"Was gesagt werden muss" - Günter Grass trägt sein Gedicht vor
Das im April 2012 in mehreren Zeitungen veröffentlichte Werk trägt der Autor hier exklusiv auf ndr.de vor. mehr
"Entsetzt sehen wir, dass der Kapitalismus, seitdem sein Bruder, der Sozialismus, für tot erklärt wurde, sich ungehemmt auszutoben begonnen hat", sagte Grass in seiner Nobelpreis-Rede 1999.
1959 wurde ein bislang unbekannter Autor über Nacht mit seinem Roman "Die Blechtrommel" berühmt: Günter Grass. 40 Jahre später - am 10. Dezember 1999 - erhielt er für sein Lebenswerk den Literatur-Nobelpreis der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Das Komitee begründete seine Entscheidung unter anderem mit dem Hinweis, Grass habe "in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet". Die Jury wagte die Vermutung, dass "Die Blechtrommel" zu den "bleibenden literarischen Werken des 20. Jahrhunderts gehören wird".
Kategorie: Literatur
Jahr: 1999
Begründung der Akademie: "... weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat."
Günter Grass erblickte am 16. Oktober 1927 in Danzig das Licht der Welt. Seine Eltern besaßen im Danziger Vorort Langfuhr ein Kolonialwarengeschäft. Grass besuchte die Volksschule und das Gymnasium Conradinum in Danzig. Als 15-Jähriger meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Er war zunächst Luftwaffenhelfer und wurde mit 17 Jahren zu einer Panzer-Division der Waffen-SS einberufen. Als Grass bei Kriegsende in Gefangenschaft geriet, gab er sich den Amerikanern auch als Angehöriger der Waffen-SS zu erkennen. Öffentlich gab er diese Mitgliedschaft allerdings erst im August 2006 zu. Zuvor hieß es in Biografien über Grass stets, er sei 1944 Flakhelfer geworden und danach als Soldat einberufen worden.
Nach Monaten der Kriegsgefangenschaft in Bayern verdiente sich der junge Grass seinen Lebensunterhalt zunächst als Landarbeiter und Arbeiter in einem Kalibergwerk bei Hildesheim. Ab 1947 arbeitete er bei einem Steinmetz in Düsseldorf. 1948 bis 1952 studierte er Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, dann bis 1956 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Mit ersten Ausstellungen von Plastiken und Grafiken stellte sich Grass in dieser Zeit in Stuttgart und Berlin als Bildhauer vor.
Günter Grass im Jahr 1960. Ein Jahr zuvor hatte der junge Autor mit der "Blechtrommel" international für Furore gesorgt.
Doch er war auch schon als Schriftsteller tätig: Erste öffentliche Anerkennung fand er 1955 bei einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks und bei der gesellschaftskritischen "Gruppe 47". Bis 1958 entstanden vor allem Kurzprosa, Gedichte und Theaterstücke, die Grass selbst dem "poetischen" oder "absurden" Theater zuordnete. An den Bühnen der Stadt Köln wurde 1958 sein Stück "Onkel, Onkel" uraufgeführt. Im selben Jahr erhielt er nach einer Lesung aus dem Manuskript "Die Blechtrommel" den Preis der Gruppe 47.
In erster Ehe war Günter Grass ab 1954 mit der Schweizer Tänzerin Anna Margareta Schwarz verheiratet. Mit ihr lebte er von 1956 bis 1959 in Paris, dann in Berlin. Aus dieser Ehe stammen seine Töchter Laura und Helene sowie seine drei Söhne: die Zwillinge Franz und Raoul und Bruno. Seit 1979 ist Grass in zweiter Ehe mit der Organistin Ute Grunert verheiratet. Ende 1995 zog Grass mit ihr nach Lübeck.