Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

umfassendste Klassenorganisation der in der DDR herrschenden Arbeiterklasse, gegründet 1945, seit 1949 Mitglied des WGB. Im FDGB sind Arbeiter, Angestellte und Angehörige der Intelligenz ohne Unterschied der politischen und religiösen Anschauungen, der Nationalität, der Staatszugehörigkeit und des Geschlechts auf freiwilliger Grundlage zusammengeschlossen (1976 8,1 Mill. Mitglieder)... Als Schule des Sozialismus und Sachverwalter der Interessen der Werktätigen kämpft er unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei, der SED, für die Verwirklichung der Ziele der Arbeiterklasse der DDR...

MEYERS UNIVERSAL-LEXIKON, Band 2, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1980, S. 55

 
Glossar

FDGB - Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

Mitgliedsmarken im FDGB-Mitgliedsbuch. © dpa - Report Fotograf: Patrick Pleul Detailansicht des Bildes Marken für die monatlichen Mitgliedsbeiträge in einem FDGB-Mitgliedsbuch. Nach dem bereits am 15. Juni 1945 von Gewerkschaften aller Richtungen aus der Zeit der Weimarer Republik erfolgten Aufruf zur Bildung freier Gewerkschaften und der Gründung eines paritätisch besetzten "Vorbereitenden Gewerkschaftsausschuss" fand vom 9. bis 11. Februar 1946 der Gründungskongress in Berlin statt. Damit war eine später zur Durchsetzung der SED-Politik, vor allem der Wirtschaftspolitik, zu nutzende Einheitsgewerkschaft, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund, entstanden, die sich dann auch häufig für Zwecke der Partei und Staatsführung instrumentalisieren ließ und für diese eine erhebliche Entlastungsfunktion übernahm.

FDGB war als Interessenvertretung der Belegschaften weitgehend bedeutungslos

Zwischen den Anforderungen zur Durchsetzung des Führungsanspruchs der SED und zur Sicherung staatlicher Macht beizutragen einerseits und der Interessenvertretung aller Werktätigen andererseits verlief die Geschichte des FDGB in wechselvollem, oft widersprüchlichem Schwanken, ein harmonischer Ausgleich der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen war letztlich nicht zu erreichen. Die Tätigkeitsfelder des FDGB lagen unter anderen in der Ideologievermittlung, der Mobilisierung von Arbeitskraft und -moral sowie der Funktionärsausbildung und -schulung und dienten damit vornehmlich dem Partei- und Staatsinteresse.

FDGB war für die Partei...

Daneben fungierte er als Organisator der Aktivistenbewegung; ließ sich 1951 in die Verwaltung der Sozialversicherung einbeziehen, die er dann 1956 völlig in eigene Regie übernahm, entwickelte aus gewerkschaftseigenen Mitteln und aus dem gesetzlich vorgeschriebenen "Kultur- und Sozialfonds" der Betriebe ein System von Unterstützungen und Beihilfen und unterstützte seit 1954 auch die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften, womit er Einfluss auf die Wohnungsvergabe gewann.

Nach der Einführung des "Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung" (NÖSPL) erhielt der FDGB auch wirtschaftspolitisch größere Bedeutung und zeigte, dass er sich voll und ganz auf die Seite der Partei- und Staatsführung stellte, indem er sich 1978 für die Umstellung auf Mehrschichtarbeit stark machte und sie gegen Belegschaftsproteste als durchaus mit dem Sozialismus vereinbar rechtfertigte.

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