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Auf der Sonnenseite der DDR: Ein Kapitän erzählt
von Viktoria Urmersbach
Am 16. August 1989 lief das Kreuzfahrtschiff der DDR, die "MS Arkona", von Rostock-Warnemünde aus zu einem Ostseetörn. Zwölf Tage an Bord, auf die die meisten Passagiere lange gewartet hatten: Schiffsführungen, Musikkonzerte, Shopping in der exklusiven Schiffsboutique und Sport standen auf dem Programm. Der Höhepunkt der Reise war ein Tag in Helsinki. Berühmt und begehrt waren auch die luxuriösen Buffets und die Bewirtung durch Starköche und Kellner, die in DDR-Interhotels ausgebildet wurden. Fast 900 Menschen inklusive Besatzung schipperten mit gemächlichen 17 Knoten Kreuzfahrtgeschwindigkeit bis ins Baltische Meer.
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Eine Reise mit dem weißen Luxusschiff war für viele DDR-Bürger ein Traum - und für die meisten unerreichbar. Zur Jungfernfahrt im Dienste der DDR war ein Fotograf an Bord und dokumentierte die Urlaubsfreuden auf dem FDGB-Dampfer.
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"I've Been Looking For Freedom …"
Am Tag nach dem Auslaufen feierte man traditionell den großen Willkommensabend: Kapitän Peter-Arndt Böttcher begrüßte die Gäste persönlich und ließ sich mit jedem fotografieren, es gab ein Gala-Diner und eine riesige Torte mit Wunderkerzen. Das Wetter war prächtig, die Stimmung fast noch besser. 1989 lief der Hit "I've Been Looking For Freedom" den ganzen Sommer lang auf dem Kreuzfahrtschiff - fast, als hätte David Hasselhoff ihn für die Ostdeutschen gesungen. "Die waren jung und wollten die ganze Nacht durchfeiern", erinnert sich Böttcher. Seit 1986 stand das Schiff unter seinem Kommando. Damit war er auch der Repräsentant der DDR-Obrigkeit an Bord. Denn mit dem Schiff verlagerten sich auch die Außengrenzen der DDR ins Ausland - zu DDR-Zeiten immer schon ein Staatsakt, der vom Ministerium für Staatssicherheit kontrolliert wurde.
Ein Schiff mit Ohren
Gala-Dinner mit Kapitän: Arndt-Peter Böttcher (Mitte) m it Passagieren, .
"Das Schiff hatte Ohren, und das wusste auch jeder", sagt Böttcher heute. Entsprechend waren die Personalentscheidungen der Reederei nicht nur fachlich, sondern auch politisch bedingt. Die Besatzungsmitglieder standen von Anfang an unter dem Verdacht, mit dem System nur allzu bereitwillig zu kooperieren. Nicht zu Unrecht, hat der Historiker Andreas Stirn herausgefunden. Neben etlichen Inoffiziellen Mitarbeitern (IMs) wachten spezielle Polit- und Sicherheitsoffiziere darüber, dass auch an Bord die Grenzen der DDR eingehalten wurden. Das DDR-Überwachungssystem funktionierte hier fast noch besser als an Land. "Wenn ein Mitglied der Crew als Sicherheitsrisiko galt, musste es gehen. Und wer als Gast auffällig wurde, wurde von der Staatssicherheit für weitere Auslandsreisen gesperrt", weiß Stirn, der in den Akten der Birthler-Behörde über das Schiff und seine Besatzung forschte.
Das trübte die Urlaubsstimmung aber kaum, denn die glücklichen Kreuzfahrer waren meist "verdiente Parteiarbeiter", also DDR-Vorzeigebürger, die nie an Republikflucht gedacht hätten. Oft wurden sie als "Bonzen" verhöhnt. Nur wer von seinem Betrieb vorgeschlagen wurde, durfte die kleine Freiheit einer Schiffsreise erleben, eintägiger Ausflug nach Finnland inklusive.
Legendär war die Bar an Bord: Die "Warnow-Bar" auf See lockte die Urlauber mit einer exotischen Cocktailkarte und gefühlvoller Barmusik. Die knapp hundert Plätze waren jeden Abend besetzt. Dort fieberte und feierte man dem Gipfel der Reise entgegen: Landgang in Helsinki. Für die meisten Passagiere der erste Westurlaub überhaupt. Und manche nutzten diese Gelegenheit zur Flucht.