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Gedenkstein an die Ofer des Holocaust auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr

Jüdisches Leben
Hamburgs Erster Bürgermeister Max Brauer bei der Grundsteinlegung für die Synagoge 1958. © NDR
 
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Ein Grundstein für die jüdische Gemeinde in Hamburg

1958 beginnt der Bau der ersten Synagoge nach dem Krieg. mehr

 

Angeordneter Terror: Die Reichspogromnacht

von Vivienne Schumacher

Am 9. November 1938 rufen die Nationalsozialisten zur Zerstörung jüdischer Geschäfte und Synagogen auf. In der darauf folgenden Nacht gehen zahlreiche Gotteshäuser in Deutschland in Flammen auf, jüdische Läden werden ausgeraubt und demoliert, Juden verschleppt oder ermordet. Die Judenverfolgung im Dritten Reich erreicht mit der Reichspogromnacht eine neue Dimension. Auch in Norddeutschland eskaliert der nationalsozialistische Antisemitismus und führt zu Gewaltorgien.

Hamburg damals: Reichspogromnacht

Hamburg Journal - 09.11.2013 19:30 Uhr

Vor 75 Jahren zerstörten die Nazis Synagogen und jüdische Geschäfte. Die Reichspogromnacht war der Auftakt für die systematische Vernichtung der Juden in Deutschland.

Gewalt und Verhaftungen in Hannover

Brennende Synagoge in der Bergstraße in Hannover am 10. November 1938. © picture-alliance/dpa/Bildarchiv Huber Fotograf: Wilhelm Hauschild Detailansicht des Bildes In Hannover brennt in der Pogromnacht die Synagoge in der Bergstraße bis auf die Grundmauern nieder. In Hannover werden mehrere Hundert Menschen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. 94 jüdische Geschäfte sowie 27 Häuser und Wohnungen werden demoliert und verwüstet. Das Kommando für die damalige Provinz Hannover hat SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln. Er nimmt die Befehle aus München und Berlin entgegen und sendet etwa 500 SS-Männer zu jüdischen Geschäften und Wohnungen aus. Eine fertige Liste der Adressen liegt ihm vor. Zerstört wird unter anderem die Synagoge in der Bergstraße, die als "Perle Hannoverscher Architektur" bekannt war. Stundenlang steht sie in Flammen. SS-Männer sperren den gesamten Platz um das Gotteshaus ab. Die Feuerwehr darf erst mit den Löscharbeiten beginnen, als ein Übergreifen auf nebenstehende Wohnhäuser droht.

Der Vorwand
Herschel Seibel Grynszpan und Ernst vom Rath (Montage). © picture-alliance / IMAGNO/Schost_dpa Fotograf: Ullstein
 

Pogromnacht 1938: Attentat und Propaganda

Das Attentat eines 17-jährigen Juden auf einen NS- Diplomaten liefert den willkommenen Vorwand für die gewalttätigen Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. mehr

"Die schlagen da unten die Wohnung kaputt"

Eine Zeitzeugin erinnert sich in einem Gespräch mit dem NDR Hörfunk im Jahr 1978 an den 10. November 1938 in Hannover: "Wir hörten in unserer Wohnung draußen einen Tumult und ahnten nicht, was da war. Mein Junge lief natürlich gleich runter, um zu sehen, was da los war. Er kam zurück und sagte: 'Die schlagen da unten die Wohnung kaputt, die SA.' Wir guckten aus dem Fenster und sahen, dass sie mit schweren Gegenständen tatsächlich die Parterrewohnung verwüsteten, Fenster einschlugen. Wir sahen, wie sie auch den Küchenschrank zerschlugen. Wir wussten nicht, dass da eine jüdische Familie wohnte, aber das erfuhren wir dann."

Zerstörung und Verfolgung in Mecklenburg-Vorpommern

Auch in den Städten Mecklenburg-Vorpommerns stehen mehrere Synagogen in Flammen, werden jüdische Friedhöfe geschändet, Geschäfte beschädigt und geplündert. Augenzeugen berichten, wie in zivil gekleidete Nazis die Synagoge in Alt-Strelitz stürmen und die Thora-Rollen sowie die gesamte Einrichtung zerstören, mit Benzin übergießen und anzünden. Beim Brand in der Neubrandenburger Synagoge hat die Feuerwehr lediglich den Auftrag, ein nebenstehendes Wohnhaus zu schützen.

Ebenso in Rostock: Am frühen Morgen des 10. November brennt die Synagoge in der Augustenstraße vollständig aus, während die Feuerwehr nur die benachbarten Gebäude schützt. Eine Geschäftsfrau aus Rostock erzählt in einem Gespräch mit dem NDR Hörfunk im Jahr 1978: "Da stand eine ganze Reihe Leute, und die Feuerwehr stand da, sozusagen Gewehr bei Fuß, und hatte eigentlich nur die Aufgabe, dass sie die Nachbarhäuser beschützen sollte. Aber die Synagoge war schon drei Viertel runtergebrannt. Die hat man die Nacht über brennen lassen." Am Vormittag ziehen die Nazis weiter durch die Hansestadt und demolieren circa 50 Wohnungen und Geschäfte. 64 jüdische Männer werden verhaftet.

Das "verspätete" Pogrom in Hamburg

In Hamburg geht aus den wenigen Akten, die nach dem Krieg nicht vernichtet oder "bereinigt" worden sind, hervor, dass es in der Nacht vom 9. auf den 10. November Probleme mit der Alarmierung der Allgemeinen SS gab. Die SS-Männer seien nachts telefonisch nicht erreicht worden, die SA hingegen kann benachrichtigt werden: Augenzeugen berichten, dass sich in den frühen Morgenstunden des 10. November SA-Männer in Uniform und in Zivil auf dem Rathausmarkt versammelt hätten. In kleinen Gruppen seien sie in verschiedene Richtungen losmarschiert und hätten damit begonnen, Fensterscheiben zu zertrümmern.

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Zum 75. Jahrestag
Eine Frau zündet im Hamburger Grindelviertel Kerzen zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht an und stellt sie neben Stolpersteine. © dpa-Bildfunk Fotograf: Axel Heimken
 

Der Norden gedenkt der Opfer der Pogromnacht

Eine kleine Auswahl von Gedenkveranstaltungen. mehr

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Ein Mann sitzt in einem roten Boot.
 
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Flucht vor den Nazis: Neues Leben in Chile

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Die jüdische Familie Kychenthal floh 1939 aus Schwerin vor den Nazis nach Chile.

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Ein Holocaust-Überlebender in Ostfriesland

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Albrecht Weinberg zog vor zwei Jahren zurück in seine alte Heimat.

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Friedensfeier zum 10. Jahrestag der Pogromnacht

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Junge Historiker zeichnen die Ereignisse vor und nach der Pogromnacht 1938 auf Twitter nach. Mehr bei tagesschau.de.

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Überblick über die Geschehnisse auf den Seiten des Deutschen Historischen Museums.

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Fernschreiben von Reinhard Heydrich zur Reichspogromnacht vom 10. November 1938 im NS-Archiv.

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Multimediale Aufbereitung der Geschehnisse in den Städten Schleswig-Holsteins auf den Seiten des virtuellen Museums.

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