Fritz Höger - Der Baumeister mit dem Backstein
Viele norddeutsche Städte haben Fritz Höger und seinem Expressionismus ein Wahrzeichen zu verdanken. mehr
Vor mehr als hundert Jahren trat er in den Dienst Hamburgs. Und 24 Jahre sollte er das Bild der Hansestadt prägen wie kein anderer Baumeister. Mehr als 90 Gebäude und Brücken zeugen noch heute von seiner Schaffenskraft, darunter Backsteinbauten wie die Davidwache, das Holthusenbad, das Museum für Hamburgische Geschichte sowie das Planetarium. Der Stadtplaner Friedrich Wilhelm (genannt Fritz) Schumacher verstand sich als Architekt der sozialen Kultur: Er wollte den Großstadtmenschen eine neue Heimat schaffen.
1869 in Bremen geboren, verbringt der Diplomatensohn seine Kindheit in Bogotà (Kolumbien) und New York (USA). Als Fritz 14 Jahre alt ist, kehrt seine Familie in seine Geburtsstadt zurück. Er und sein Bruder Hermann machen in Bremen Abitur. Dann geht Fritz nach München und beginnt mit einem Studium der Naturwissenschaften und der Mathematik. Schon bald wechselt er zur Architektur und besteht 1893 sein Examen. Im Anschluss macht er seine ersten praktischen Erfahrungen im Architekturbüro von Gabriel Seidl in München. Doch bereits zwei Jahre später siedelt er um nach Leipzig, wo er eine Beschäftigung im Leipziger Stadtbauamt unter Hugo Licht annimmt und unter anderem am Entwurf des Neuen Rathauses mitarbeitet.
Auch am Entwurf des Leipziger Rathauses wirkte Fritz Schumacher mit.
Schon zu dieser Zeit wird deutlich, dass Fritz Schumacher nicht nur Architekt ist, sondern auch ein Reformer und Künstler, der, wie er selbst einmal bekundete, "dem Theater verfallen" sei. Neben seiner Arbeit als Architekt veröffentlicht er 1899 die Streitschrift "Im Kampfe um die Kunst", in der er Einfachheit, Handwerklichkeit und einen lokalen Bezug der Architektur fordert. Im selben Jahr erfährt sein Theaterstück "Phantasien in Auerbachs Keller" in Leipzig unter seiner Regie die Uraufführung. Kritiken für dieses Festspiel zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Kunstgewerbemuseums zu Leipzig sind nicht überliefert, aber selbst König Albert von Sachsen aus Dresden soll angereist sein.
Ein Jahr nach der Jahrhundertwende beginnt Fritz Schumacher an der Technischen Universität Dresden zu lehren, an die er aufgrund seiner Reformbestrebungen berufen wurde. Er gibt Vorlesungsreihen über "Stil und Technik" sowie "Antike Baukunst", bietet Übungen im Freihandzeichnen an. Unter seinen Studenten befinden sich unter anderem Fritz Bleyl, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, die später als Brücke-Künstler berühmt werden sollten.
Neben seiner Arbeit organisiert er 1906 maßgeblich die "Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung" in Dresden mit, die den Beginn einer neuen Stilrichtung bei Design und Innenausstattung markiert und den Jugendstil ablösen sollte. Aus der Kunstgewerbeausstellung geht ein Jahr später der Deutsche Werkbund hervor. Im Oktober 1907 hält Fritz Schumacher die Gründungsrede, in der er fordert, die entstandene Trennung zwischen dem geistigen Schaffen und der industriellen Produktion zu überwinden. Der Werkbund tritt an, um einen Kulturverfall der menschlichen Umwelt, der Möbel, Häuser und Landschaften, aufzuhalten, der seiner Meinung nach durch die Entfremdung des Produktes vom Schaffenden ausgelöst wurde.