Wendepunkte

Was geschah sonst noch am 13. August?

Anlässlich des 28. Jahrestags des Baus der Berliner Mauer fordern westdeutsche Politiker die Ost-Berliner Führung auf, den DDR-Bürgern Reise- und Meinungsfreiheit zu gewähren. Die DDR-Tageszeitung "Neues Deutschland" erklärt dagegen: "Für die DDR und ihre Bürger wirkten sich die Maßnahmen vom 13. August 1961 positiv aus. Vor allem brachten sie Ruhe, Stabilität und Sicherheit beim Fortgang des sozialistischen Aufbaus."

In Ost-Berlin verlassen 15 DDR-Bürger die Ständige Vertretung der Bundesrepublik freiwillig. Die restlichen Ausreisewilligen bleiben im Gebäude.

 

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Moskaus Woodstock: Hardrock hinterm Eisernen Vorhang

von Malte Krebs

Die "Scorpions" beim Konzert im Moskauer Luschniki-Stadion, 12.08.1989 © picture-alliance / dpa Fotograf: epa Detailansicht des Bildes Die Scorpions im August 1989 auf der Moskauer Bühne. Als Gerd Knüttel im August 1989 am Moskauer Flughafen ankam, wurde er gleich durchgewunken. Keine strengen Visum-Kontrollen, keine Leibesvisitationen und vor allem keine schlecht gelaunten sowjetischen Sicherheitsleute. Ganz im Gegenteil: Während sich an der Passkontrolle lange Schlangen bildeten, durfte der Soundtechniker aus Niedersachsen ohne Weiteres einreisen; denn er war mit einer Band aus Hannover unterwegs, die selbst bei russischen Grenzern einen legendären Ruf hatte: die Scorpions. "Kein Problem, keine Kontrolle: einfach durchgehen!", erinnert sich Knüttel, "so etwas hatten wir überhaupt nicht erwartet."

Ohnehin war wenig an dem hier normal. Am 12. und 13. August 1989, fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem legendären "Woodstock"-Festival, fand im ehrwürdigen Leninstadium der sowjetischen Hauptstadt das "Moscow Music Peace Festival" statt. Michail Gorbatschows liberale Politik machte jetzt möglich, was vorher als Auswuchs westlicher Dekadenz verboten und undenkbar war. "Genau wie Woodstock soll das 'Moskau Musik-Friedensfestival' die Idee des Friedens durch Rockmusik fördern helfen", hieß es in einer Mitteilung der Veranstalter.

Hardrocker als Friedensbotschafter

Das größte Rockfestival in der Geschichte der Sowjetunion war ein popkulturelles Joint-Venture: Der Bon-Jovi-Manager Doc McGhee lieferte die Kontakte zu den Künstlern, die Russen profitierten von den Ticket-Verkäufen, und der noch junge Musiksender MTV erhoffte sich von dem Event weltweites Interesse. Zudem sollten die Einnahmen in Anti-Drogen-Projekte in der UdSSR und den USA fließen. Als Musik-Friedensbotschafter traten ausgerechnet westliche Hardrocker an: Neben den Scorpions ließen die Organisatoren Bands wie Bon Jovi, Ozzy Osbourne, Mötley Crüe und Skid Row nach Moskau einfliegen. Und Gerd Knüttel gehörte zu den West-Spezialisten, die für die Beschallung der mehr als 120.000 Fans im Stadion verantwortlich waren.

Gerd Knüttel. © NDR Fotograf: Malte Krebs Detailansicht des Bildes Gerd Knüttel war bei dem Moskauer Scorpions-Konzert für die Beschallung der Fans verantwortlich. "Wir wussten alle nicht, was uns da erwartet", sagt Gerd Knüttel. Der 58-Jährige lebt heute zusammen mit seiner Frau in Asendorf im Landkreis Diepholz und war gerade wieder mit den Toten Hosen auf Deutschland-Tour. Seit Ende der Siebzigerjahre ist er im Tournee- und Soundgeschäft, kümmerte sich schon bei den ersten Europa-Tourneen von Bon Jovi und Metallica um die technische Ausstattung und war Mitte der Achtziger sogar mit Kraftwerk auf Konzertreise in der DDR. Aber dieser Job war anders.

Das wurde im Frühjahr 1989 klar, als Gerd Knüttel zur Vorbesichtigung erstmals nach Moskau kam. "Damals gab es dort keine Tankstellen, keine Shops oder Cafés, so wie wir sie kannten", erinnert er sich. "Es gab zwar das Kaufhaus 'GUM' am Roten Platz, aber da gab's eigentlich auch nichts - außer russischen Uhren". Wie sollte man hier ein Rockfestival aus dem Boden stampfen?

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