"Jetzt bewegen wir was"
Der Schweriner Martin Klähn gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums. mehr
Nach der Gründung des Neuen Forums in Berlin überschlagen sich auch im Norden die Ereignisse. Nach und nach entstehen immer mehr Gruppen in den verschiedenen Bezirken. Eine Chronologie erläutert die dynamische Mobilisierung:
Gut eine Woche nach dem Gründungsaufruf melden Martin Klähn und Uta Loheit das Neue Forum am 18. September 1989 in Schwerin an.
Schon am 20. September 1989 beantragen der Küster Guntram Erdmann und der Kreisjugendrat Ulrich Bäcker als erste in Wismar die Zulassung des Neuen Forums. Die Stadt gehörte damals zum Bezirk Rostock.
Der Töpfer Peter Fassunge und der Künstler Wilhelm Zwerg gründen am 26. September 1989 in der Privatwohnung von Ulrike Franke in Ziersdorf im Kreis Teterow eine eigene Gruppe. Hinzu kommen mit Louise Engel aus Bargischow (Kreis Anklam), Ewald Mrosowski aus Demmin und Rudolf Makuske aus Sternhagen (Kreis Prenzlau) weitere Kontaktpersonen im Bezirk Neubrandenburg.
Nur einen Tag später, am 27. September 1989, initiiert der Kunsthistoriker Ulrich Rudolph die nächste Gruppe bei Bülow im Kreis Gadebusch bei Schwerin. Am gleichen Tag gründet der Pastor Matthias de Boor in Hagenow die Gruppe "Freunde des Neuen Forum".
Ende September richtet Pastor Rathke aus Crivitz bei Schwerin eine Eingabe an den Rat des Bezirkes, in der er für die Zulassung des Neuen Forums eintritt.
Auf der Demonstration am 23.10.1989 in Schwerin herrscht bei allen Demonstranten eine gelöste und euphorische Stimmung.
Am 2. Oktober1989 findet das Gründungstreffen des Neuen Forums in der Paulskirche in Schwerin statt. Die Veranstalter rechnen mit 80 bis 100 Teilnehmern, stattdessen kommen knapp 1.000 Sympathisanten. Die Veranstaltung in der Paulskirche gilt als die eigentliche Initialzündung für Mecklenburg-Vorpommern. So entstehen beispielweise Nachfolgetreffen in Parchim (4. Oktober), Prokent (9. Oktober), Pinnow (10. Oktober), Wittförden (11. Oktober), Hagenow/ Ludwigslust (12. Oktober) und Schwaan (15. Oktober).
Eine Protestveranstaltung in der Schweriner Paulskirche kann am 6. Oktober 1989 planmäßig stattfinden, obwohl 208 linientreue Genossen versuchen das Ganze zu stören. Ihnen gegenüber stehen 1.500 Teilnehmer.
Am 8. Oktober 1989 wird unter dem Namen Politische Bürgerinitiative Crivitz eine Zweiggruppe des Neuen Forums gegründet. Das Ganze findet im Haus des Künstlerehepaars Wieland und Heide Kathrin Schmiedel, der Rönkendorfer Mühle an der Warnow, statt. Die Initiativgruppe zählt 57 eingeschriebene Mitglieder und bildet einen eigenen Sprecherrat.
Guntram Erdmann, Fritz Kalf und Norbert Kröger initiieren am 9. Oktober 1989 das Gründungstreffen des Neuen Forums in Wismar. Alle drei waren auf der Schweriner Veranstaltung vom 2. Oktober gewesen.
Der 11. Oktober 1989 gilt als der Gründungstag des Neuen Forums in Rostock. Dem geht allerdings ein Sondierungstreffen in der Wohnung von Michael Steinbach am 5. Oktober in Kühlungsborn voraus. Auf der ersten großen Versammlung am 11. Oktober in der Michaeliskirche verlesen die Veranstalter die Forderungen des Neuen Forums unter lautem Beifall. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Dietlind Glüer, Christoph Kleemann, Axel Peters und Rainer Ohff.
Der Güstrower Heiko Lietz lädt am 12. Oktober 1989 erstmals Vertreter aus Rostock, Schwerin und Wismar in die Rostocker Marienkirche ein.
Am 24. Oktober 1989 gründet sich das Neue Forum in Neubrandenburg. Zu den Initiatoren zählen hier die Pastoren Klaus Müller und Ulrich von Saß. Auf der Gründungsveranstaltung in der Großen Wollweberstraße 13 werden Gerhard Stoll, Michael Happe und Karin Lück zu Sprechern der Initiativgruppe gewählt.
Nach dem 19. Oktober demonstrieren auch am 26. Oktober 1989 wieder 25.000 Menschen in Rostock für die Zulassung des Neuen Forums.
Am 25. November 1989 bildet sich in Rostock ein Bezirkssprecherrat.