Wendepunkte

Was geschah sonst noch am 21. Oktober?

In Berlin bilden etwa 1.200 Demonstranten eine Menschenkette vom Palast der Republik zum Polizeipräsidium. Sie fordern die Freilassung der seit dem 7. und 8. Oktober Inhaftierten und eine öffentliche Untersuchung der Ereignisse. SED-Politbüromitglied Schabowski stellt sich der Diskussion mit den Demonstranten. Es kommt zu heftigen Wortgefechten, die das tiefe Misstrauen der Bürger gegenüber der SED-Führung und der von ihr eingeleiteten "Wende" widerspiegeln. Dass dieses Misstrauen begründet ist, zeigen die Worte des DDR-Innenministers Dickel auf einer - nicht öffentlichen - Dienstbesprechung an diesem Tage: "Ich würde am liebsten hingehen und diese Halunken zusammenschlagen, dass ihnen keine Jacke mehr passt. (…) Mir braucht keiner zu sagen, wie man mit dem Klassenfeind umgeht. Und dass die Panzer dann vor der Bezirksleitung und vor dem ZK stehen, wäre noch die einfachste Sache."

Im sächsischen Plauen demonstrieren 35.000 Menschen, das ist fast die Hälfte aller Einwohner. Insgesamt registriert die Stasi in dieser Woche etwa 140.000 Teilnehmer auf 24 Demonstrationen.

Glossar
Mitgliedsbuch der SED (Sozialistische einheitspartei Deutschlands). © dpa-Report Fotograf: Patrick Pleul
 

SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

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Staatsrat

Er war das "kollektive Staatsoberhaupt", das dem Ministerrat übergeordnet war. mehr


Ministerium für Staatssicherheit (MfS)

Mindestens 85.500 hauptamtliche Mitarbeiter arbeiteten im MfS. mehr

 

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Hirsche fürs Politbüro

von Moira Lenz

Georg Lenuweit, ehemaliger Revierförster Nossentiner Heide, vor einigen seiner Jagdtrophäen.  Fotograf: Moira Lenz Detailansicht des Bildes Leidenschaft der Genossen war die Jagd. Vom Revierförster erwarteten sie genaue Angaben, wo sich die gewaltigsten Hirsche aufhielten. Am späten Nachmittag kamen sie an, die Genossen Erich Honecker, Günter Mittag und Erich Mielke. Sie kleideten sich sofort in ihre Jagdgewänder und zogen in den Wald auf die Hochsitze - immer dabei ein Fahrer und ein Personenschützer. "Mir wurde grundsätzlich Wirtschaftschef Mittag zugeteilt", erinnert sich der damalige Revierförster, Georg Lenuweit, im Interview mit NDR.de . Über das Jahr war es seine Aufgabe, die gewaltigsten Hirsche ausfindig zu machen - zu "bestätigen", wie es in der Jägersprache heißt. Im Herbst kamen dann die Herren vom Politbüro vorbei, um zu jagen - aber sie durften nicht einfach drauflos schießen. Sogar für die Politprominenz galten bei der Jagd ein paar Regeln, erklärt der ehemalige Revierförster: "Reduktionsabschuss bedeutet, den Gesamtwildbestand nicht ins unermessliche wachsen zulassen", so Lenuweit. "Wenn der Zielbestand erreicht ist, entspricht die Zahl der neugeborenen Kälber der Zahl des jährlichen Abschusses."

 

Interview

"Jetzt müssen wir Schluss machen, wir wollen die Götter nicht erzürnen"

Einmal im Jahr kamen Honecker, Mittag und Mielke zur Jagd nach Drewitz. Georg Lenuweit ezählt von den Jagdritualen und der Zeit nach der Wende. mehr

Nach ein paar Abschüssen ging es zum Abendessen ins Jagdhaus - doch das Jagdfieber der Parteielite war noch nicht gestillt. "Hirsche sind Gewohnheitstiere. In der Brunftzeit kommen sie abends auf ihre Wiese", erklärt der Revierförster. Also ging die Jagd am späten Abend weiter: "Etwa um 22 Uhr brachen Honecker und Mittag wieder auf - zur Scheinwerferjagd", so Lenuweit. "Mielke machte da nicht mit. Aber die anderen schossen, was vor die Flinte kam, obwohl diese Jagdart in der DDR verboten war." Doch bei dieser Jagdregel beanspruchte der Kader eine Ausnahme für sich.

Auf der Jagd mit dem Politbüro

Jagdhaus Drewitz © dpa Detailansicht des Bildes Das Jagdhaus Drewitz war ein Geburtstagsgeschenk vom Stasi-Chef Erich Mielke an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Dass die Jagd einen feudalherrschaftlichen Beigeschmack hat, störte die SED-Oberen nicht: Gerade der Parteivorsitzende Erich Honecker ging begeistert Rotwild jagen, unter anderem in der Nossentiner Heide in Mecklenburg-Vorpommern. Hier residierte er mindestens einmal im Jahr in seinem Jagdhaus Drewitz. Der Sitz sowie das riesige Waldgebiet um Drewitz war ein Geschenk von Stasi-Chef Erich Mielke an den Staatsratsvorsitzenden Honecker - zum 70. Geburtstag, 1982.

Heute noch steht das Haupthaus, seit 1998 ein Hotel. Allerdings ging die "Jagd- und Naturparkresidenz Drewitz" vor kurzem an eine Insolvenzverwaltung über, noch ist unklar, ob das Hotel weiter betrieben wird. Insgesamt waren in der DDR rund 700.000 Hektar, etwa acht Prozent der Jagdfläche, für Partei- und Staatsmänner, die Nationale Volksarmee (NVA) und die Rote Armee reserviert. Das Gros der Staatsjagdgebiete lag in Mecklenburg-Vorpommern nahe der Müritz und in Brandenburg.

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Mustin © Bundespolizei Ratzeburg Fotograf: Sigurd Müller
 

Trabis, Tränen, Partystimmung

Nach dem 9. November 1989 überschlugen sich die Ereignisse. mehr

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Eingang zum Naturpark in Kirch Kogel © Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide Fotograf: Jörg Gast
 

Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide

Eindrucksvolle Natur im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns. mehr

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"Jagd und Macht" Ausstellung im Jagdschloss Groß Schönbeck

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