Heinz Erhardt - Die Biografie
Von Rainer Berg und Norbert Klugmann
Lappan, Oldenburg 2009
ISBN: 978-3-8303-3206-0
Preis: 19,95 Euro
Immer ein schelmisches Lachen - so kannten und liebten die Zuschauer Heinz Erhardt.
"Wie viel Geist muss ein Mensch haben, um sich derartig blöd anstellen zu können", sagte einmal ein Zuschauer nach einem Auftritt von Heinz Erhardt. Diese "Blödheit", dieses Unbeholfene, Trottelige, auch Biedere seiner Rollen hat sich Erhardt akribisch erarbeitet - und doch auf der Bühne improvisiert wie kein Zweiter. Fast 35 Jahre seines rastlosen Lebens hat der große Humorist in Hamburg verbracht.
Geboren wird Heinz Erhardt am 20. Februar 1909 in Riga als Kind baltendeutscher Eltern. Diese trennen sich schon kurz nach seiner Geburt. Die Mutter zieht ins russische Petrograd, heute St. Petersburg, der Vater geht nach Hannover und reist als berühmter Kapellmeister durch ganz Deutschland. Beide wechseln mehrfach die Partner. "Nun, ich konnte mich nicht beklagen: Ich hatte so nach und nach drei Väter und ebenso viele Mütter", resümiert Erhardt später. Er wächst bei seinen Großeltern auf, die in Riga ein großes Musikaliengeschäft führen. Doch mehrfach wird der Knabe aus seiner Heimatstadt "entführt": Mal lebt er bei seiner Mutter in Russland, dann bei seinem Vater in Deutschland. Mit den Ortswechseln kommen die Schulwechsel. Eine der wenigen Konstanten seiner Kindheit ist das Klavier. Mit vier Jahren bekommt er ersten Unterricht, als Teenager komponiert er klassische Stücke.
Auf Wunsch seines Großvaters beginnt der 17-jährige Erhardt ein Volontariat bei einem Musikalienhandel in Leipzig. Parallel dazu - und mit größerer Leidenschaft - studiert er am Leipziger Konservatorium Klavier und Komposition. Nach zwei Jahren muss er zurück nach Riga, um im großväterlichen Musikalienhandel einzusteigen. Doch mit diesem kann Erhardt nicht viel anfangen: "In Wirklichkeit ist es völlig wurst, ob man mit Käse handelt oder mit Musik: Immer kauft man billig ein, um teuer zu verkaufen." Lustlos verdingt er sich als Musikalienhändler, mit Herzblut tritt er als Alleinunterhalter auf: Mit humorvollen Geschichten, Gedichten und Liedern, zu denen er sich selbst am Klavier begleitet, hat er erste Auftritte. Jahrelang pendelt er zwischen Musikaliengeschäft und Bühne hin und her und lernt seine künftige Frau Gilda Zanetti kennen, mit der er bis an sein Lebensende zusammenbleibt. Sie wird seine Managerin, sein Motor. Sie ist es auch, die ihn ermutigt, sein Glück in Berlin zu versuchen.