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Das Online-Spezial des MDR zur Alltagsgeschichte der DDR.

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Stasi Zentrale in Ostberlin © dpa - Bildarchiv Fotograf: Wolfgang Kumm
 

Stasi-Gründung: "Schild und Schwert der Partei"

Am 8.2.1950 wird das Ministerium für Staatssicherheit gegründet. mehr

 
Glossar

Ministerium für Staatssicherheit (MfS)

Die Mitarbeiter des MfS

Die hauptamtlichen Mitarbeiter waren Berufssoldaten, die zielgerichtet auf der Grundlage eines individuellen Plans - geleitet durch einen Betreuer - geformt wurden. Vorbild hierfür war die 1917 begründete sowjetrussische Geheimpolizei "Tscheka". Entsprechende Anforderungen wurden an den potenziellen Mitarbeiter gestellt:

"... feste Verbundenheit mit der Arbeiterklasse, Treue zu ihr und ihrer Partei und zum Arbeiter- und Bauernstaat, feste Freundschaft zum Sowjetvolk und den anderen sozialistischen Bruderländern, hohes sozialistisches Bewusstsein sowie hohe persönliche Kampf- und Einsatzbereitschaft; die Bereitschaft und Fähigkeit zur Wahrung der Konspiration und Geheimhaltung; hinreichende Lebenserfahrung, positive charakterlich-moralische Entwicklung und Eigenschaften; die Fähigkeit zur erfolgreichen Durchführung politisch-operativer/fachlicher Tätigkeiten; eine gute gesundheitliche Konstitution, physische Leistungsfähigkeit und gute allgemeine Belastbarkeit."

Um den angestrebten totalen Überwachungsapparat zu realisieren, existierte ein Heer von "Offizieren im besonderen Einsatz" (OibE), "Gesellschaftlichen Mitarbeitern Sicherheit" (GMS) und "Inoffiziellen Mitarbeitern" (IM). Durch die Infiltration aller Bereiche mit IM war dem MfS eine gezielte Einflussnahme auf fast alle wichtigen Lebensentscheidungen wie Berufswahl, Studienplatzvergabe, Wohnungszuteilung oder auch Ausbildung der Kinder möglich.

Ein Beispiel: Alexander Schalck-Golodkowski

Einer der berühmtesten OibE wurde seit der politischen Wende der bis dato weniger bekannte Alexander Schalck-Golodkowski. Schalck-Golodkowski stand im Rang eines Oberst des MfS, doch nach außen leitete er als Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel den Bereich "Kommerzielle Koordinierung". Dieser Bereich war in erster Linie zur Devisenbeschaffung eingerichtet worden. Dafür wurden - so auch in der BRD - Unternehmen gegründet oder Kunst- und Antiquitäten aus dem Kulturgut der DDR (zum Teil auch aus Privatbesitz) ins westliche Ausland veräußert.

Arbeitsalltag im MfS

Als sich die Solidarność-Ideen in der DDR verbreiteten, beschloss das MfS 1985/86, noch gezielter gegen politische Untergrundtätigkeit vorzugehen. Da damit ein verstärkter Einsatz von IM einherging, traten nun einige logistische Schwierigkeiten auf: Die Belegungspläne konspirativer Wohnungen wurden umfangreicher, neue konspirative Orte mussten gefunden werden - die Probleme mit den staatlichen Organen für Wohnraumlenkung waren vorprogrammiert. Gleichzeitig wuchs die Gefahr der Dekonspiration, mal wurden geheime Treffpunkte entdeckt, mal enttarnten sich die IM gegenseitig, weil die Operationspläne zwischen den Abteilungen nicht genau abgestimmt waren.

Einen besonders sensiblen Bereich stellten die Kirchen und die ihnen angeschlossenen Institutionen dar, die mit wachsendem Eifer überwacht und infiltriert wurden. Ebenso gehörte zur Tätigkeit des MfS eine umfangreiche Postkontrolle, die zugleich einen positiven ökonomischen Nebeneffekt brachte: Zwischen 1984 und 1989 wurden westlichen Postsendungen Devisen in einer Höhe von etwa 32 Mio. DM entnommen, die überwiegend an die Staatskasse weitergeleitet wurden. In derselben Zeit konfiszierte man Schmuck und Konsumgüter im Wert von 10,2 Mio. DM.

Verfassungswidrige Mobilmachung gegen "feindlich-negative Kräfte“

Im Rahmen von Mobilmachungsplänen Mitte der 80er-Jahre sollten "feindlich-negative Kräfte" eliminiert werden: Personen aus der Friedens- und Bürgerbewegung, aus dem kirchlichen Umfeld sowie kritische Genossen der SED. Zur Umsetzung waren dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellte Internierungslager geplant. Anhand derzeit verfügbarer Belege sollen mindestens 11.000 Personen für eine eventuelle Internierung vorgesehen gewesen sein. Für den Bezirk Leipzig hatte man das Braunkohlenveredlungswerk Espenhain als zentrales Internierungsobjekt geplant. Nicht nur mit derart absonderlichen Plänen, auch mit der Vielzahl der Überwachungs-, Zuführungs- und Verhörpraktiken verstieß das MfS mehrfach gegen die Verfassung der DDR. Die sozialistischen Ideale verkamen zu zynischen Selbstbehauptungsfloskeln, ein vom Überwachungswahn gepeinigter Staat wurde zum Peiniger der Gesellschaft.

Quelle: www.mdr.de/damals

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/grenzenlos/glossar/mfs100.html
Offiziere im besonderen Einsatz

OibE

Offiziere im besonderen Einsatz standen zwar auf den Gehaltslisten des MfS, hatten jedoch ihren Rang und ihre Sonderfunktion zu verbergen; wurden oftmals in Schlüsselpositionen eingeschleust.

Ges. Mitarbeiter Sicherheit

GMS

Gesellschaftliche Mitarbeiter Sicherheit fielen in der Regel auch in der Öffentlichkeit durch ihre staatsbewusste Einstellung auf, waren oftmals in leitenden Funktionen oder als Funktionsträger in Parteien oder Massenorganisationen zu finden, hatten durch ihre berufliche Stellung einen umfassenden Überblick über Planungs-, Leitungs-, und Kaderarbeit und pflegten vielfältige Kontakte; bildeten oftmals das Kaderreservoir für eine IM- oder hauptamtliche Tätigkeit; waren zur Konspiration verpflichtet, jedoch nicht immer schriftlich.

Inoffizielle Mitarbeiter

IM

Inoffizielle Mitarbeiter waren nach eigener MfS-Einschätzung die Hauptkräfte des "Kampfes gegen den Feind" und durchzogen alle Berufs- und Altersgruppen; wurden zunächst durch das MfS ermittelt, dann als IM-Vorlauf getestet und bei Eignung/Bewährung schließlich als IM verpflichtet und in eine der verschiedenen Kategorien eingeteilt; sollten dann möglichst schriftlich Lageberichte bzw. Auskünfte erteilen; wussten über Sinn, Zweck und Zusammenhänge ihrer Konspiration in der Regel nicht Bescheid.