Holocaust - Das beispiellose Verbrechen
Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit ermordet. mehr
Am 9. November 1938 rufen die Nationalsozialisten zur Zerstörung jüdischer Geschäfte und Synagogen. In der darauf folgenden Nacht gehen zahlreiche Gotteshäuser in Deutschland in Flammen auf, jüdische Läden werden ausgeraubt und demoliert, Juden verschleppt oder ermordet. Die Judenverfolgung im Dritten Reich erreicht mit der Reichspogromnacht eine neue Dimension. Auch in Norddeutschland eskaliert der nationalsozialistische Antisemitismus und führt zu Gewaltorgien.
In Hannover brannte in der Pogromnacht die Synagoge in der Bergstraße bis auf die Grundmauern nieder.
In Hannover wurden mehrere Hundert Menschen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. 94 jüdische Geschäfte sowie 27 Häuser und Wohnungen wurden demoliert und verwüstet. Das Kommando für die damalige Provinz Hannover hatte SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln. Er nahm die Befehle aus München und Berlin entgegen und sandte etwa 500 SS-Männer zu jüdischen Geschäften und Wohnungen aus: Eine fertige Liste der Adressen lag ihm vor. Zerstört wurde unter anderem die Synagoge in der Bergstraße, die als "Perle Hannoverscher Architektur" bekannt war. Stundenlang stand sie in Flammen. SS-Männer sperrten den gesamten Platz um das Gotteshaus ab. Die Feuerwehr durfte erst mit den Löscharbeiten beginnen, als ein Übergreifen auf nebenstehende Wohnhäuser drohte.
Eine Zeitzeugin erinnert sich in einem Gespräch mit dem NDR Hörfunk im Jahr 1978 an den 10. November 1938 in Hannover: "Wir hörten in unserer Wohnung draußen einen Tumult und ahnten nicht, was da war. Mein Junge lief natürlich gleich runter, um zu sehen, was da los war. Er kam zurück und sagte: 'Die schlagen da unten die Wohnung kaputt, die SA.' Wir guckten aus dem Fenster und sahen, dass sie mit schweren Gegenständen tatsächlich die Parterrewohnung verwüsteten, Fenster einschlugen. Wir sahen, wie sie auch den Küchenschrank zerschlugen. Wir wussten nicht, dass da eine jüdische Familie wohnte, aber das erfuhren wir dann."
Auch in den Städten Mecklenburg-Vorpommerns standen mehrere Synagogen in Flammen, wurden jüdische Friedhöfe geschändet, Geschäfte beschädigt und geplündert. Augenzeugen berichteten, wie in zivil gekleidete Nazis die Synagoge in Alt-Strelitz stürmten und die Thora-Rollen sowie die gesamte Einrichtung zerstörten, mit Benzin übergossen und anzündeten. Beim Brand in der Neubrandenburger Synagoge hatte die Feuerwehr lediglich den Auftrag, ein nebenstehendes Wohnhaus zu schützen.
Ebenso in Rostock: Am frühen Morgen des 10. November brannte die Synagoge in der Augustenstraße vollständig aus, während die Feuerwehr nur nebenliegende Gebäude schützte. Eine Geschäftsfrau aus Rostock erzählt in einem Gespräch mit dem NDR Hörfunk im Jahr 1978: "Da stand eine ganze Reihe Leute, und die Feuerwehr stand da, sozusagen Gewehr bei Fuß, und hatte eigentlich nur die Aufgabe, dass sie die Nachbarhäuser beschützen sollte. Aber die Synagoge war schon drei Viertel runtergebrannt. Die hat man die Nacht über brennen lassen." Am selben Vormittag zogen Nazis weiter durch die Hansestadt und demolierten circa 50 Wohnungen und Geschäfte. 64 jüdische Männer wurden verhaftet.