Norddeutsche, die Geschichte machten
Porträts bekannter historischer Persönlichkeiten aus Norddeutschland. mehr
Caspar David Friedrich, einer der bedeutendsten Landschaftsmaler, komponierte Bilder von magischer Schönheit, aber auch voll düsterer Melancholie. Sie verkörpern die Sehnsucht eines vom Schicksal Gezeichneten nach der heilen Welt.
"Man sagt, ich könne durchaus nichts anderes malen als Mondschein, Abendroth, Morgenroth, Meer und Meeresstrand, Schneelandschaften, Kirchhöfe, wüste Haiden, Waldströme, Klippenthäler und Ähnliches", klagte Caspar David Friedrich 1822 einem befreundeten Dichter. Noch zehn Jahre zuvor hatte der gebürtige Greifswalder seine Gemälde an Preußens König und die angesehensten Museen verkauft, nun ging das Geschäft nur noch schleppend.
Die "Kreidefelsen auf Rügen" malte Friedrich 1818, nach seiner Hochzeitsreise auf die Insel.
Lag es an der Monotonie der Motive? Nein, die kann man dem Poeten der Landschaftsmalerei eher nicht vorwerfen. Der gebürtige Greifswalder hat von den Kreidefelsen auf Rügen bis zum Watzmann bei Berchtesgaden ganz verschiedene Winkel Deutschlands auf der Leinwand in Szene gesetzt.
Aber eines stimmt: Friedrich liebte das geheimnisvolle Zwielicht, malte immer wieder Wolken, Nacht oder Dämmerung. Fast allen seiner Gemälde eignet eine melancholische Düsterkeit. Er komponierte Bilder, wie man sie nie zuvor gesehen hatte - mit mystischen Naturdarstellungen, die zu Ikonen einer ganzen Epoche wurden. Der stille Mann aus Vorpommern war erfolgreich, solange die deutsche Romantik blühte.
Geboren am 5. September 1774, wuchs Caspar David Friedrich - das sechste von zehn Kindern - in eine aufgeklärte, von der französischen Revolution und Napoleons Feldzügen aufgewühlte Zeit hinein. Sein schlichtes, frommes Elternhaus stand direkt neben dem Dom, es prägte ihn christlich. Als Greifswalder war der Junge ein Untertan Schwedens, denn die Hansestadt gehörte bis 1815 - wie ganz Pommern - zur schwedischen Krone. Doch er fühlte sich als Deutscher.
Zur Ausbildung ging der Blondschopf trotzdem nach Kopenhagen, studierte von 1794 bis 1798 Zeichnen an der Kunstakademie, deren Ruf seinerzeit weit über die Grenzen Dänemarks hinausstrahlte. Anschließend kehrte er zurück in deutsche Lande, nach Dresden. Im Elbflorenz traf sich die zeitgenössische Kunstszene.
Seine Inspiration holte sich der introvertierte Zeichner jedoch eher vor den Toren der Stadt. Immer wieder zog er hinaus in die Sächsische Schweiz, reiste in den Harz, ins Riesengebirge, in die Sudeten und heimwärts an die Ostsee. Mit feiner Beobachtungsgabe, aber auch dem gewissen Sinn für effektvolle Manipulation verewigte er die Topografie seiner Ausflugsziele auf Papier.
Erst allmählich wandte sich Friedrich mehr der Ölmalerei zu, entfachte dann allerdings schon mit einem seiner ersten Gemälde eine heftige Debatte in den Gazetten: "Das Kreuz im Gebirge" (1808) hat die Gestalt eines Altarbilds, doch ist der Gekreuzigte kaum zu erkennen - die Landschaft drumherum dominiert. Ein Sakrileg, fanden manche. Für andere dagegen war es der neue Weg, das Erhabene der Schöpfung zu verdeutlichen.
Friedrichs Bildsprache ist religiös und spirituell zugleich. Er traf damit den Nerv der Zeit. Als Reaktion auf den Rationalismus des 18. Jahrhunderts war damals die Vorstellung, Gott sei in allen Dingen, ebenso in Mode wie die Naturschwärmerei und die Beschäftigung mit dem Übersinnlichen. Friedrichs Mal-Rezept entsprach genau dieser Strömung: "Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, dass es zurückwirke auf andere von außen nach innen."
Was er von seinem inneren Auge auf die Leinwand projizierte, war oft melancholisch. In die Natursymbolik der Landschaft gekleidet, behandelte Friedrich den Tod, die Unterdrückung der Deutschen durch Napoleon und, genereller, das Leiden der Menschheit. Er thematisierte die Ohnmacht gegenüber der Natur und die Einsamkeit, die er zugleich suchte und fürchtete. Einem Freund berichtete der Maler: "Einmal wohnte ich eine ganze Woche im Uttenwalder Grund zwischen Felsen und Tannen, und in dieser Zeit traf ich keinen einzigen lebenden Menschen: Unwillkürlich tritt Düsterkeit in die Seele."