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Die Viermastbark Sedov © Stema Service Fotograf: Vallery Vasilivsky
 

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Hitlers Koloss auf See: 75 Jahre "Scharnhorst"

von Lasko Werner

Es ist mehr als der Stapellauf eines großen Schiffes: Mit der Taufe des Schlachtkreuzers "Scharnhorst" am 3. Oktober 1936 demonstriert das Deutsche Reich Stärke. Rund drei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führt Adolf Hitler der Welt vor Augen, dass der Versailler Vertrag für ihn auch in Fragen der Aufrüstung keine Bedeutung mehr hat.

Die "Scharnhorst" auf See. © dpa - Bildarchiv Zur Ausrüstung der 235 Meter langen "Scharnhorst" gehörten auch drei Flugzeuge.

Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles aus dem Jahr 1919 darf kein deutsches Kriegsschiff größer sein als 10.000 Tonnen Wasserverdrängung. Mit über 35.000 Tonnen bringt es die "Scharnhorst" jedoch auf mehr als das Dreifache. Wenngleich damit die deutsche Kriegsmarine noch immer weit hinter der Stärke potenzieller Gegner wie der britischen Royal Navy zurückbleibt, ist dieser Schlachtkreuzer doch ein Gegner, mit dem die britische Admiralität in Zukunft wird rechnen müssen. Die 235 Meter lange "Scharnhorst" ist das erste Schlachtschiff, das nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gebaut wird. Bereits 1934 - ein Jahr, nachdem Adolf Hitler an die Macht gekommen war - wird es in Wilhelmshaven auf Kiel gelegt.

Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven

Gebaut wird die "Scharnhorst" in der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven, kurz KMW. Es ist die bedeutendste Marinewerft des Deutschen Reiches. Einst als Kaiserliche Marinewerft Wilhelmshaven gegründet, war die KMW maßgeblich am Aufbau der Kaiserlichen Marine beteiligt. Die Werft trug zu deren Aufstieg zur zweitgrößten Kriegsflotte der Welt bei, mit der Kaiser Wilhelm II. schließlich das britische Empire herausgeforderte. Mit dem Versailler Vertrag, der sowohl die deutsche Kriegsflotte als auch die Handelsmarine auf einen Bruchteil der einstigen Größe beschränkte, verlor die KMW an Bedeutung. Die Werftanlagen wurden drastisch verkleinert.

Die Werft bekommt zivile Aufgaben

Für die verbliebenen Anlagen mussten neue Aufgaben gefunden werden. Erst brachte das Abwracken verbliebener Kriegs- und Handelsschiffe einige Aufträge. Bis 1923 fanden über 300 deutsche und ausländische Schiffe, darunter auch viele Handelsschiffe, dort ihr Ende. Später nahm die Werft auch zunehmend zivile Aufträge für den Bau von Passagierdampfern an und beteiligte sich maßgeblich am Bau von Fischdampfern und Kuttern für die Hochseefischerei.

Das Schiff soll stärker werden

An Deck der "Scharnhorst". © picture-alliance / akg-images Fotograf: akg-images Detailansicht des Bildes Beim Untergang der "Scharnhorst" starben fast 2.000 Besatzungsmitglieder. 1935 erklärt Hitler den Versailler Vertrag offiziell für nichtig und befiehlt den Aufbau einer schlagkräftigen Kriegsmarine. Die "Scharnhorst", zunächst als kleineres Panzerschiff konzipiert, wird 1935 zum zweiten Mal auf Kiel gelegt: Jetzt soll sie größer und stärker bewaffnet werden.

Bei ihrem Stapellauf 1936 fehlen der "Scharnhorst" noch Aufbauten und Geschütze. Die Hauptbewaffnung besteht später aus drei Drillingstürmen mit 28-cm-Geschützen. Hinzu kommen vier Doppeltürme und vier Einzellafetten mit 15-cm-Geschützen, eine Vielzahl von Geschützen kleinerer Kaliber sowie sechs Torpedorohre. Drei Wasserflugzeuge vervollständigen die Ausstattung. Der Antrieb ermöglicht dem Schiff eine Geschwindigkeit von mehr als 57 Kilometern pro Stunde. Die Gesamtkosten betragen 143 Millionen Reichsmark - das entspricht nach heutigem Wert mehr als 500 Millionen Euro.

Der Namenspatron: Gerhard von Scharnhorst

General Gerhard von Scharnhorst (1755-1813). © picture-alliance / dpa Fotograf: picture-alliance / dpa Detailansicht des Bildes Er gab dem Schiff seinen Namen: General Gerhard von Scharnhorst (1755-1813). Am Bug des Schiffes prangt der Name Gerhard von Scharnhorst. Der preußische General gilt als einer der bedeutendsten Kommandeure im Kampf gegen Napoleon. Zudem hatte er sich als Reformer des preußischen Heeres und Vater der allgemeinen Wehrpflicht einen Namen gemacht. Gegen die höchst zweifelhafte Ehre, als Namensgeber für ein mächtiges Instrument in Hitlers Kriegsmaschinerie herhalten zu müssen, kann sich General Scharnhorst nicht mehr wehren - er fiel 1813 im Krieg gegen Frankreich.

Indienststellung 1939

In den ersten Januartagen 1939 kommt die künftige Schiffsbesatzung in Wilhelmshaven das erste Mal zusammen. Bislang wurden die Männer in unterschiedlichen Standorten anhand von Modellen für das neue Kommando trainiert. Nun treten sie gemeinsam an, in dem Bewusstsein, dass sie künftig eine Einheit bilden werden, die auf engstem Raum gemeinsam Dienst leisten wird und vielleicht auch gemeinsam kämpft. Der Kommandant Kapitän zur See Otto Ciliax betont in seiner Rede zur Indienststellung die Verpflichtung, die der stolze Name Scharnhorst mit sich bringe. Das Deutschlandlied erklingt und auf das Kommando "Heiß Flagge und Wimpel!" werden die Reichskriegsflagge mit dem Hakenkreuz und der Kommandantenwimpel gehisst. Damit ist die "Scharnhorst" offiziell in Dienst gestellt.

Kriegseinsatz und Untergang

Es dauert nicht lange, bis sie zum Einsatz kommt. Am 1. September 1939 beginnt mit dem Überfall Hitlers auf Polen der Zweite Weltkrieg. Während des Krieges operiert die Scharnhorst - häufig gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff "Gneisenau" - mehrfach erfolgreich gegen überlegene Flotten. Unter anderem ist sie an der Besetzung Norwegens und der Bekämpfung alliierter Geleitzüge im Atlantik beteiligt. Wiederholt wird sie durch Torpedos und Seeminen beschädigt. Am 26. Dezember 1943 geht die "Scharnhorst" im Gefecht unter. Von überlegenen Kräften der Royal Navy zum Kampf gestellt, liefert die "Scharnhorst" den britischen Kriegsschiffen ein mehrstündiges Feuergefecht. Doch mehr als 2.000 Granaten und rund 50 Torpedos kann sie nicht standhalten. Nach zahlreichen Treffern versinkt das Schlachtschiff im Nordmeer. Von den 1.968 Mann Besatzung werden nur 36 gerettet.

Das Wrack bleibt 57 Jahre verschollen

Auf dem Kieler Nordfriedhof erinnert heute ein Stein "an die 1975 Gefallenen des Schlachtschiffes "Scharnhorst" 1939 bis zum Untergang des Schiffes am 26.12.1943". Nach dem Wrack wird jahrzehntelang vergeblich gesucht. Erst im September 2000 findet es der norwegische Journalist Alf R. Jacobsen in 300 Meter Tiefe.

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Zweiter Weltkrieg
Das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" beschiesst am Morgen des 1. September 1939 die Westerplatte bei Danzig. © picture-alliance/akg-images Fotograf: akg-images
 

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Das kurze Leben der "Bismarck"

Am 14. Februar 1939 wird das Schlachtschiff zum ersten Mal zu Wasser gelassen. mehr

Buchtipps

Die Scharnhorst - Untergang und Entdeckung des legendären Schlachtschiffs

Von Alf R. Jacobsen
Ullstein Verlag, Berlin, 2004
ISBN 3-55007-594-4


Die Schlachtschiffe der Scharnhorst-Klasse

Von Gerhard Koop und Klaus-Peter Schmolke
Bernard & Graefe, Bonn, 1991
ISBN 978-3-7637-5892-0

DVD-Tipp

Die deutsche Kriegsmarine von 1848 - 1945.

11 Dokumentarfilme auf 5 DVDs
Laufzeit: ca. 575 Min.
Bildformat: 4:3/16:9
Tonformat: Dolby Digital Mono/Stereo 2.0
FSK: 12
Preis: 79,99 Euro
Vertrieb: SHDM (Studio Hamburg Distribution & Marketing) / EuroVideo
EAN: 4031778810337

Links

Schlachtschiff.com bietet Informationen über die wichtigsten deutschen Schlachtschiffe sowie Bilder- und Multimediagalerien.

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Fakten und Bilder auf den Seiten des Departemt of the Navy - Naval Historical Centers (englische Website) mit vielen Bildern.

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Informationen auf den Internetseiten des Deutschen Historischen Museums.

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