Was geschah sonst noch am 9. November?
Mitarbeiter des Innenministeriums und der Stasi entwerfen eine neue Reiseregelung: Einschränkungen sollen bei Ausreiseanträgen künftig wegfallen, ständige Ausreisen als auch private Reisen bei den Behörden beantragt werden. Die Stasi rechnet mit einem Ansturm auf die Genehmigungsbehörden.
Unterdessen gehen die Demonstrationen und Kundgebungen weiter. In Rostock ruft das Neue Forum zur Entmilitarisierung des Landes auf. Nach Friedensgebeten wird ein Bürgerkomitee gebildet, das der Staatsmacht als Ansprechpartner dienen soll.
Um 16 Uhr verliest Egon Krenz im SED-Zentralkomitee den Entwurf der neuen Reiseregelung und händigt ihn anschließend Schabowski aus. Um 18 Uhr beginnt die internationale Pressekonferenz, die im DDR-Fernsehen und Hörfunk live übertragen wird. Dort gibt Schabowski die neue Reiseregelung bekannt, die "ab sofort" in Kraft tritt.
Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell. DDR-Bürger bestürmen die Berliner Grenzübergänge Bornholmer Straße, Invalidenstraße und Heinrich-Heine-Straße. An der Bornholmer Straße kommt es zu tumultartigen Szenen. Weder das MfS, noch die Führungen von NVA und Grenztruppen erhalten eine klare Anweisung, wie sie auf die Situation reagieren sollen. Schließlich geben die Grenzer an der Bornholmer Straße dem Druck der Massen nach und öffnen die Übergänge. Bis Mitternacht erzwingen die Bürger die Öffnung aller Berliner Grenzübergänge. Die Mauer steht offen.
Der Massenansturm an den Übergängen macht jede Form der Grenzkontrolle unmöglich. Auf dem West-Berliner Ku’damm feiern Berliner aus Ost und West eine gemeinsame Jubelparty.
