Geschichte
Protest gegen das Zwischenlager Gorleben im September 2007. © dpa
 

Gorleben - Der Aufstand der Bauern

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Nichts geht mehr: Die Spielbankaffäre 1988

Hat die CDU Stimmen gekauft und heimlich in Kasinos mitverdient? mehr


"Celler Loch" - Beamte verüben Anschlag

Staatsbeamte täuschen 1978 in Celle einen Terroranschlag vor. mehr

 

Ernst Albrecht: Eine niedersächsische Karriere

Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) benennt am 22. Februar 1977 Gorleben als vorläufigen Standort für eine nationale Atommülldeponie. © NDR/dpa Detailansicht des Bildes Albrechts Entscheidung für Gorleben als Standort eines Atommüll-Endlagers ist noch heute umstritten. Ernst Albrecht wird am 29. Juni 1930 in Heidelberg geboren und wächst in der Nähe von Bremen auf. Der Arztsohn studiert zunächst Philosophie und Theologie - unter anderem bei Karl Jaspers in Basel. Nach dem Abschluss folgt ein weiteres Studium der Rechts- und Wirtschaftwissenschaften, das er 1953 als Diplomvolkswirt beendet. Sechs Jahre später promoviert Albrecht.

Von 1954 bis 1970 arbeitet er in verschiedenen Positionen bei der Montanunion und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) - zuletzt als Generaldirektor für Wettbewerb bei der EWG-Kommission in Brüssel. 1970 kehrt er nach Niedersachsen zurück. Der CDU-Politiker wird in den Niedersächsischen Landtag gewählt und übernimmt eine leitende Position in der hannoverschen Keksfabrik Bahlsen.

Politischer Paukenschlag

Albrechts Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten 1976 ist ein politischer Paukenschlag: Mitten in der Legislaturperiode wird er mit Stimmen aus dem Lager der sozial-liberalen Landtagsmehrheit zum Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Ministerpräsidenten Alfred Kubel (SPD) gewählt. Nach der Landtagswahl 1978 kann er mit absoluter Mehrheit regieren.

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Der unterlegene SPD-Kandidat Helmut Kasimier (l) und SPD-Sozialminister Helmut Greulich (r) nach der Wahlniederlage in Hannover am 15.1.1976 © picture-alliance / dpa Fotograf: Wolfgang Weihs
 

Wahl-Krimi im Niedersächsischen Landtag

Es ist alles gut geplant, doch es wird ein Debakel. 1976 scheitern SPD und FDP in Niedersachsen bei der Wahl eines neuen Regierungschefs. Die Ära Albrecht beginnt. mehr

In seiner Regierungszeit fördert Albrecht die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. So gelingt ihm der Abbau der Neuverschuldung und er initiiert den landesweiten Aufbau von Sozialstationen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Stärkung der ländlichen Regionen. Zu den umstrittensten Entscheidungen in Albrechts Amtszeit gehört die Auswahl von Gorleben als Standort für ein "nukleares Entsorgungszentrum". Welche Kriterien dabei eine Rolle gespielt haben, ist heute Gegenstand eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

Ernst Albrechts Einsatz für die Atomenergie hat auch medienpolitische Konsequenzen: Er und sein schleswig-holsteinischer Kollege Gerhard Stoltenberg (CDU) stören sich an der Berichterstattung des NDR über Proteste gegen das AKW Brokdorf und kündigen 1978 den NDR Staatsvertrag. Aufgrund eines Formfehlers ist die Kündigung jedoch ungültig.

Einsatz für Boat People

Ernst Albrecht musiziert 1976 mit seiner Familie. Rechts im Bild Tochter Ursula, die spätere Bundesministerin. © dpa Fotograf: Wolfgang Weihs Detailansicht des Bildes Ernst Albrecht - hier beim Musizieren mit seinen Kindern 1976 - gilt als Familienmensch. Internationale Anerkennung erhält Albrecht für sein Engagement für vietnamesische Flüchtlinge, die so genannten Boat People. Durch Niedersachsens Bereitschaft, Bootsflüchtlinge aufzunehmen, wird die Bundesrepublik zum ersten westlichen Land, das sich der asiatischen Flüchtlingskatastrophe annimmt.

Albrecht gilt bei den als Bürgern beliebt. Die CDU will bundesweit von seiner Popularität profitieren: 1979 nominiert ihn der Bundesvorstand der Partei als Kanzlerkandidaten. Die Bundestagsfraktion der Union entscheidet sich dann jedoch für den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß.

"Celler Loch" und Spielbankenaffäre

Ernst Albrecht 1986 in Hannover © picture-alliance / dpa Fotograf: Karin Hill Detailansicht des Bildes In den 80er-Jahren sieht sich Albrecht mit mehreren Affären konfrontiert, die hohe Wellen schlagen. Albrechts Regierungszeit ist aber nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Skandalen geprägt: 1986 wird bekannt, dass ein Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Celle im Jahr 1978 vom Verfassungsschutz fingiert wurde. Die Nachrichtendienstler wollten so V-Leute in die terroristische Szene einschleusen. Albrecht rühmt sich, mit der Aktion seien "schlimme Verbrechen verhindert" worden. Ein parlamentarischer Untersuchungssauschuss kann dies jedoch nicht bestätigen. Personelle Konsequenzen hat die Affäre nicht. Wegen des im Durchmesser rund 40 Zentimeter großen Lochs, das durch die Detonation in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt gerissen wurde, geht der Fall unter dem Namen "Celler Loch" in die niedersächsische Geschichte ein.

In Bedrängnis gerät die Regierung Albrecht auch durch die so genannte Spielbankenaffäre: Nach der Insolvenz der Kasinos in Hannover und Bad Pyrmont kommt der Verdacht auf, die privaten Spielbankbetreiber hätten sich mit verdeckten Parteispenden an die CDU politisches Wohlwollen erkauft. Der Verdacht kann nicht bestätigt werden, doch eine Falschaussage im parlamentarischen Untersuchungsausschuss kostet Albrechts Innenminister Wilfried Hasselmann das Amt.

Einsatz für den Osten

Bei der folgenden Landtagswahl 1990 unterliegt Albrecht seinem SPD-Herausforderer Gerhard Schröder. Er zieht sich aus der Landespolitik zurück und engagiert sich beim wirtschaftlichen Aufbau in den neuen Bundesländern. Albrecht übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz der maroden Eisenhüttenwerke in Thale (Sachsen-Anhalt), erwirbt die Firma später zum symbolischen Preis von einem Euro und kann die Schließung des ehemaligen volkseigenen Betriebes abwehren. Als Berater der ehemaligen Sowjetrepublik Kirgisien setzt er sich auch auf internationaler Ebene für die Einigung Europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein.

Politik bleibt in der Familie

Der ehemalige niedersächssiche Ministerpräsident Ernst Albrecht und seine Tochter Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU). © dpa - Bildfunk Fotograf: Jochen Lübke Detailansicht des Bildes Albrechts Tochter Ursula macht ebenfalls erfolgreich Politik - sie schaffte es bis zur Bundesministerin. Nach Albrechts Rückzug bleibt seine Tochter Ursula von der Leyen poltitisch aktiv. Die CDU-Politikerin setzt als als Bundesarbeitsministerin die Tradition ihres Vaters fort. Zeitweise ist sie sogar als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt im Gespräch.

Inzwischen lebt der an Demenz erkrankte Politiker zurückgezogen auf dem Anwesen der Familie in der Nähe von Burgdorf (Region Hannover). Um ihrem Vater in dieser Phase näher sein zu können, ist auch Ursula von der Leyen dort wieder eingezogen.

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Der damalige niedersächssiche Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU, rechts) mit Schauspielern der Karl-May Festspiele. (1976) © dpa - Bildfunk Fotograf: Wolfgang Weihs
 
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