Ida Ehre - die "Mutter Courage" des Theaters
Sie brachte nach dem Ende des Nazi-Terrors ein Stück Welttheater nach Hamburg. mehr
Gustaf Gründgens 1960 als Mephisto im Film "Faust".
Kühl und ironisch umgarnte er den armen Dr. Faust, dämonisch blitzten die die Augen in seinem schwarz-weiß geschminkten Antlitz: Gustaf Gründgens, am 22. Dezember 1899 geboren, war der deutsche Mephisto. Mehr als 350 Mal spielte er in seinem knapp 64-jährigen Leben den Teufel, der danach trachtet, Goethes verzweifelten Gelehrten in Versuchung zu führen. Es war seine Paraderolle.
Richtig durchzuzünden begann Gründgens' Theaterkarriere erst im Berlin der 30er-Jahre - in der Hauptstadt Nazi-Deutschlands. Doch seine ersten und letzten großen Erfolge feierte der Schauspieler, Regisseur und Intendant in Hamburg. Die Grabstätte des gebürtigen Rheinländers, der in Düsseldorf aufwuchs, befindet sich denn auch auf dem Ohlsdorfer Friedhof, nur wenige Schritte vom Haupteingang oberhalb der Cordesallee. Er ruht dort im Kreise anderer Theatergrößen, wie etwa Ida Ehre (1900-1989), die nach dem Zweiten Weltkrieg die Hamburger Kammerspiele zu neuem Leben erweckte.
Jenes kleine Theater in der Hartungstraße war zur Weimarer Zeit ein Zentrum des modernen Bühnenlebens in Deutschland. Hier stellte der Rheinländer - nach seiner Schauspielausbildung in Düsseldorf und kurzen Engagements in Halberstadt, Kiel und Berlin - 23-jährig seine Koffer ab, hier übernahm er 1924 zum ersten Mal selbst die Regie. Und hier gab er seinem Namen buchstäblich den letzten Schliff: Aus dem banalen Gustav wurde auf Prospekten für seine erste eigene Inszenierung der nach Höherem strebende Gustaf Gründgens, mit stolz emporragendem f.
Aufsehen erregte er in Hamburg unter anderem mit der Inszenierung von Klaus Manns erstem Bühnenwerk "Anja und Esther". Die Ankündigung "Dichterkinder spielen Theater" lockte 1925 Scharen in die Kammerspiele. Tatsächlich standen der Thomas-Mann-Sprössling und dessen Schwester Erika mit Gründgens zusammen auf der Bühne. Die Kritik verriss das Stück, die homoerotischen Anspielungen darin provozierten einen Skandal, doch immerhin erlangte Gründgens weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit. Auch privat brachte ihn die Inszenierung zunächst auf die Überholspur: Er heiratete im Sommer 1926 Erika Mann - obwohl beide homosexuell waren. Nach schlechten Kritiken für Gründgens' zweite Mann-Inszenierung wurde seine Beziehung zu Klaus und Erika jedoch zunehmend verfahren. Die Ehe hielt nicht einmal drei Jahre.
1928 verließ Gründgens Hamburg, um Hauptstadtluft zu schnuppern. Hier dominierte Max Reinhardt die Theaterlandschaft, und der Mann "aus der Provinz" war ein Niemand. Nach den Hamburger Erfolgen sei Berlin wie eine Versetzung "nach dem Abitur zurück in die Sexta" gewesen, bemerkte Gründgens rückblickend. Doch mit seinem Ehrgeiz erlangte er bald wieder große Engagements, durfte die von ihm so geliebte Rolle des Hamlet spielen und stand schließlich, in der Saison 1932/33, als Goethes Mephistopheles auf der Bühne des Staatstheaters am Gendarmenmarkt. Hier sah ihn Hermann Göring - und war begeistert.