidi Bertha Auguste Kabel wurde am 27. August 1914 in Hamburg geboren - gegenüber der "Niederdeutschen Bühne" in den Großen Bleichen - ein geradezu wegweisender Start ins Leben. Eigentlich wollte sie Pianistin werden. Aber als sie mit 18 Jahren eine Freundin zum Vorsprechen begleitete, wurde sie an ihrer Stelle in das Ensemble des späteren Ohnsorg-Theaters aufgenommen. Im selben Jahr hatte sie ihre Bühnenpremiere mit dem Stück "Ralves Carstens" und etablierte sich schnell im Haus. Das Plattdeutsche lernte sie schon in früher Jugend von ihrem Vater: Der selbstständige Buchdrucker war "Vorsitzender des Vereins für geborene Hamburger" und veranstaltete niederdeutsche Abende.

Um auf der Bühne bestehen zu können, begann Heidi Kabel eine Schauspielausbildung. 1937 heiratete sie ihren Kollegen, den Schauspieler Hans Mahler, der 1947 die Leitung des Ohnsorg-Theaters übernahm und auf die Rollen seiner Frau entscheidenden Einfluss hatte. Er starb 1970. Aus der Ehe stammen die Söhne Jan-Rasmus und Heiko sowie die Tochter Heidi, die ebenfalls am Ohnsorg-Theater zum Star wurde.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/koepfe/kabel100.html
Auszeichnungen

  • 1967 Goldener Bildschirm
  • 1972 Goldener Bildschirm
  • 1975 Goldene Europa
  • 1981 Bürgermeister-Stolten-Medaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1982 "Silberne Maske" des Ohnsorg-Theaters
  • 1983 Richard-Ohnsorg-Preis
  • 1984 Biermann-Ratjen-Medaille, Hamburg
  • 1985 Goldene Kamera
  • 1986 "Silbernes Lorbeerblatt" der Dramatiker-Union
  • 1989 Bambi
  • 1989 Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1989 Hermann-Löns-Medaille in Platin für besondere Verdienste um die Volksmusik
  • 1990 Bambi
  • 1992 Ohnsorg-Verdienstmedaille
  • 1994 Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei
  • 2004 Ehrenmitgliedschaft im Ohnsorg-Theater
  • 2004 Bambi

Den ihr angetragenen Bundesverdienstorden lehnte Heidi Kabel gemäß hanseatischer Tradition ab.

Links

Die Website des Hamburger Traditionshauses mit Informationen zu Programm, Ensemble und Geschichte der plattdeutschen Bühne.

Link in neuem Fenster öffnen