Fritz Schumacher - Hamburgs moderner Stadtplaner
Noch heute prägen viele seiner Bauten und Brücken das Stadtbild. mehr
Das Chilehaus in Hamburg, das Rathaus in Wilhelmshaven, das Anzeiger-Hochhaus in Hannover, das Krankenhaus in Delmenhorst, der Wasserturm in Bad Zwischenahn, außerdem Kirchen, Verwaltungsgebäude, Wohnhäuser, Fabriken, Schulen und Gedenkstätten - mehr als 3.000 Bauten und Entwürfe hat der Baumeister Fritz Höger bis zu seinem Tode im Jahr 1949 nach eigenen Angaben geschaffen. Neben seinem älteren Kollegen Fritz Schumacher steht er für den Backsteinexpressionismus in Norddeutschland.
Fritz Höger, eigentlich Johann Friedrich Höger, wurde am 12. Juni 1877 als erstes von sechs Kindern eines Zimmermanns in Elmshorn geboren. Als Jugendlicher ging er bei einem Zimmerer in die Lehre und bildete sich gleichzeitig an einer Abendschule fort. Dann besuchte er zwei Jahre lang die Baugewerbeschule in Hamburg. 1899 bestand er seine Meisterprüfung. Nach dem Militärdienst begann er 1901 im angesehenen Architekturbüro Lundt & Kallmorgen in Hamburg als technischer Zeichner und Bauführer zu arbeiten. Das Büro gehörte zu den bedeutendsten der Stadt, entwarf aber Gebäude nach Musterbüchern in allen Stilen. Dem ehrgeizigen Höger gefiel das nicht.
Das Rathaus Wilhelmshaven, entworfen von Fritz Höger.
Er begann für den Bauunternehmer Fritz Oldenburg zu arbeiteten, heiratete 1905 dessen Tochter Annie. Von ihr ermuntert gründete er mit 30 Jahren ein eigenes Architekturbüro. Weil er keine Hochschulausbildung vorweisen konnten, durfte er dem Bund Deutscher Architekten nicht beitreten und nannte sich selbst "Baumeister". Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges plante und baute er vor allem Privathäuser in Hamburg und Umgebung. Bald entstanden in der Stadt auch seine ersten größeren Geschäfts- und Kontorhäuser: das Rappolt- und das Klöpperhaus in der Mönckebergstraße.
Höger stand der Heimatschutzbewegung nahe, die die regionale Tradition und das Handwerk stärken wollte. Dazu passte es, dass Höger als Material am liebsten den norddeutschen Backstein nutzte. Im berühmten Hamburger Chilehaus ließ er 4,8 Millionen Stück davon verbauen.
Ab 1914 diente Höger im Ersten Weltkrieg als Mitglied einer Baukompanie in Frankreich und Flandern. Er baute Bunker - und es war vorerst vorbei mit dem eigenen Architekturbüro. Nach dem Krieg war es schwer, an die Aufträge der Vorkriegszeit anzuknüpfen und das Geschäft wieder aufzubauen. Doch dann gewann Höger den Architekturwettbewerb für das Chilehaus, den der reiche Hamburger Reeder Henry Brarens Sloman ausgeschrieben hatte. Dieser Bau machte Höger international bekannt.
Im Chilehaus ließ Fritz Höger 4,8 Millionen norddeutsche Backsteine verbauen.
Durch seine markante Architektur in Form eines riesigen Passagierschiffs mit 2.800 Fenstern ist das Chilehaus noch heute eine bekannte Sehenswürdigkeit Hamburgs.1924 fertiggestellt, liegt es im Kontorhausviertel in der Altstadt und nahe des Freihafens. Überliefert sind zahlreiche Bauplanungen, die auf einen schwierigen Entstehungsprozess schließen lassen. Das Chilehaus war Zeichen des Aufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg und wurde neben dem Hamburger Michel zum markanten Wahrzeichen der Hansestadt. Seit 1983 steht es unter Denkmalschutz. Der Name "Chilehaus" erklärt sich durch seinen Auftraggeber Sloman: Dieser hatte sein Vermögen mit Salpeterhandel in Chile gemacht.
Das Anzeiger-Hochhaus von Fritz Höger in Hannover.
1927 bis1928 errichtete Höger unter anderem in Hannover das "Anzeiger-Hochhaus" für den Verleger August Madsack. Auch dieses Gebäude wurde zum Wahrzeichen. Es war eines der frühen Hochhäuser in Deutschland und ähnelt in vielen Elementen dem Chilehaus, wird jedoch von einer einzigartigen grünen Dachkuppel überspannt. Höger durfte für Madsack in Hannover auch ein Wohnhaus bauen - und im Jahr 1933 das Grabmal der Familie. Unverändert steht am Stephansplatz in der Südstadt ein Wohnhochhaus aus dem Jahr 1928; heute ist im Erdgeschoss ein nach dem Baumeister benanntes Cafe-Restaurant untergebracht.
Höger baute nun auch in der Hauptstadt Berlin - und strebte nach noch mehr Erfolg. Schon 1931 schrieb er an Adolf Hitler und bat um ein Gespräch. Daraus wurde nichts, aber als Hitler 1933 an die Macht kam, hoffte Höger, davon zu profitieren. Doch obwohl der Baumeister in vielen Bereichen mit Hitler übereinstimmte, Mitglied der NSDAP war und sich auch entsprechend äußerte, traf er mit seiner Bauweise nicht den Geschmack Hitlers. Mit dem klassizistischen Marmorbau wollte und konnte Höger sich nicht anfreunden. Auch hatte er sich durch ruppigen Umgang mit Kollegen nicht wenige Feinde gemacht, und es gab immer wieder Plagiatsvorwürfe gegen ihn. Höger wurde nicht, wie er gehofft hatte, Hitlers Staatsarchitekt, war jedoch in vielen Ausschüssen des Dritten Reiches tätig.
Eine Bombe zerstörte 1943 fast alle Pläne und Bauunterlagen Högers. Der Baumeister verlor neben Büro und Archiv auch sein Wohnhaus in Hamburg-Harvestehude. Die Unterlagen waren im Keller des Stahlbetonbaus untergebracht. Nach 1945 fand Höger, inzwischen 68 Jahre alt, nicht mehr zu seinen früheren Leistungen zurück. Er starb am 21. Juni 1949 in Bad Segeberg.