Die 70er-Jahre
Gesellschaftlich erlebt die Hippie-Bewegung ihre Blütezeit. Politisch gibt es jede Menge Zündstoff: Im Frühjahr 1972 sorgt die Debatte um die Ostverträge zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der Sowjetunion und der Volksrepublik Polen für heftige Auseinandersetzungen und ein Misstrauensvotum der Oppositionsparteien CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt. Es scheitert. Die Verträge, die die Anerkennung der gemeinsamen Grenzen regeln, treten am 3. Juni 1972 in Kraft.
Im Herbst 1973 verhängen die arabischen Staaten ein Ölembargo gegen die Niederlande und die USA. Auch andere westliche Industrieländer sind von der ersten Ölkrise betroffen. Der Deutsche Bundestag verabschiedet am 9. November 1973 ein Energiesicherungsgesetz, in dem Sofortmaßnahmen zur Energieeinsparung geregelt sind.
Außerdem sind die 1970er-Jahre geprägt von der Anti-Atomkraft-Bewegung: Ab 1976 formiert sich in Brokdorf erstmals eine gewaltige Protestbewegung gegen den Bau eines geplanten Atomkraftwerkes, im darauffolgenden Jahr setzen sich in Gorleben Demonstranten gegen ein geplantes "Nukleares Entsorgungszentrum" zur Wehr. Es ist der Beginn einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung.
Seit Beginn der 1970er-Jahre sorgt in der Bundesrepublik Deutschland der Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) für Schlagzeilen. Seinen Höhepunkt erreicht er 1977 während des sogenannten Deutschen Herbstes, der mit der Entführung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September beginnt. Wochenlang halten die Terroristen das Land in Atem. Am 19. Oktober des Jahres wird Schleyer ermordet aufgefunden.