Die Geschichte des Hans Moral

von Siv Stippekohl
Der jüdische Zahnmediziner Prof. Dr. Hans Moral aus Rostock © Universitätsarchiv Rostock Der jüdische Zahnmediziner Prof. Dr. Hans Moral aus Rostock

Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Ein trauriges Beispiel für die NS-Verbrechen in Mecklenburg-Vorpommern ist der jüdischen Zahnarzt Dr. Hans Moral.

Er war seiner Zeit voraus

Hans Moral war ein anerkanntes wissenschaftliches Ausnahmetalent. In Greifswald hatte er Zahnmedizin studiert und promoviert. Mit nur 28 Jahren übernahm er zu Beginn des ersten Weltkrieges zunächst kommissarisch die Leitung des zahnärztlichen Institutes in Rostock und hielt unter großen Anstrengungen bis an die Grenzen seiner Gesundheit den Betrieb aufrecht. 1924 erhielt Professor Hans Moral für seine außerordentlichen Verdienste die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock.

Hans Moral hinter der Fassade

Professor Heinrich von Schwanewede, selbst Zahnmediziner in Rostock, hat die Personalakte von Hans Moral studiert. Er spricht von einem gehetzten Menschen. Hans Moral war Jude. 1931 schrieb er seinen ersten Abschiedsbrief - einen Hilferuf. Als er schon gesundheitlich angeschlagen war, schrieb er, dass seine Auslandsreisen ihm als Vaterlandsverrat ausgelegt worden seien. Das habe er nicht nötig.

Professor von Schwanewede über Hans Moral:

"Dr. Hans Moral war auch Dekan der medizinischen Fakultät, als Vertreter eines sehr jungen Fachgebietes - und das war ein Zeichen seiner Tüchtigkeit.
Er ist europaweit als Referent tätig gewesen, als jemand, der neue Methoden demonstrierte, sodass es wirklich berechtigt ist, zu sagen, dass Moral zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Zahnmediziner in Europa gewesen ist.
In DDR-Zeiten fand Moral nicht viel Erwähnung. Aber nach der Wende hat sich glücklicherweise gezeigt, dass man Morals Leistungen noch heute sehr hoch einschätzt und anerkennt."

Das traurige Ende seiner Karriere

In Mecklenburg regierten bereits seit 1932 die Nationalsozialisten. Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte, Rechtsanwälte, Ärzte boykottiert - Hans Moral wurde gezwungen, sich beurlauben zu lassen. Sein Urlaubsgesuch wurde zusammen mit Flugblättern vor seinem Institut verteilt. Ihm selbst wurde erklärt, die Universitätsklinik könne vom "Abwehrkampf gegen die Greuelpropaganda des Judentums" nicht ausgenommen werden - schließlich sei er, der Direktor, ja Jude.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Forum | 27.01.2012 | 20:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/geschichte/chronologie/nszeitundkrieg/hansmoral101.html
Geschichte
Gedenkstein an die Ofer des Holocaust auf dem Jüdischen Friedhof in Rostock. © dpa Fotograf: Bernd Wüstneck
 

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Am 27. Januar gedenkt Deutschland aller Opfer des Nationalsozialismus. mehr

Briefe

Schriftstücke zum Tode Hans Morals

Die Schriftstücke des Regierungsbevollmächtigten und des Rektoren der Universität Rostock zum Tod Hans Morals.

Download starten