FKK - Freikörperkultur

Das Volk zeigte sich weniger prüde als die Staatsspitze. Sonnenhungrige Nackedeis bevölkerten zu Scharen die großen Ostseebäder ebenso wie kleine Binnenseen oder stillgelegte Kiesgruben - kaum ein Seebad, das nicht einen Teil des Strandes für FKK-Freunde abgesteckt hatte. In einigen Ostsee-Orten gab es sogar FKK-Campingplätze.

 
Glossar

Urlaub

Strandkörbe und Badeleben am Strand von Boltenhagen an der Ostsee, aufgenommen im Sommer 1973. © picture-alliance/ ZB Fotograf: transit/Gerd Schwenn Detailansicht des Bildes Strandkörbe und Badeleben am Strand von Boltenhagen an der Ostsee, aufgenommen im Sommer 1973. Für viele Familien war es wie ein Fünfer im Tele-Lotto, wenn sie einen FDGB-Ferienscheck überreicht bekamen. Wer sich gesellschaftlich engagierte oder in einer ausgezeichneten Brigade arbeitete, hatte größere Chancen. Manchmal soll eine Tüte Kaffee der Ferienkommission des Betriebes die Entscheidung erleichtert haben.

Urlaub im FDGB-Heim war beliebt, weil ihn sich jeder leisten konnte und weil Auslandsurlaub nur eingeschränkt möglich bzw. zu teuer war. Während die Partei- und Staatsführung den gewerkschaftlich organisierten Familienurlaub als Errungenschaft feierte, reichten die Plätze nie, obwohl ihre Zahl von Jahr zu Jahr zunahm. Was 1947 mit 17.500 Ferienreisen begonnen hatte, mauserte sich beträchtlich. Schon in den 70er-Jahren boten rund 1.200 FDGB-Ferienheime Plätze in allen Regionen der Republik. Ein Sieben-Tage-Urlaub im Harz kostete 1960 17,50 Mark. Später kamen Betten in Interhotels und Kajüten auf der "Fritz Heckert" und in den 80ern auf der "Arkona", dem "Traumschiff für Arbeiter und Bauern", hinzu. Steuerten die Schiffe allerdings "republikfluchtverdächtige" Häfen an, wurde jeder Bewerber doppelt und dreifach durchleuchtet, bevor er in See stechen durfte.

Individuelles Reisen war nicht einfach

Urlauber im FDGB-Ferienheim "Völkerfreundschaft" in Klink an der Müritz, aufgenommen 1965. © dpa-Report Fotograf: Georg Zimmer Detailansicht des Bildes Urlauber im FDGB-Ferienheim "Völkerfreundschaft" in Klink an der Müritz, aufgenommen 1965. Wer dem Massenurlaub in einem der FDGB-Ferienheime mit geregelten Essenszeiten und organisierter Fröhlichkeit entrinnen wollte, hatte es schwer in der DDR. Selbst dann, wenn er bereit war, dafür mehr Geld auszugeben. Die Möglichkeiten, privat Urlaub zu machen, waren begrenzt. Hotels des Reisebüros der DDR waren eine Seltenheit und Zimmer dort nur mit sehr viel Geduld und Glück zu erhalten. In begehrten Urlaubsgebieten sah es auch mit Privatquartieren nicht besser aus. Besonders an der Ostseeküste regelte das DDR-Grenzgesetz, dass Einheimische privat nur an Verwandte vermieten durften. Natürlich hielten sich viele Küstenbewohner nicht daran und vermieteten "schwarz".

Ganz selten fand man über eine Anzeige in der "Wochenpost" ein Privatquartier, das man sich dann für viele Jahre warm hielt. Ansonsten musste man auf Freunde, Bekannte und Verwandte hoffen. So konnte ein Sommerquartier an der Ostsee schon mal einen Satz Autoreifen einbringen. Individuell zu reisen, beispielsweise auf Angelurlaub an einen der malerischen mecklenburgischen Seen, erforderte gute Bekannte vor Ort.

Mit eigenem Boot die Ostsee zu befahren, war streng verboten. Auch hier war es die Angst des Staates vor "Republikflucht". Jugendliche trampten an den Sommerwochenenden mit wenig Gepäck und Gitarre an die Küste und campten wild in den Stranddünen. Dies war ebenfalls offiziell streng verboten. Gerade an der Ostsee waren Polizisten und Sicherheitskräfte ständig auf der Streife. Grenzer holten selbst Luftmatratzen-Schwimmer sofort zurück. Ab 20.00 Uhr durfte der Strand nicht mehr betreten werden, gehalten hat sich kaum jemand daran.

Urlaub ganz privat - das konnte aber auch ein Sommer im Garten sein. Viele Familien hatten sich ihr Gartenhäuschen so ausgebaut, dass man hier bequem den ganzen Sommer über mit der Familie leben konnte.

Vom Reisebüro der DDR vermittelte Urlaubsreisen für DDR-Bürger nach ausgewählten Ländern:
Land19701975198019851988
Bulgarien81.66582.58052.95160.89863.548
Rumänien8.51621.99213.89912.59220.967
ČSSR77.419633.893602.142531.070651.630
UdSSR113.780143.170215.817303.858228.304
Ungarn28.79850.16161.24590.577109.637

Angabe in Reisende. Quelle: Statistisches Jahrbuch der DDR, 1989, S.337

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