Damals im Osten
Das Online-Spezial des MDR zur Alltagsgeschichte der DDR.
Link in neuem Fenster öffnen1972 enteignete die SED die restlichen kleinen und mittleren privaten, halbstaatlichen und genossenschaftlichen Betriebe mit Ausnahme kleiner Handwerksbetriebe. Für einen symbolischen Preis wurden sie vom Staat aufgekauft und in Volkseigentum umgewandelt. Für die DDR-Wirtschaft wirkte sich dieser "Sieg" eher negativ aus, denn die Privatbetriebe hatten weitaus rentabler gewirtschaftet und sich auf Nischen spezialisiert.
In der Industrie verloren über 2.500 Privat- und etwa 5.600 halbstaatliche Betriebe ihre ohnehin bereits stark eingeschränkte Selbständigkeit. In der Bauwirtschaft wurden 182 private und etwa 800 halbstaatliche Betriebe verstaatlicht. Darüber hinaus wurden rund 1.700 Produktionsgenossenschaften des Handwerks in VEB umgewandelt.
In den 80er-Jahren sah sich die SED genötigt, angesichts der in den 70er-Jahren entstandenen Importüberschüsse und der hohen Zinslast der Kredite die Importe drastisch einzuschränken und die Exporte zu maximieren. Problematisch war zudem, dass sich die Importe nur auf die Konsumwünsche der Bürger und nicht auf die Modernisierung der Wirtschaft konzentrierten. Die nun beschlossene volle Konzentration auf den Export schlug sich wieder negativ auf den Binnenmarkt aus. Das steigende Einkommen der Bevölkerung entsprach nicht mehr dem Warenangebot.
Vor allem für die Zuliefererbetriebe fehlten Investitionen, um die Anlagen zu erhalten und zu erweitern. Dies machte wiederum Importe nötig, die die Zahlungsbilanz der maroden DDR noch mehr belasteten - ein Teufelskreis.
Auch innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zogen dunkle Wolken auf. Der RGW wurde 1949 in Moskau gegründet. Die DDR gehörte ihm seit 1950 an. Die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen der Mitgliedsländer, die Priorität sowjetischer Ansprüche und ein bürokratischer Planungsstil ließen bis zum Ende des Ostblocks auf wirkliche Erfolge warten. Die Sowjetunion musste ob ihrer eigenen schwierigen finanziellen Lage die Erdölexporte drastisch einschränken, das traf die DDR hart. Sie hatte nämlich mit den sowjetischen Importen zum Teil selbst noch Gewinn machen können, indem sie das Rohöl auf den westlichen Märkten weiterverkaufte.
Die drastischen Kürzungen der Erdöllieferungen aus der Sowjetunion führten zu einer beispiellosen Umstrukturierung der Energieversorgung in der DDR. Man entschloss sich zu einem verstärkten Abbau von Braunkohle. Dennoch machte sich der große Aufwand nicht im erwarteten Maße bezahlt, stattdessen wurde die Umwelt stark belastet, ganze Dörfer mussten den Abraumbaggern weichen, Tausende Menschen verloren ihre Heimat, zurück blieben öde Mondlandschaften.