Bugenhagen-Jahr 2008
Hans-Jürgen Abromeit über die Bedeutung von Johannes Bugenhagen.
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Johannes Bugenhagen, hier auf einem Gemälde von Lucas Cranach d. J. 1555, pflegte als Lehrer einen modernen Unterrichtsstil.
Johannes Bugenhagen war ein enger Freund Martin Luthers. Er traute Luther und hielt dessen Beerdigungsrede. Als Seelsorger war er in der Bevölkerung außerordentlich beliebt, wenn auch seine Predigten in dem Ruf standen, über Gebühr lang zu sein. Er schlichtete Ehen ebenso wie er es vermochte, in Hamburg die erste evangelische Kirchenordnung durchzusetzen - gegen den Widerstand des alteingesessenen Klerus.
Es ist Bugenhagens Umsicht und seinem Pragmatismus zu verdanken, dass die Reformation ihren Weg in die Institution Kirche fand.
Johannes Bugenhagen wurde am 24. Juni 1485 auf der heute polnischen Insel Wollin, der Nachbarinsel Usedoms, geboren. Sein Vater war Ratsherr, allerdings nicht vermögend genug, um seinem Sohn das Studium zu finanzieren. Die Begabung des Jungen wurde schnell erkannt und gefördert. Die Schwester des Pommerschen Herzogs, die Zisterzienseräbtissin Maria, unterstützte die Familie: Bugenhagen konnte an der Universität Greifswald studieren. Ohne das Studium zu beenden, wurde er Lehrer der Ratsschule Treptow an der Rega. Wenig später - da war er gerade 19 Jahre alt - wurde er zum Rektor gewählt.
In dieser Zeit begann Bugenhagen, sich mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen, die Bibel auszulegen und im nahe gelegenen Kloster Belbuck junge Geistliche zu unterrichten. Sein Unterricht muss außergewöhnlich gewesen sein, denn schon bald kamen Schüler aus verschiedenen Regionen - vom heutigen Baltikum bis aus Westfalen - um seine Bibel-Auslegungen anzuhören. Bugenhagen pflegte einen völlig neuen Unterrichtsansatz, offenbar geprägt von den humanistischen Schriften des Erasmus von Rotterdam. Ihm ging es darum, junge Menschen zu "verständigen Leuten" zu machen, aber sie sollten auch "fröhlich und lustig" sein.
Die Pomerania gelangte 1750 in den Besitz der Greifswalder Universitätsbibliothek und wird dort als kostbarer Schatz aufbewahrt.
Im Auftrag des Herzogs von Pommern, Bogislaw X., reiste Bugenhagen ab dem Jahr 1517 durch Pommern, um die Geschichte des Landes aufzuschreiben. Es entstand die "Pomerania", eine der ersten Landes-Chroniken überhaupt. Bemerkenswert an dieser Handschrift sind vor allem die Kommentare Bugenhagens. Er äußerte sich darin gegen Prediger, die sich nicht an das reine Bibelwort hielten, sondern durch das Erzählen von gespenstischen Fabeln Gottesfurcht im Volk verbreiteten - so wie es zu dieser Zeit üblich war. Vom "lutherischen Lärmen", wie Luther selbst sein aufklärerisches Wirken bezeichnete, hatte Bugenhagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel gehört.