1938: Die Nazis bauen sich eine Autofabrik
Einen Volkswagen für jeden: Das versprachen die Nazis den Deutschen. Am 26. Mai 1938 legten sie den Grundstein für das VW-Werk - und produzierten dort Rüstungsgüter. mehr
Es war ausgerechnet Adolf Hitler, der am 26. Mai 1938 am Mittellandkanal bei Fallersleben den Grundstein für VW, den heute größten Autobauer Europas legte. Und das ist auch der Grund, warum für Volkswagen das 75-jährige Jubiläum seines Stammwerkes kein Grund zum Feiern ist - zu schwer wiegt die Nazi-Vergangeheit. Denn was bei dem Festakt vor 50.000 Teilnehmern als Motorisierung der Massen inszeniert wurde, entwickelte sich bei Kriegsbeginn zu einem Rüstungsbetrieb, in dem 1944 zwei Drittel der Belegschaft aus Zwangsarbeitern bestanden.
Aber der "Kraft durch Freude"-Wagen, der schon 1934 angekündigt worden war und auf den Millionen Deutsche gespart hatten, wurde nie gebaut. Privatautos blieben auch weiterhin einer kleinen, privilegierten Schicht vorbehalten. Stattdessen lieferte das Volkswagenwerk mehr als 60.000 Militärfahrzeuge für den deutschen Vernichtungskrieg an Wehrmacht und SS, zudem Kampfflugzeuge, Minen und Flugbomben. Dafür wurde das VW-Werk als "Kriegsmusterbetrieb" und "Nationalsozialistischer Musterbetrieb" gerühmt.
Für die Planung des Werkes war Ferdinand Porsche (1875-1951) verantwortlich. Heute ist dessen Familienzweig vor dem Land Niedersachsen größter VW-Anteilseigner.
Mit der Gründung des ersten Volkswagen-Werkes entstand wenige Wochen später auch die neue "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben" - das spätere Wolfsburg. Erst bei Kriegsende benannten die Alliierten die Stadt nach dem Schloss, das 1302 als "Wolfsburg" erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute ist Fallersleben ein Stadtteil von Wolfsburg.
Doch so ganz ohne Würdigung wollen der Autobauer und auch die Stadt Wolfsburg das Jubiläum nicht verstreichen lassen: Gefeiert wird mit ein paar Wochen Verspätung mit einem Tag der offenen Tür am 15. Juni. Dieser Tag sei als Dankeschön gedacht für die "harte und erfolgreiche Arbeit, die bei der Einführung der Baukastenstrategie und dem Anlauf des neuen Golf geleistet wurde", heißt es in einem Schreiben des Konzerns an seine Mitarbeiter. An diesem Tag werden 250.000 Menschen in Wolfsburg erwartet.
Die Stadt Wolfsburg feiert sich mit einem Festwochenende vom 28. bis zum 30. Juni.