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Dossier
RAF-Logo auf dem Foto des entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer (Archivbild aus dem Jahr 1977) © dpa
 

Terror statt Politik: Die Rote Armee Fraktion

Die RAF steht für den Terror der 70er-Jahre. mehr

Geschichte
3. April 1968: Kaufhausbrand in Frankfurt am Main, Einsatzkräfte der Feuerwehr sichten die Schäden. © picture-alliance / United Archiv
 
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Wie kam die Gewalt zur RAF?

NDR Info berichtet über den Weg von der politischen Empörung zur Anwendung von Gewalt.

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Wie fair war der Stammheim-Prozess?

Die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens wurde immer wieder angezweifelt.

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Eine Top-Terroristin im Visier der Fahnder

von Axel Franz, NDR.de

Ulrike Meinhof, deutsche Journalistin und RAF-Mitglied © Permission granted by Werner Meinhof's granddaughter, Bettina Röhl Detailansicht des Bildes Ulrike Meinhof war eine erfolgreiche Journalistin, bevor sie in den Untergrund abtauchte. Frühsommer 1972. In Deutschland steht die Rote Armee Fraktion, oder kurz RAF, seit Monaten immer wieder in den Schlagzeilen. Die selbst ernannten Revolutionäre um Andreas Baader und Ulrike Meinhof führen einen brutalen Kampf gegen das verhasste politische System der Bundesrepublik. Zunächst überfallen sie Banken, Anfang Mai 1972 folgt ein erster Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Armee in Frankfurt am Main. Auch in Norddeutschland ist die Gruppe aktiv. So erbeuten RAF-Mitglieder im August 1971 fast 200.000 D-Mark bei einem Banküberfall in Hannover, am 19. Mai explodieren im Axel-Springer-Verlag in Hamburg mehrere Sprengsätze.

Die Fahnder greifen zu

26.05.1972: Fahndungsplakat RAF Erste Generation © picture-alliance / dpa Detailansicht des Bildes Ulrike Meinhof (obere Reihe, 2. v. l) stand seit 1969 unter anderem mit Andreas Baader auf der Fahndungsliste der Polizei. Die Ermittler sind der Terrorgruppe auf der Spur und greifen am 1. Juni zu: In Frankfurt am Main werden mit Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe drei Köpfe der RAF gefasst. Sechs Tage später geht der Polizei in Hamburg Gudrun Ensslin ins Netz. Ganz oben auf der Fahndungsliste steht nun Ulrike Meinhof. Die Journalistin gilt als Autorin von ideologischen Schriften und Bekennerschreiben der RAF. Außerdem soll sie an Banküberfällen und fünf Bombenanschlägen beteiligt gewesen sein, bei denen auch Menschen starben. Für Meinhof wird es immer schwieriger sich in Deutschland zu bewegen. Dennoch macht sie sich am Donnerstag, den 15. Juni, als Beifahrerin im Auto eines Bekannten auf den Weg nach Hannover.

Eine Unbekannte auf Quartiersuche

In der Nacht vor ihrer Abfahrt hat der Lehrer Fritz Rodewald ungewöhnlichen Besuch. Der junge Mann, in der linken Szene Hannovers ein bekanntes Gesicht, wohnt in Langenhagen, knapp hinter der nördlichen Grenze der Landeshauptstadt. Gegen Mitternacht klingelt eine Frau an seiner Wohnungstür und fragt, ob zwei Personen für zwei oder drei Nächte bei ihm unterkommen können. Nach kurzer Überlegung willigt Rodewald ein. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Fremde bei ihm übernachten, denn er hilft gelegentlich US-Soldaten bei der Flucht. Doch warum wollen diese Gäste ihren Namen nicht nennen? Die Unbekannte kündigt für Donnerstagnachmittag ein Pärchen an.

Rodewald schaltet die Polizei ein

Noch in der Nacht spricht Rodewald mit seiner Freundin, die mit ihm in der Wohnung wohnt, über den Vorfall. Sie ahnt - sensibilisiert durch die Medienberichte der vergangenen Monate - einen Zusammenhang mit Terroristen und überzeugt ihren Freund davon, die Polizei zu informieren. Nach der Arbeit wendet sich der Grundschullehrer am Nachmittag an das Landeskriminalamt. Die Beamten reagieren offenbar schnell und vereinbaren mit Rodewald, dass er zunächst nicht nach Hause geht. Stattdessen beziehen Beamte Position vor dem Gebäude in der Walsroder Straße 11, einem unscheinbaren Wohn- und Geschäftshaus an einer Hauptstraße.

Der Verdacht bestätigt sich

Ulrike Meinhof nach ihrer Festnahme 1972 in Hannover © picture-alliance/ dpa Detailansicht des Bildes Kurz nach ihrer Festnahme wehrt sich Meinhof heftig dagegen, fotografiert zu werden. Gegen 18 Uhr kommt ein Mann aus Rodewalds Wohnung und geht zu einer Telefonzelle in der Nähe. Dort überraschen ihn Polizisten und nehmen den Bewaffneten fest. Es ist Gerhard Müller, der Polizei kein Unbekannter, aber noch nicht als RAF-Terrorist gesucht. Kurze Zeit später klingeln Beamte an der Tür der Wohnung Rodewalds. Offenbar arglos öffnet ihnen eine Frau die nach Zeugenaussagen eine blonde Perücke getragen haben soll - Ulrike Meinhof. Als die Beamten versuchen, die damals 37-Jährige festzunehmen, wehrt sie sich heftig, doch erfolglos. Später zeigt sich, dass sie schwer bewaffnet war.

Rodewalds Leben ändert sich dramatisch

Wer war Fritz Rodewald?

Verräter oder Vorzeige-Demokrat? Über die Rolle Rodewalds gibt es zahlreiche Mythen. Prominente wie Günther Grass, Alexander Kluge, Stefan Aust und Oskar Negt äußerten sich dazu.
Rodewald sagte später, sein Leben sei "partiell zerstört" worden. Der damals 33-Jährige stammte aus einem Dorf bei Hildesheim, scheiterte am Abitur und studierte später auf dem zweiten Bildungsweg. Er war ein typischer Linker der 70er-Jahre, Lehrer, SPD- und GEW-Mitglied. Die Entscheidung, zur Polizei zu gehen oder nicht, sei "eine klassische Tragödien-Situation" gewesen, so Rodewald, der kurz vor seinem Tod seine Autobiografie schrieb. (Von Brüchen und Sprüngen, Verlag: Books on Demand, Norderstedt)

Als Fritz Rodewald später zu seiner Wohnung kommt, empfangen ihn Polizisten. In der Wohnung liegen Waffen. Rodewald ahnt sofort, dass dieser Tag sein Leben verändern wird. Als die Umstände der Verhaftung Meinhofs bekannt werden, steht er schlagartig am Pranger von RAF-Sympathisanten. Weite Teile der linken Szene wenden sich von Rodewald ab, er wird als Verräter beschimpft und erhält Morddrohungen. Polizisten ziehen vorübergehend in seine Wohnung ein, er trägt eine kugelsichere Weste. Rodewald muss seinen Lehrerjob aufgeben, er verlässt Hannover, kehrt später aber zurück, begibt sich in Therapie und wird schließlich selbst Psychoanalytiker. Als ihm der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen werden soll, lehnt er ab. Am 18. August 2009 stirbt Fritz Rodewald im Alter von 70 Jahren in Hannover.

Ulrike Meinhof wird 1974 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Mai 1975 steht sie im Stammheim-Prozess erneut vor Gericht. Im Mai 1976 findet ein Vollzugsbeamter Meinhof erhängt in ihrer Zelle auf. 

Porträt
Ulrike Meinhoff während des Baader-Meinhof-Prozess 1974 in Stuttgart-Stammheim © picture-alliance / dpa
 

Ulrike Meinhof: Eine Frau radikalisiert sich

Ein Porträt der Mitbegründerin der RAF. Die erfolgreiche Journalistin wählte den Terror und fand den Tod. mehr

 

Hintergrund
Demonstranten protestieren gegen den Besuch des persischen Schahs Reza Pahlevi. © picture-alliance / Joachim Barfknecht
 

Vom Studentenprotest zum Terror

Von den Studentenprotesten zur Gründung der Rote Armee Fraktion (RAF). mehr

Die RAF im Norden
Polizeiwagen stehen nach dem Anschlag der RAF am 19.05.1972 vor dem Springer-Verlagshaus in Hamburg. © picture-alliance/dpa Fotograf: Werner Baum
 

Vor 40 Jahren: RAF attackiert Springer-Verlag

Am 19. Mai 1972 gehen im Hamburger Springer-Verlagshaus drei Bomben hoch. mehr


Als der RAF-Terror nach Hamburg kam

Nach einem Einsatz gegen die RAF am 2. März 1972 stirbt ein Polizist. mehr


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Stichwort
RAF-Logo auf dem Foto des entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer (Archivbild aus dem Jahr 1977) © dpa
 

Stichwort: RAF

Die Rote Armee Fraktion (RAF) gründet sich im Frühjahr 1970 um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Einige Medien bezeichnen die Gruppe zunächst als Baader-Meinhof-Bande. Die Wurzeln der RAF reichen in die Studentenbewegung der späten 60er-Jahre, ihre exakte Verbindung ist jedoch unter Historikern umstritten.
Ein zentraler Begriff im Selbstverständnis der Gruppe ist "Stadtguerilla", in Anlehnung an revolutionäre Vereinigungen in Lateinamerika. Ihr gemeinsames Ziel: Veränderung des politischen Systems durch eine kleine Gruppe - auch mit Gewalt.

Einer Serie von Raubüberfällen folgt im Mai 1972 der erste Bombenanschlag der RAF: auf das Hauptquartier der US-Armee in Frankfurt am Main. Kurz danach gibt es weitere Anschläge unter anderem auf das Gebäude des Axel-Springer-Verlages in Hamburg. Innerhalb weniger Monate nehmen die Ermittler nahezu alle Mitglieder der RAF fest.

Während den Anführern der Gruppe 1975 in Stuttgart-Stammheim der Prozess gemacht wird, verübt die "zweite Generation" der RAF immer brutalere Anschläge.

Seinen Höhepunkt erreicht der Terror 1977 während des sogenannten Deutschen Herbstes, der mit der Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September beginnt. Wochenlang halten die Terroristen das Land in Atem. Am 19. Oktober 1977 wird Schleyer ermordet aufgefunden. Er ist einer von 34 Toten, die auf das Konto der RAF gehen. Einen Tag zuvor hatten sich die drei führenden RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim selbst getötet.

Eine "dritte Generation" ändert Anfang der 80er-Jahre die Strategie und will die RAF internationalisieren. Das Morden geht dabei weiter. Erst 1998 erklärt sich die RAF für aufgelöst.

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Von den ersten Anschlägen bis zur Selbstauflösung - eine interaktive Zeitleiste bei tagesschau.de

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Umfassende Informationen zur Geschichte der RAF.

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