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Hoch zu Ross entlang der Grenze
von Gisela Jaschik, NDR 1 Niedersachsen
Die Zollreiterstaffel war Tag und Nacht an der Grenze zur DDR unterwegs.
Die hermetisch abgeriegelte Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik umschloss weite Teile des niedersächsischen Landkreises Lüchow-Dannenberg. Auf DDR-Seite sollten 3,20 Meter hohe Streckmetallzäune, Wachtürme und Scheinwerfer Fluchtversuche verhindern, auf westlicher Seite waren Zöllner auf Streife unterwegs - und zwar nicht nur zu Fuß. Seit den 1950er-Jahren gab es im Landkreis Lüchow-Dannenberg auch eine kleine Zollreiter-Staffel - die einzige im gesamten Bundesgebiet.
Reinhard Höper gehörte dazu, er versah im August 1989 ganz normal seinen Dienst, wie in all den Jahren zuvor. Auf seinen Streifzügen hoch zu Ross traf der grau uniformierte Zollreiter manchmal auf Pilzsammler und Spaziergänger. "Viele Urlauber, die uns sahen, meinten: Ja, so wie Ihr Euren Dienst macht, möchten wir mal unseren Urlaub verbringen", erzählt Höper. "Ja, haben wir dann geanwortet: 'Dann müssen Sie mal bei Regen kommen. Oder im Winter bei 15 Grad minus.' Das waren die Schattenseiten."
Tag und Nacht im Grenzdienst
Auch sonst war der Dienst der Zollreiter alles andere als ein Spaziergang. Aufgabe der Zollreiter war es, die Situation an der DDR-Grenze genau zu beobachten und ihrer Dienststelle jede bauliche Veränderung und andere Vorkommnisse an den Grenzsperranlagen zu melden. Ausgerüstet mit Taschenlampe und Funkgerät, Pistole und Fernglas war Reinhard Höper am Grenzzaun unterwegs: im Schichtdienst mit sieben weiteren Kollegen. "Wir sind tagsüber mal vormittags geritten von 6.00 bis 12.00 Uhr oder von 7.00 bis 13.00 Uhr oder nachmittags von 12.00 bis 18.00 oder 13.00 bis 19.00 Uhr. Und wir hatten natürlich auch Nachtdienst", erinnert sich der ehemalige Grenzbeamte. Nachts seien er und seine Kollegen jedoch mit Fahrrädern oder zu Fuß auf Grenzstreife gewesen, denn Pferde sehen in der Dunkelheit auch nicht besser als Menschen, so Höper.
Sichtkontakt ohne Worte
Kontakte zu den Grenzsoldaten der DDR, die auf der anderen Seite des Zauns in ihren Trabis auf betonierten Kolonnenwegen patrouillierten, gab es nicht. "Da war ja zwischen uns erst ein Leerraum, dann kam der Doppelzaun mit den Minen dazwischen und dann der Kolonnenweg und der Graben", sagt der heute 70-Jährige. Auch eine Art Trampelpfad habe es gegeben, der laufend gepflügt und geeggt werden musste, damit die NVA-Soldaten Fußspuren von Flüchtlingen erkennen konnten.
Fluchtversuche hat er nie erlebt. Dafür gehörten Alltagsgeräusche und Szenen aus den nur einen Steinwurf entfernten Grenzdörfern der Altmark zum Dienst: "Wie die da eingesperrt waren, konnten wir ja sehen. Bömenzien konnte man sehen, und die Straße von Bömenzien nach Aulosen konnte man auch sehen."